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H2020

ISAAC — Ergebnis in Kürze

Project ID: 691875
Land: Italien
Bereich: Energie

Biogas in Italien: Vom Randphänomen zum wichtigen Energieträger

Italien ist der zweitgrößte europäische Produzent von Biogas, und doch erreicht Biogas noch immer nicht die Marktakzeptanz anderer erneuerbarer Energieträger. Ein EU-finanziertes Projekt sollte nun künftiges Wachstum und Nachhaltigkeit im Biogassektor des Landes fördern.
Biogas in Italien: Vom Randphänomen zum wichtigen Energieträger
Biogas und dessen gereinigte Version Biomethan sind CO2-neutrale Energieträger für die Strom- und Wärmeerzeugung sowie den Verkehrssektor und damit für die Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft enorm von Bedeutung. In Italien sind mehr als 1 500 anaerobe Vergärungsanlagen in Betrieb, was zeigt, dass die Perspektiven für Biogas durchaus vielversprechend sind. Allerdings ziehen die wichtigsten Wirtschaftszweige, Interessengruppen und Biomasseproduzenten noch immer nicht an einem Strang, und in der Bevölkerung mangelt es noch an sozialem Bewusstsein für die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile von Biogas, sodass das enorme Potenzial von Biogas längst noch nicht ausgeschöpft ist.

Aufgabe des EU-finanzierten Projekts ISAAC war daher, einen Großteil der Hürden auszuräumen und Biogas aus seinem Nischendasein zu holen, um es in Italien als erneuerbaren Energieträger zu etablieren. Die Projektpartner identifizierten verschiedene Arten von Hindernissen für eine stärkere Marktdurchdringung und kategorisierten sie je nach sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Faktoren.

Zunehmende soziale Akzeptanz

„Partizipationsprozesse in zwei Pilotregionen zu fördern, die den Bau von Biomethananlagen vorantreiben wollen, war der Ausgangspunkt für ein gemeinsames Entscheidungsparadigma und die Vermeidung sozialer Konflikte“, erklärt Serena Drigo, Forschungsleiterin von ISAAC. Diese partizipativen Veranstaltungen wurden in Andria und Arborea organisiert. So wurden mehr als 170 Einwohner in den Entscheidungsprozess über den Bau einer Biomethananlage einbezogen, wobei es etwa um die Verwertung der organischen Fraktion von Siedlungsabfällen und eine Anlage für Flüssigbiomethan zur Verwertung von Rindergülle ging.

An den partizipativen Prozessen wirkten auch Mitglieder des Stadtrats mit, während ein Bürgerforum eine Liste von Anfragen erstellte und Empfehlungen an Interessengruppen für künftige Biomethananlagen in den Regionen gab. „Weiterhin waren mehrere Besuche von Biogasanlagen in anderen Regionen geplant, um den Bürgern reale Demonstrationsprojekte für Biogasproduktion zu zeigen und Gerüchten entgegenzuwirken, die unter den Anwohnern über mögliche Gefahren, Gerüche oder Lärm kursierten“, fügt Drigo hinzu.

Fragmentierung reduzieren

Der besondere Schwerpunkt von ISAAC lag auf der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Förstern und anderen Interessengruppen, um die Anlagengröße und technischen Eigenschaften zu optimieren und damit Kosten (sowohl für Realisierung als auch Wartung), Transportaufwand und Platzbedarf für eine Biomethananlage zu reduzieren. „Hierfür haben wir ein neues Tool entwickelt, das die Verfügbarkeit von Biomasse bewertet und Möglichkeiten untersucht, verschiedene Arten von Restbiomasse aus landwirtschaftlichen Betrieben und dem Lebensmittelsektor zu verwerten. Mit dem über die Projektwebsite bereitgestellten Tool konnten wir außerdem Daten zu wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der Biogas-/Biomethanproduktion auf die jeweiligen Regionen erstellen und abrufbar machen“, erklärt Drigo.

Schwerpunkt Aus- und Weiterbildung

Das Projekt erarbeitete speziell auf regionale und kommunale Verwaltungen zugeschnittene Schulungen zu Biogas, das aus landwirtschaftlichen und urbanen Reststoffen erzeugt wird. Mit einem systematischen Ansatz für jedes Thema wurde ein umfassender Überblick über Faktoren gegeben, die zur erfolgreichen Umsetzung unternehmerischer Initiativen beitragen. Die Themen reichten von rein technischen Informationen bis hin zu regulatorischen und autoritativen Verfahren, bei denen entsprechend den neuesten Richtlinien stets das Prinzip ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit im Vordergrund steht.

Die Projektpartner richteten sich auch an die junge Generation und organisierten für mehr als 850 Studenten eine Informationsreise in sieben Regionen Italiens. Neben einem Prototypen für die anaerobe Vergärung soll die neue App „Buck Bradley Comic Adventure“, die im Google Play Store und bald auch im Apple Store verfügbar ist, das Interesse junger Menschen an Biogas und Biomethan wecken. Das interaktive Videospiel in Form von Comics behandelt auf neue und spannende Weise verschiedene Themen zu ökologischer Nachhaltigkeit.

Schlüsselwörter

ISAAC, Biogas, Anlage, Biomethan, Italien, partizipativer Prozess, anaerobe Vergärung, erneuerbarer Energieträger, Biomasse
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