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Formstabile Wolle durch bakterielle und enzymatische Behandlung

Aus Wolle, die mit genetisch veränderten Enzymen behandelt wird, lassen sich modifizierte, natürliche Fasern herstellen, die weder einlaufen noch fusseln und bei niedrigen Temperaturen ohne Schäden am Textil gefärbt werden können.
Formstabile Wolle durch bakterielle und enzymatische Behandlung
Wolle ist eine natürliche Faser, die im Vergleich zu Kunstfasern bessere wärmeisolierende Eigenschaften aufweist und zudem reiß- und feuerfester ist. Trotz dieser hervorragenden Eigenschaften ist das Auge des Verbrauchers kritisch, da Wolle beim Waschen oft einläuft und verfilzt. Zwar kann das Einlaufen durch Chlorieren verhindert werden, aus ökologischer Sicht ist der Einsatz organischer Chloride allerdings bedenklich aufgrund der hohen Abwasserbelastung.

Das EU-finanzierte Projekt ENZUP (Enzymatic up-grading of wool fibres) kombinierte gentechnische Expertise mit konventionellen enzymatischen Verfahren und entwickelte eine Nachbehandlungsmethode, die das Kleidungsstück beim Waschen vor dem Einlaufen schützt.

Proteolytische Enzyme brechen die Fasern auf und machen sie dadurch einlaufbeständig. Weil sie aber so klein sind, können sie tief ins Gewebe eindringen und dort einen enzymatischen Abbau bewirken. Das Prinzip der technischen Behandlung ist einfach: durch Vergrößerung des Enzyms verhindert man auf physischem Wege das tiefe Eindringen in die Fasern und deren Schädigung. ENZUP stellte auf chemischem Wege Proteasen in drei Größen her und enthüllte zugleich das Wirkprinzip der enzymatischen Behandlung und deren Effekt auf die Wollfasern.

Aufbauend auf den Forschungsergebnissen verbesserte ENZUP die Nachbehandlung durch Einsatz von Subtilisinen, einer Enzymgruppe mit hohem Molekulargewicht. Indem eine DNA-Sequenz für Prosubtilisin aus dem Bakterium Bacillus subtilis mit einem anderen Gen kombiniert wurde, gelang die Herstellung eines Elastin-ähnlichen Polymers. Bei Elastin handelt es sich, wie der Name schon sagt, um ein Protein, das menschliche Haut und andere Gewebe elastisch hält.

Ergebnisse des Projekts sind eine Vielzahl von Enzymen für den speziellen Einsatz, beispielsweise zur Behandlung gegen Verfilzen und Pilling-Effekt (kleinen Knötchen auf der Textiloberfläche, die abrasiert oder abgezogen werden müssen) oder für textilschonende Kaltfärbungen. ENZUP verbesserte die Stabilität des Enzyms durch Kombination mit dem Eudragit®-Polymer, das nun als Inhaltsstoff von Wollwaschmitteln und Fleckentfernern eingesetzt werden kann.

Der Einsatzbereich von ENZUP-Enzymen in der Woll- und Bekleidungsindustrie ist vielfältig. Behandelte Wolle erzielt bessere Marktwerte und der Verbraucher hat noch lange Freude an seinem weichen Wollpullover.

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