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Neuartige Skalpellklingen aus Kunststoff

Finanzmittel von der EU versetzten europäische Forscher in die Lage, einen Prototyp einer Polymerskalpellklinge mit Handgriff zu entwickeln, die zahlreiche Vorteile gegenüber konventionellen Edelstahlklingen aufweist.
Neuartige Skalpellklingen aus Kunststoff
Während chirurgische Klingen und Skalpelle zu den am häufigsten angewandten und einfachsten Geräten des Chirurgen zählen, können mit deren Handhabung, Gebrauch und Entsorgung durchaus Probleme verbunden sein. Außerdem ist das Entsorgungsprozedere für Wegwerfklingen aus Edelstahl ziemlich teuer.

Finanziert innerhalb des Disblade-Projekts ("A new concept for the hardening of polymers allowing the production of disposable surgical blades preventing the need for sterilisation") entwickelten europäische Forscher ein Verfahren zur Herstellung qualitativ hochwertiger Wegwerfskalpellklingen auf Polymerbasis. Ultimatives Ziel war eine Verbesserung der Oberflächenschärfe um 40% im Vergleich zu üblichen Edelstahlklingen und ein Nachweis einer Steifigkeit, einer Schärfe und einer Verschleißfestigkeit, die mit der von Edelstahlklingen vergleichbar sind.

Außerdem "entschärft" ein neuartiges Heizplatten-Entsorgungssystem innerhalb von weniger als einer Sekunde noch im Operationssaal die Klinge, was eine großartige Vereinfachung der Entsorgung darstellt.

Den Disblade-Wissenschaftlern gelang die erfolgreiche Entwicklung eines industriellen Verfahren zur Oberflächenhärtung von Polymeren und Polymermischungen, für das ein Patent angemeldet wurde. Der Prozess beruht auf der Erweichung der Oberfläche mittels überkritischem Kohlendioxid (scCO2), dem Einbau eines keramischen Vorläuferverbindung in die Oberfläche und der Reaktion der Materialien, wodurch eine Keramik-Polymer-Hybridoberfläche gebildet wird. Deren erhöhte Oberflächenhärte und Kratzfestigkeit erleichtert das Polieren einer scharfen Kante für präzise und minimal-destruktive Schnitte.

Man erdachte eine insgesamt aus Polymer bestehende Konstruktion aus Skalpellhandgriff und nicht entfernbarer Klinge. Dazu zählte die Herstellung mit Hilfe gebräuchlicher Spritzgussverfahren, die bei Edelstahlkomponenten nicht anwendbar sind. Überdies wurden die Befestigung der Klinge am Skalpell sowie deren Zerlegung überflüssig - hier konnten Sicherheitsrisiken signifikant reduziert werden. Außerdem sorgt das vereinfachte Entsorgungssystem direkt im OP innerhalb von nur einer Sekunde für eine sichere Klinge.

Das Disblade-Konsortium fertigte mit Erfolg Skalpellgriffe mit nicht abnehmbaren Klingen auf Polymerbasis und konnte im Vergleich zu konventionellen Edelstahlklingen gleich gute oder bessere Eigenschaften demonstrieren. Zu den zahlreichen Vorteile gehören das kosteneinsparende Spritzgießen von Teilen, das Wegfallen der Notwendigkeit des Befestigens und Auseinandernehmens von Klingen sowie die kostengünstige Entsorgung.

Die Disblade-Technologie wird mit Hilfe gut organisierter und wirksamer, auf die medizinische Gemeinschaft ausgerichteter Aufklärungskampagnen beträchtliche Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auf dem Sektor der chirurgischen Klingen haben.

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