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FTE-Erfolgsstory - Neue Medikamente gegen Tuberkulose

Da Tuberkulose (TBC) in vielen Industrienationen wieder auf dem Vormarsch ist (in den Entwicklungsländern war Tuberkulose immer präsent), könnte der bahnbrechende neue Wirkstoff, an dem EU-finanzierte Wissenschaftler forschen, genau zum richtigen Zeitpunkt kommen.
FTE-Erfolgsstory - Neue Medikamente gegen Tuberkulose
Alle 15 Sekunden stirbt ein Mensch an Tuberkulose. In den kommenden 10 Jahren werden 30 Mio. Menschen dem tödlichen Infektionserreger zum Opfer fallen, wenn es nicht gelingt, wirksame neue Medikamente zu entwickeln.

Nach der Art und Weise, wie das Lungengewebe im Verlauf einer Tuberkulose "schwindet", wurde die älteste bekannte Infektionskrankheit auch "Schwindsucht" genannt. Ihr Verursacher, das Mycobacterium tuberculosis, hat bereits ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert, und das, obwohl seit Jahrzehnten versucht wird, die Zahl der Neuinfektionen durch Impfungen zu senken!

In der Tat existieren zwar medikamentöse Strategien – DOTS (Directly observed short course chemotherapy) ist eine davon – aber sie gelten unter Medizinern als "überholt, langsam und ineffizient". Auch das Auftreten multiresistenter Erregerstämme macht die Entwicklung in Ländern mit hohem Infektionsaufkommen, besonders aber in Europa, Besorgnis erregend.

"Wir stellen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der weltweiten HIV-Epidemie und der Ausbreitung und dem Wiederaufflammen von TBC fest", so Professor Stewart Cole, wissenschaftlicher Koordinator des EU-finanzierten Projekts NM4TB und Direktor des Cole Lab der Eidgenössischen Polytechnischen Hochschule in Lausanne, Schweiz.

Für diese Korrelation gibt es eine gute Erklärung. Unbehandelt vermehrt sich der TBC-Erreger in den Lungen und verursacht eine Lungenentzündung, begleitet von Brustschmerzen, chronischem Husten und blutigem Auswurf. Normalerweise werden die Entzündungsherde von körpereigenen Immunzellen in so genannten Tuberkeln eingekapselt, was die Bakterien daran hindert, auf andere Bereiche des Körpers oder Kontaktpersonen überzugehen. Ist aber die Immunabwehr etwa durch HIV geschwächt, bricht diese Einkapselung (Narbengewebe) auf und die Bakterien breiten sich auf Lunge und andere Bereiche – Nieren, Knochen, Rückenmark, Gehirn – oder andere Menschen aus.

Die Forscher sehen nun die Zeit gekommen, dem Gegner ein für allemal den Garaus zu machen. Dank beträchtlicher öffentlicher und privater Finanzierung von Projekten wie NM4TB (New medicines for tuberculosis) und des bis 2016 laufenden Nachfolgeprojekts besteht durchaus Grund zur Hoffnung. Es wurden neue Wege gefunden, um Zielstrukturen für wirksame neuartige TBC-Medikamente zu identifizieren und zu validieren, mit denen der Behandlungszeitraum verkürzt und persistierende Erreger bzw. multiresistente Stämme bekämpft werden können.

Neue Leitstrukturen%Den Auftakt gab LNM4TB, ein ambitioniertes Wirkstoffforschungsprojekt, in dem sich Europas TBC-Spitzenforscher gemeinsam mit einem führenden Pharmaunternehmen (Astra-Zeneca) und drei KMU (kleine und mittlere Unternehmen) der Entwicklung innovativer Antiinfektiva verschrieben.

Das auf 66 Monate angelegte Projekt lieferte einen umfangreichen Katalog an potenziellen und validierten Zielstrukturen und entwickelt mehrere neuartige, patentrechtlich geschützte TBC-Wirkstoffe.

NM4TB entdeckte unter der Gruppe der Benzothiazinone den bislang aussichtsreichsten Wirkstoffkandidaten gegen TBC: für BTZ043 ist die präklinische Entwicklungsphase nahezu abgeschlossen, nun sollen erste klinische Studien anlaufen. Die Ergebnisse von NM4TB sind im Fachblatt Science nachzulesen.

Die unermüdlichen Forschungen der letzten 10 Jahre haben mit mehreren lebensrettenden Wirkstoffen fruchtbare Resultate gebracht: "Dies ist ein hervorragendes Finanzierungsmodell für künftige Wirkstoffforschungsprogramme, um weltweiten Armutserkrankungen wie TBC zu begegnen, die von kommerziellen F&E-Strategien oft vernachlässigt werden. Nachfolgende klinische Studien zum neuen Wirkstoff an TBC-Patienten müssen vollständig gefördert werden, um die wissenschaftlichen Ergebnisse in die Praxis umzusetzen", bestätigt Projektpartner Professor Philip Butcher von der St. George's University of London in einer Presseerklärung.

Im Nachfolgeprojekt MM4TB (More medicines for tuberculosis) werden weitere akademische Partner, zwei KMU und die F&E-Abteilung von Sanofi-Aventis der engagierten und unermüdlichen Suche nach neuen Antituberkulotika beitreten. Das Konsortium forscht an neuen Wirkstoffen, um dem altbekannten Feind nicht nur einen, sondern zwei Schritte voraus zu sein.

- Vollständige Bezeichnung des Projekts: New medicines for tuberculosis

- Projektakronym: NM4TB

- Projektwebsite: http://www.nm4tb.org

- Projektreferenznummer: 18923

- Name/Land des Projektkoordinators: Stewart Cole, Eidgenössische Polytechnische Hochschule Lausanne, Schweiz

- Gesamtprojektkosten 12.879.968 EUR

- Beitrag der EK: 11.070.000 EUR

- Projektbeginn/-ende: Januar 2006 bis Juni 2011

- Weitere Partnerländer: Ungarn, Vereinigtes Königreich, Schweden, Indien, Russland, Slowenien, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, Spanien, Südafrika

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