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Neue Maßnahmen im Kampf gegen Krankenhauskeime

Stationär erworbene Infektionen (Health care-associated infections, HAI), speziell katheter-assoziierte Veneninfektionen (central line-related bloodstream infections, CLABSI) gehen mit hoher Sterblichkeit und Morbidität einher. Ein Forscherteam erfasste nun aussagefähige Daten für gesundheitspolitische Empfehlungen.
Neue Maßnahmen im Kampf gegen Krankenhauskeime
Das EU-finanzierte Forschungsprojekt PROHIBIT (Prevention of hospital infections by intervention and training) sichtete bestehende Empfehlungen und Praktiken im Kampf gegen stationär erworbene Infektionen in europäischen Krankenhäusern. Weiterhin wurden Faktoren identifiziert, die die Compliance bei bewährten Praktiken verbessern bzw. beeinträchtigen, auch sollte die Wirksamkeit derzeitiger Maßnahmen getestet werden.

Die größten Hürden in diesem Bereich liegen für Europa in der Vielzahl an Nationalsprachen und Gesundheitssystemen. Daher wurden derzeitige Empfehlungen zu verschiedenen HAI in mehreren EU-Ländern geprüft, wobei sich große Variationen bei Umfang, Inhalten, Terminologie und Strukturierung der Leitlinien zeigten. Die aktuelle Studie liefert nun einen Überblick über Empfehlungen, die in der jeweiligen Landessprache für das medizinische Personal zur Verfügung stehen. Um die Versorgungsqualität zu verbessern, empfiehlt die Studie daher, die Leitlinien für die Mitarbeiter in der Landessprache zu verfassen.

Zudem wurde ein europaweiter Übersichtsbericht zur Infektionskontrolle und Prävention (IPC) sowie deren Organisation und Struktur erstellt und veröffentlicht. An der Entwicklung dieser umfassenden IPC-Dokumentation waren 24 Länder beteiligt, die Daten aus mehr als 300 Krankenhäusern und damit detaillierte Informationen über Einrichtungen und HAI-Maßnahmen lieferten.

Die europäischen Krankenhäuser nahmen an einer Studie teil, die entweder Maßnahmen zur Handdesinfektion oder die Insertion und Versorgung zentraler Venenkatheter beinhaltete. In 14 Krankenhäusern in 11 Ländern wurden mehr als 2.000 Katheterlegungen und über 4.000 Handdesinfektionsmaßnahmen dokumentiert. Die Studie bestätigte, dass multimodale Infektionsprävention in kulturell verschiedenen europäischen Ländern möglich und sinnvoll ist, vorausgesetzt, sie können lokal angepasst werden.

Den beteiligten Krankenhäusern wurde abschließend ein Screening-Fragebogen zur Einführung, Umsetzung und Nachhaltigkeit der HAI-Prävention vorgelegt. Mehrere Schlüsselthemen wurden identifiziert, u.a. zu Ressourcen, Netzwerken und Kommunikation, Personalfragen sowie Aus-, Weiterbildungs- und Sicherheitsmaßnahmen.

PROHIBIT legte der Europäischen Kommission damit einen umfassenden Bericht mit Empfehlungen vor. Dazu gehören eine europäische IPC-Strategie zu Überwachungsmaßnahmen, einer Plattform und Behörde für die Erstellung entsprechender Leitlinien sowie Schulungen und Umsetzung evidenzbasierter Strategien. Für die Finanzierung schlägt PROHIBIT ein Budget für IPC-Aktivitäten vor, um über qualitativ hochwertige Forschung die Umsetzung zu fördern und gegebenenfalls das individuelle Verhalten zu verändern.

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Fachgebiete

Medicine and Health

Schlüsselwörter

Krankenhauskeime, Leitlinien, Best Practices, multimodale Infektionsprävention, Empfehlungen
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