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FP6

LINEE — Ergebnis in Kürze

Project ID: 28388
Gefördert unter: FP6-CITIZENS
Land: Schweiz

Mehrsprachigkeit für multikompetente Europäer

Die breitere Bedeutung des Begriffs Mehrsprachigkeit ist ebenso vage wie seine Auswirkung auf die Identitätsbildung und der Raum, den er in der Sprachenpolitik einnehmen sollte. Ein Kompetenznetzwerk stellt die Wichtigkeit eines neuen Ansatzes in Bezug auf die Mehrsprachigkeit heraus und bindet alle wesentlichen Beteiligten, von Lehrern bis hin zu Politikern, in diesen Prozess ein.
Mehrsprachigkeit für multikompetente Europäer
Im Projekt "Languages in a network of European excellence" (LINEE) arbeiten neun europäische Universitäten zusammen und untersuchen die sprachliche Vielfalt in Europa. Die thematischen Schwerpunkte waren Sprache, Identität und Kultur, Sprachenpolitik und Planung, Mehrsprachigkeit und Bildung sowie Sprache und Wirtschaft. Jedes Thema wurde auf nationaler, regionaler und europäischer Ebene erforscht.

Das Ziel von LINEE war die Zusammenführung von Forschung, Wissen und struktureller Leistungsfähigkeit der jeweiligen Partner zur Überwindung der Fragmentierung und zum Aufbau eines erstklassigen, wissensbasierten Referenzrahmens. Damit sollten genauere Informationen dazu gewonnen werden, wie Mehrsprachigkeit in Europa funktioniert.

Die Forscher untersuchten, wie und ob Sprache, Identität und Kultur voneinander abhängen und welche Schwierigkeiten und Chancen sich aus diesen Zusammenhängen ergeben könnten. Bei Praxisstudien stellte sich heraus, dass Mehrsprachigkeit von Lehrern nicht als Vorteil angesehen wird und der Unterricht meist gemäß der Maxime nur "eine Sprache im Klassenzimmer" und "nicht mehrere Sprachen gleichzeitig" erfolgt. Diese Entwicklung zeigt sich noch deutlicher, beim Unterrichten von Migranten; es wird davon ausgegangen, dass das Erlernen mehrerer Sprachen zur gleichen Zeit die Lernenden verwirrt und das Erlernen der Sprache des Gastlandes verzögert wird. Derselbe Ansatz wird im Fremdsprachenunterricht verfolgt; dort verwenden Lehrer im Unterricht fast ausschließlich die Zielsprache. Durch einen solchen Ansatz wird die bei Schülern eventuell vorhandene Veranlagung zur Mehrsprachigkeit vernachlässigt, ignoriert und sogar verschwendet.

In der Lehrerausbildung sollte Wert auf die Vorteile der Mehrsprachigkeit gelegt werden und dem Lehrpersonal die Möglichkeit gegeben werden, die Mehrsprachigkeit der Schüler im Unterricht zu fördern. Dieser Ansatz wird die Vermittlung des Unterrichtsstoffs und sogar das Erlernen anderer Sprachen fördern. Dies ist besonders dann wichtig, wenn man bedenkt, dass der Einfluss dieser Lehrer sich auch auf das häusliche Umfeld der Schüler erstreckt und sich damit auch auf die dort gepflegte Sprache auswirkt.

Die Projektpartner betonten daher die Tatsache, dass die Lehrerausbildung in dieser Richtung mit Programmen zur Förderung interkultureller Fähigkeiten und Lehrermobilität vertieft werden sollte.

Außerdem fanden die Forscher heraus, dass nur bestimmte Arten der Mehrsprachigkeit im Bildungssystem geschätzt und gefördert werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Sprachenpolitik sich auf die Standardsprachen konzentriert und der Begriff Mehrsprachigkeit von den Betroffenen – vom Politiker bis zum Laien – unterschiedlich interpretiert werden kann, sind Missverständnisse und Konflikte bei der Diskussion um seine Wichtigkeit unvermeidlich. Es ist wichtig, diese zu beseitigen und die Dynamik von Integration, Machtverhältnissen und vergangenen Konflikten zwischen europäischen Ländern zu bedenken und eine Politik zu verfolgen, die die Auswirkungen der Mehrsprachigkeit auf dem Arbeitsmarkt ebenso anerkennt wie ihre Bedeutung bei der Identitätsbilldung.

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