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Biologisch bearbeitetes Leder für die Schuhindustrie

Ein EU-finanziertes Konsortium konnte erfolgreich neuartige Gewebekonstruktionsverfahren entwickeln, die für eine Steigerung der Ausbeute und der Qualität von Lederprodukten bei gleichzeitiger Senkung des Wasserverbrauch und der Umweltverschmutzung stehen.
Biologisch bearbeitetes Leder für die Schuhindustrie
Die lederverarbeitende Industrie bedient sich einer Vielzahl von Prozessen, von denen einer der wichtigsten das Gerben tierischer Rohhäute ist. Das Gerben erhöht Elastizität und Festigkeit für den Einsatz in Form vieler Produkte, wozu auch Lederschuhe gehören.

In der Gerberei verwendet man meistens giftige Chemikalien, um die Häute in einem wiederholten Einweich- und Spülprozess zu waschen. Hier entstehen enorme Abwassermengen, die, wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgt werden, ernsthafte Risiken für die Gesundheit des Menschen und die Umwelt bedeuten.

Ein europäisches Konsortium schloss sich deshalb zusammen, um einige der dringendsten Probleme der europäischen Gerbereien mit EU-Unterstützung im Rahmen des Projekts Dermagenesis ("Bio-engineering of leather: structure design, biosynthesis - Towards zero emission production") in den Griff zu bekommen.

Zusätzlich zu den Fragen des Wasserverbrauchs und der Umweltverschmutzung ist der Rohstoffmarkt für Häute und Felle sehr schwankungsanfällig. Auch die Qualität fällt unterschiedlich aus. Außerdem ist oft die mechanische Leistung des Rohmaterials der des fertigen Produkts überlegen.

Die am Projekt beteiligten Universitäten, Forschungseinrichtungen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Industrieverbände beschäftigten sich mit neuartiger, kostengünstiger Bio-Fertigung, die auf den speziellen Bedarf der Schuhhersteller zugeschnitten ist.

Die Dermagenesis-Projektziele bestanden in der Erhöhung von Ausbeute und Qualität bei gleichzeitiger Minimierung des Wasserverbrauchs und der Umweltverschmutzung, zu erreichen über die Entwicklung innovativer biotechnologischer Prozesse.

Dermagenesis entwickelte natürliche und synthetische Bio-Hybridmaterialien und Prozesstechniken, woraus mit Hilfe einer abfallarmen oder -freien Fertigung metall-, salz- und biozidfreie getrocknete Halbfertigprodukte resultierten.

In einer Kombination aus traditioneller Lederverarbeitungstechnik mit Tissue-Engineering wurde eine drei mm dicke dreidimensionale (3D) Rinderhaut (Hausrind, Büffel, Ochse, etc.) stabilisiert und mit neuartigen, Gewebewachstum einsetzenden Nachbehandlungstechniken verarbeitet.

Ein von dem Konsortium hergestelltes erstes tragbares Testinstrument auf Biotoxizität (Dermatox) könnte neben der Gerberei auf vielen potenziellen Gebieten zum Einsatz kommen.

Wird die vom Dermagenesis-Konsortium entwickelt Biotechnologie optimiert, so könnten die Ausbeute an und die Qualität der Materialien für den Lederschuhsektor gesteigert und gleichzeitig der Wasserverbrauch und die Entstehung von Umweltschadstoffen gesenkt werden. Die Ausnutzung der Resultate wird zweifellos der Wettbewerbsposition des Sektors, der Gesundheit der Menschen und der Umwelt zugute kommen.

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