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Projekt-Erfolgsstorys - Schlauer als Ihr durchschnittliches Verkehrssystem

95 % aller Unfälle im Straßenverkehr gehen auf menschliches Versagen zurück. Dies bedeutet, dass intelligente Verkehrssysteme dazu beitragen könnten, Europas Straßen sicherer zu machen. Ein EU-finanziertes Projekt ist jetzt bemüht, Europas fragmentierte Forschungskapazitäten in diesem wichtigen Bereich zusammenzuführen.
Projekt-Erfolgsstorys - Schlauer als Ihr durchschnittliches Verkehrssystem
Eine gute Nachricht ist, dass dank konzertierter Anstrengungen und wirksamer Strategien und Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene europäische Straßen immer sicherer werden. So ist etwa die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr zwischen 1991 und 2006 um 44 % und seit 2000 um 23 % gesunken.

Doch die wachsende Mobilität fordert einen hohen menschlichen Tribut. Allein im Jahr 2006 starben 43 000 Menschen bei Unfällen auf Europas Straßen. Das ist mehr als das 20-fache aller Todesfälle im Schienen- und Luftverkehr zusammen, obwohl Zugunfälle oder Flugzeugabstürze weitaus größere Schlagzeilen machen. Im Jahr 2008 sanken die Zahlen leicht auf 39 000 Tote und 1,7 Millionen Verletzte.

Informations-und Kommunikationstechnologien (IKT) können eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Straßen-und Verkehrssicherheit spielen. Das hat auch die EU-Initiative eSafety gezeigt, die intelligente Verkehrstechnologien für mehr Sicherheit und umweltfreundliche Eco-Driving-Technologien auf den Markt bringen will.

Intelligente Verkehrssysteme (IVS) werden bereits in den Bereichen der bordeigenen Informationssysteme, der Fahrerassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems) sowie im Verkehrs-und Transport-Management eingesetzt. Sie können auch die Interaktionen zwischen verschiedenen Infrastrukturen wie Verkehr und Telekommunikation sowie zwischen verschiedenen Verkehrsträgern (Luft, Schiene und Straße) verbessern.

Darüber hinaus haben sie ein enormes wirtschaftliches Potenzial, da der Markt für bordeigene Fahrerinformationssysteme (IVIS) und Fahrerassistenzsysteme (ADAS), wie etwa Technologie zur Erfassung von Fußgängern oder Fahrzeugen, wächst.

Irren ist menschlich

Untersuchungen über die Ursachen der Unfälle im Straßenverkehr zeigen, dass in 95 % der Fälle menschliches Versagen die Ursache ist. Aus diesem Grund können Straßen-Telematik und Fahrerassistenzsysteme zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr beitragen und unterstützen damit auch die Mobilität.

Damit solche Systeme effizient und sinnvoll sind und alle möglichen schädlichen Auswirkungen vermieden werden, müssen sie sich von Anfang an an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren. Die europäische Forschungsgemeinschaft besitzt hervorragende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten für ITS, unter anderem in den Bereichen der kognitiven und menschlichen Faktoren. Diese sind allerdings traditionell zersplittert und verstreut.

"Human-centred design for information societies technologies" (Humanist) ist ein EU-finanziertes Exzellennetz, das von 2004 bis 2008 lief und versuchte, die Forschungsanstrengungen Europas in diesen Bereichen zusammenzuführen, indem Brücken zwischen den einzelnen Wissenzweigen gebaut wurden.

Das 130 Mitglieder aus 25 Organisationen umfassende Netzwerk brachte einige der führenden europäischen Verkehrssicherheits- und Verkehrsforschungseinrichtungen zusammen, die ihre Anstrengungen koordinieren wollten, um Doppelarbeit zu vermeiden, den gesellschaftlichen Nutzen von ITS zu vergrößern, nationale Konzepte anzugleichen, schnell auf neue technologische Entwicklungen zu reagieren und um sich durch Forschung auf dem neusten Stand der Technik internationalen Herausforderungen zu stellen.

Während seiner vierjährigen Laufzeit hat Humanist zur Formulierung der europäischen Politik in diesem Bereich beigetragen. Dazu gehören auch wertvolle Beiträge zum Beratenden Ausschuss für die Europäische Forschung im Bereich Straßenverkehr (ERTRAC), der alle Beteiligten mobilisieren will, um so eine rechtzeitige, koordinierte und effiziente Anwendung der Forschungsressourcen im Hinblick auf die anhaltenden Herausforderungen des Straßenverkehrs zu gewährleisten.

