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Staub von Stallwänden senkt Allergierisiko

Eine neue Studie erfasste, analysierte und veröffentlichte weltweit eine Unmenge von Daten zu Autoimmunerkrankungen und Allergien, um daraus langfristig erfolgreiche Therapien abzuleiten.
Staub von Stallwänden senkt Allergierisiko
Die Zahl der Asthmaerkrankungen und Allergien nimmt besonders in Europa zu: inzwischen ist jeder Dritte auf irgendeine Substanz allergisch. Dabei ist nicht nur der Leidensdruck, sondern auch die finanzielle Belastung durch Behandlungskosten enorm. Therapien zielen allerdings bislang hauptsächlich auf die Symptome, nicht aber auf die eigentlichen Ursachen der Erkrankung ab.

Epidemiologische Studien ergaben, dass Kinder aus ländlicher Umgebung, die Faktoren ausgesetzt sind, wie sie üblicherweise auf Bauernhöfen zu finden sind (z.B. Stallstaub), weitaus unempfindlicher auf Allergene aus der Umwelt reagieren. Weitere Untersuchungen legen nahe, dass eine mangelnde Exposition gegenüber Infektionserregern in früher Kindheit die Anfälligkeit für Allergien und möglicherweise auch für Autoimmunerkrankungen wie Diabetes erhöht. Mit diesem Zusammenhang beschäftigt sich die so genannte Hygienetheorie.

Um die Lücke zwischen Forschung und Praxis bzw. therapeutischer Umsetzung zu schließen, zielte das EU-finanzierte Projekt FORALLVENT (Forum for allergy prevention) auf die Entwicklung neuer Strategien ab. Insbesondere lassen sich die Ergebnisse zur Prävention, Behandlung und gegebenenfalls zur Formulierung allergenfreier Nahrungsmittel nutzen.

Ein integraler Bestandteil des Projekts war die Weiterführung des RP5-Projekts PASTURE, das die Entwicklung von Kindern in einer europaweiten Kohortenstudie von Geburt an dokumentierte. FORALLVENT lieferte weitere wichtige Ressourcen für eine Folgeerhebung und führte klinische Lungenfunktions-, Haut- und Bluttests für genomische, proteomische und peptidomische Analysen durch.

In Workshops wurden jüngste Erkenntnisse zur Rolle des Immunsystems vorgestellt, u.a. zu den Effekten von Stallstaub bei Mäusen. Dabei zeigte sich, dass Stallstaub eine Hypersensibilisierung verhindern kann, da er starke immunstabilisierende Substanzen enthält.

Auf einem Symposium in Polen zeigte sich, dass die Erzeugung sicherer, nicht pasteurisierter Kuhmilch bei Vertretern aus Industrie und Forschung auf außergewöhnlich hohes Interesse stieß, da unbehandelte Kuhmilch offenbar einen schützenden Effekt auf die Magen-Darm-Schleimhaut hat.

Die Immunforschung ist ein hochkomplexes und vielschichtiges Forschungsfeld. Da die Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen und Allergien exponentiell ansteigt, liefert die FORALLVENT-Studie eine hervorragende Plattform zur Umsetzung von Forschungsergebnissen in die medizinische Praxis. Um möglichst vielen Interessenten die Ergebnisse der Studie zugänglich zu machen, soll die zum Thema eingerichtete Webseite mindestens drei Jahre nach Abschluss des Projekts weitergeführt werden.

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