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Neue Interventionsstrategien gegen Alkoholmissbrauch

Die EU verzeichnet den weltweit höchsten Alkoholkonsum pro Einwohner. Interventionen im Rahmen der medizinischen Grundversorgung (PHC) sollen nun Risiken aufgrund von Alkoholmissbrauch um bis zu 20 % reduzieren
Neue Interventionsstrategien gegen Alkoholmissbrauch
Die EU-finanzierte Initiative ODHIN (Optimizing delivery of health care interventions) wird die Umsetzung klinischer Forschungen in die routinemäßige Praxis vereinfachen. So analysierten die Forscher den Erfolg von Programmen zur Früherkennung und Kurzzeitintervention (IBI, identification and brief intervention) im Rahmen der PHC, um schädlichem Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch (HHAC, hazardous and harmful alcohol consumption) vorzubeugen. Neben Verhaltensanalysen sowie organisatorischen und finanziellen Aspekten wurden auch Wirksamkeit und Kosteneffizienz von IBI ausgewertet.

ODHIN entwickelte ein Bewertungsinstrument für die Einführung von IBI in Allgemeinpraxen, um Kenntnisstand, Umsetzung und Bereitstellung von IBI in EU zu dokumentieren. Den Ergebnissen zufolge nimmt etwa 1 von 30 Patienten, die von einer Beratung zu Alkoholmissbrauch profitieren würden, diese Beratung tatsächlich in Anspruch. Prioritäten für das HHAC-Management sind daher: formelle Art von Partnerschaft/Verbund/Expertengremium; Kommunikations-/Informationsstrategie mit Pflicht- und medizinischer Ausbildung zu Alkoholrisiken/IBI; nationaler Plan zur Prävention und Studien zu Alkoholmissbrauch.

In einer Erhebung unter 2345 Allgemeinärzten aus 8 europäischen Ländern ermittelte ODHIN die Einstellung von Medizinern und Erweiterungsmöglichkeiten von IBI. Wie der Bericht darlegt, erkennen Allgemeinärzte alkoholabhängige Patienten besser, wenn sie Erfahrung im Umgang mit Alkoholmissbrauch haben. Umgekehrt erkennen Ärzte, die das Krankheits- statt das Präventionsmodell vertreten oder die Verantwortung für den Alkoholkonsum an den Patienten abgeben, stark abhängige Patienten eher weniger.

ODHIN prüfte in einer dreistufigen Methodik, wie IBI hinsichtlich der Lebensführung standardmäßig in Allgemeinpraxen eingeführt werden könnten. Von allen Strategien zur Verbesserung von Prävention in der Gesundheitsversorgung waren Bildungs-, E-Health und kombinierte Maßnahmen am wirksamsten, um die Patientengesundheit und Lebensweise zu verbessern, insbesondere in Kombination. Vor allem bei der Problematik Alkoholmissbrauch zeigte sich, dass diese Strategien allein den Alkoholkonsum der Patienten zwar nicht wesentlich reduzierten, das IBI-Angebot durch Allgemeinmediziner aber deutlich verbesserten. Kombinierte Strategien sowohl für Mediziner als auch Patienten waren für die IBI-Umsetzung am wirksamsten, was durch organisatorische in Kombination mit anderen Maßnahmen noch verstärkt werden konnte.

Eine multifaktorielle RCT in 120 PHC-Einrichtungen in 5 Ländern sollte ermitteln, welche Kombinationen aus 3 Maßnahmen sich am positivsten auf die IBI-Umsetzung auswirkt: Beratung und Unterstützung, Rückvergütung für Anbieter oder Verfügbarkeit eines internetbasierten Beratungsprogramms für stark alkoholabhängige Patienten. Durch Kombination von Beratung und Unterstützung sowie Rückvergütung konnte die Zahl erwachsener Patienten, die über die PHC eine Kurzzeitintervention erhielten, verdreifacht werden.

ODHIN entwickelte ein ökonomisches IBI-Modell zur Kostenbewertung der Anpassung von IBI-Angeboten für verschiedene Länder. Die Kombination von Beratung und Unterstützung mit Rückvergütung erwies sich in vier der fünf untersuchten Distrikte als äußerst kosteneffektiv, was in drei Distrikten über 30 Jahre Ressourceneinsparungen in Höhe von rund 20 EUR pro Kopf erbrachte.

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Schlüsselwörter

Interventionen, Alkoholmissbrauch, medizinische Grundversorgung, Früherkennung und Kurzzeitintervention
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