Zwei Mitglieder des Humanist-Netzes nahmen im Rahmen der EU-Initiative eSafety an der FTE-Arbeitsgruppe eSafety teil. Diese Arbeitsgruppe lieferte Stakeholder-Beiträge zur Gestaltung des Arbeitsprogramms zum Thema IKT für Mobilität des Siebten Rahmenprogramms (RP7, 2007-2013). Darüber hinaus traten drei hochrangige Wissenschaftler von Humanist der eSafety-Arbeitsgruppe "Mensch-Maschine-Interaktion" (MMI) bei. Sie aktualisierten den Europäischen Grundsatzkatalog zur MMI für sichere und effiziente bordeigene Informations-und Kommunikationssysteme.

Problematisch ist noch, ob sich ITS auf das Verhalten und die Einstellung der Fahrer durchwegs positiv auswirken wird oder ob sie möglicherweise bestimmte negative Gewohnheiten, wie ein übermäßiges Technikvertrauen oder Leichtsinn eher unterstützen.

Durch Humanist konnte das Verständnis dazu, wie ITS das Fahrerverhalten beeinflusst, erweitert werden. Es wurden mehrere Konferenzen und Workshops zu den Themen organisiert, die führende Forscher auf dem Gebiet zusammenbrachten und den Austausch von Wissen förderten. Das Exzellenznetz hat außerdem ein Buch mit dem Titel "Critical issues in advanced automotive systems and human-centred design" (Kritische Fragen zu hochentwickelten fahrzeugtechnischen Systemen und nutzerorientierte Gestaltung) veröffentlicht, das, so der Koordinator von Humanist Jean-Pierre Medevielle, "als ein Referenzdokument in diesem Bereich angesehen werden kann." Darüber hinaus erarbeitete das Exzellenznetz ein multimediales Werkzeug für die Weiterbildung der Fahrer zum Einsatz von ITS.

Virtuelle Exzellenz

Eine der wichtigsten Errungenschaften von Humanist war die Errichtung einer Online-Plattform für Akteure im Bereich der nutzerorientierten Gestaltung für den Straßenverkehr, um Ideen auszutauschen, Ressourcen zu koordinieren und zu integrieren sowie um gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln. Das "Humanist virtual centre of excellence" (Humanist-VCE) wurde offiziell im Frühjahr 2008 ins Leben gerufen.

Humanist-VCE ist ein Netzwerk von einem Dutzend Forschungszentren und Hochschulen aus der gesamten EU und Norwegen. Durch die "Erneuerung der strategischen Forschungsagenda, den Austausch neuer Erkenntnisse und einer gemeinsamen Vision von der wissenschaftlichen Zukunft in diesem Bereich sowie die Förderung der neuen Generation von Wissenschaftlern durch ad-hoc-Schulungen, intensive Ausbildung und das Eintauchen der jungen Wissenschaftler in die Welt der Älteren", so Herr Medevielle, baut es auf den Errungenschaften von Humanist auf.

Das virtuelle Zentrum bietet seinen Mitgliedern eine Plattform, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit und die nächste Generation von Forschung und Entwicklung zu fördern, Ergebnisse durch Ausbildung zu verbreiten und die Mitglieder dazu zu ermutigen, sich an gemeinsamen Forschungsprojekten auf europäischer, nationaler und internationaler Ebene zu beteiligen.

Darüber hinaus organisiert das Netzwerk auch regelmäßig Konferenzen. Die jüngste fand im April 2010 in Berlin statt und führte mehr als 110 Teilnehmer aus Wissenschaft und Industrie sowie aus öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen in Europa, Amerika, Asien und Australien zusammen.

Die Mitglieder von Humanist-VCE sind derzeit an einer Reihe von EU-finanzierten Projekten im Rahmen des RP7 beteiligt. Zu den mannigfaltigen Bereichen gehören auch die Entwicklung von Prüfverfahren für elektronische Sicherheitssysteme, die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Fahrer und System und die Auswirkungen der Systeme auf das Fahrverhalten, aber auch die Datenerhebung und Analyse sowie Systemmodellierung.

Darüber hinaus wurden mehrere Forscher aus dem Netzwerk als Dozenten in einem neuen Master-Studiengang "menschliche Faktoren und neue Technologien für den Verkehr" ernannt. Das Hauptziel dieser Ausbildung ist es, Erkenntnisse über Ergonomie und menschliche Faktoren zu gewinnen, die zur Verbesserung der Konzeption und der Umsetzung von ITS und zum Prozess der Formulierung besonderer Regelungen beitragen sollen, um Leistung und Sicherheit zu stärken. Die erste Auflage dieses Master-Programms wurde im Dezember 2009 an der Hochschule für Erziehung und Wissenschaft (ISEC) in Lissabon gestartet.

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