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ERC

FAMHEALTH — Ergebnis in Kürze

Project ID: 324055
Gefördert unter: FP7-IDEAS-ERC
Land: Vereinigtes Königreich
Bereich: Gesellschaft

„Linked Lives“ und ihr Einfluss auf unsere Gesundheit

Das Projekt FAMHEALTH hat viel dazu beigetragen, dass wir die komplexen Wechselwirkungen zwischen familiärer Situation und Gesundheit im Laufe des Lebens besser verstehen.
„Linked Lives“ und ihr Einfluss auf unsere Gesundheit
Es lässt sich nicht leugnen, dass die Entscheidung, eine Familie zu gründen – und mit wem – großen Einfluss darauf hat, wie wir unser Leben leben. Die Menschen, die uns am nächsten stehen, beeinflussen und verändern uns häufig und das kann sogar so weit gehen, dass sie unsere Gesundheit beeinflussen. Mit diesem Prozess kennt sich Prof. Emily Grundy, Leiterin des Institute for Social and Economic Research (ISER) an der Universität Essex, sehr gut aus: Seitdem sie sich vor fünf Jahren für das Projekt FAMHEALTH gemeldet hat, untersucht sie den Einfluss von Familienbiografien auf die Gesundheit und das Wohlbefinden im höheren Erwachsenenalter.

Prof. Grundys Team hat eine Vielzahl von großen Datenbeständen genutzt und hochentwickelte statistische Methoden angewandt, um wichtige Veränderungen mit gesundheitlichen Folgen zu verknüpfen. Sie verglichen Geschwister, Länder und Zeiträume miteinander und kamen zu äußerst wichtigen und manchmal überraschenden Ergebnissen.

„Wir wussten, dass in jungen Jahren ein Kind zu bekommen, Kinder alleine zu erziehen, kurz nacheinander mehrfach zu entbinden, eine große Familie zu haben und Ereignisse wie eine Scheidung allesamt Belastungen mit sich bringen, besonders wenn das gleichzeitig zu schwierigen finanziellen Verhältnissen führt. Sogar wenn die Kinder erwachsen sind, können sie einen zwar unterstützen, aber einem eben auch Sorgen bereiten“, erklärt sie. „Doch diese Forschung hat uns erlaubt, noch viel tiefer zu gehen. Wir haben zum Beispiel herausgefunden, dass Eltern es als Abnahme der Lebensqualität erlebten, wenn ihr erwachsenes Kind arbeitslos wurde. Im Gegensatz dazu erhöhte sich ihre Lebensqualität, wenn sie ein Kind hatten, das heiratete.“

Laut den Ergebnissen aus FAMHEALTH erhöhen Nachteile in der Kindheit die Wahrscheinlichkeit, selbst frühzeitig Mutter oder Vater zu werden, und dies ist meist – zumindest in Westeuropa – auch mit schlechterer Gesundheit und schlechteren Karrierechancen verbunden. In östlichen Ländern ist das aber nicht zwingend der Fall. Das könnte daran liegen, dass in früheren sozialistischen Regimen die Berufstätigkeit von Frauen gefördert und Familien mit Kindern umfangreich unterstützt wurden.

Sie fügt noch eine weitere interessante Tatsache hinzu: „Außerdem hat sich gezeigt, dass ältere Menschen ohne Kind oder Partner in östlichen Ländern Europas ein größeres Depressionsrisiko hatten als in westlichen. Das rührt höchstwahrscheinlich daher, dass die Unterstützung von erwachsenen Kindern heute so viel wichtiger ist, nachdem die früheren staatlichen Hilfen weggefallen sind.“

Es gab auch einige Unterschiede zwischen nördlichen Ländern und dem übrigen Europa. „In Ost- und Südeuropa waren ältere Witwen glücklicher, wenn ein Kind bei ihnen wohnte als wenn sie allein lebten, während in Nordeuropa das Leben mit Kind mit weniger Zufriedenheit assoziiert wurde. Gleichfalls erlebten Eltern mittleren Alters in den nordischen Ländern, deren Kinder wieder zu Hause einzogen, dies als einen Rückgang der Lebensqualität, aber in anderen Regionen Europas war das nicht der Fall“, so Prof. Grundy.

Ein anderes wichtiges Ergebnis mit Bezug zur Gesundheit war, dass in Norwegen unverheiratete Männer – speziell Männer, die noch nie verheiratet gewesen waren – mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit als verheiratete Männer Medikamente einnahmen, um das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen zu senken. Prof. Grundy zufolge könnte das ein Grund dafür sein, dass für diese Gruppe im Vergleich zu verheirateten Männern das Risiko steigt, an solchen Krankheiten zu sterben.

Insgesamt hofft Prof. Grundy, dass die Ergebnisse aus FAMHEALTH politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, zu erkennen, dass „Linked Lives“ immer stärker dazu führen, dass ein Ereignis im Leben der Eltern auch die Kinder betrifft und umgekehrt. Außerdem wünscht sie sich, dass die Erkenntnisse, die im Projekt zu kumulativem Stress bei der Erziehung von Kindern gewonnen wurden, zu stärkerer Unterstützung von Familien beitragen, damit sich langfristig auch gesundheitliche Verbesserungen einstellen.

Schlüsselwörter

FAMHEALTH, Familienbiografien, Gesundheit, Kindheit
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