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Neue Leitlinien für die Nachsorge von Krebs im Kindesalter

In den Industriestaaten hat durchschnittlich 1 von 1.000 Erwachsenen aus der Normalbevölkerung Krebs im Kindesalter überlebt (childhood cancer survivor). Um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, muss genau geklärt werden, welche Spätfolgen Krebstherapien haben können.
Neue Leitlinien für die Nachsorge von Krebs im Kindesalter
Dank besserer Therapien in den letzten Jahren ist die Zahl derer, die als Kind eine Krebserkrankung überstanden haben, signifikant gestiegen. Allerdings kommt es als Spätfolge der Behandlung bei fast 75 % der ehemaligen Patienten zu Komplikationen wie Zweitmalignomen oder Herzfunktions-, Stoffwechsel- und Störungen endokriner Funktionen. Daraus können sich chronische Krankheiten oder Behinderungen entwickeln, und mitunter sinkt sogar die Lebenserwartung.

Um den Spätfolgen von Krebstherapien beizukommen und die Lebensqualität zu verbessern, muss eine langfristige Nachsorge gewährleisten, dass im Ernstfall schnell interveniert werden kann. Voraussetzung hierfür ist, dass Komplikationen richtig erkannt und entsprechend behandelt werden, was wiederum spezifische Leitlinien zur effizienten Nutzung von Gesundheitsdiensten erfordert.

Um dieses Problem zu lösen, sollte das EU-finanzierte Projekt PANCARESURFUP (PCSF) (PanCare childhood and adolescent cancer survivor care and follow-up studies) über die Durchführung von Nachsorgestudien Forschung und Gesundheitsdienste europaweit integrieren. Als Nachfolger des PanCare-Netzwerks brachte das Projekt europäische Experten aus der klinischen Medizin und Epidemiologie zusammen. Hauptziel war dabei, spezifische Spätfolgen von Krebstherapien im Kindesalter bei den Überlebenden zu untersuchen und Leitlinien für den Umgang mit solchen und anderen Risiken zu erstellen.

Zur Toxizität von Krebstherapien im späteren Leben

Das Konsortium etablierte eine europaweite Kohorte von Patienten, die Krebs im Kindesalter überlebt hatten, und untersuchte die Häufigkeit von Herzerkrankungen, Sekundärtumoren und Spätmortalität. "Diese paneuropäische Studie erfasste Patienten aus großen nationalen, regionalen und klinischen Krebsregistern und ist damit die weltweit größte bisherige Studie zu Krebs im Kindesalter", so Projektkoordinator Dr. Hjorth. "Die Kohorte umfasst 115.000 Krebspatienten, von denen 84.000 Patienten Fünf-Jahres-Überlebende waren."

Die Wissenschaftler untersuchten auch die Effekte niedrigdosierter Strahlen- und Chemotherapie auf das Risiko, Sekundärtumoren (fast 70.000 Fünf-Jahres-Überlebende) und Herzkrankheiten (mehr als 37.000 Fünf-Jahres-Überlebende) zu entwickeln. "Wir wollten einschätzen, wie hoch bei einer Strahlentherapie im Kindesalter die Strahlendosis für die einzelnen Körperteile ist", fährt er fort.

Hierfür wurde das langfristige klinische Ergebnis mit der Strahlendosis korreliert, die die Körperteile aufgenommen haben. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung wurde dabei mit spezialisierter Dosimetrie-Software analysiert. Auf diese Weise kann bei spezifischen Therapien genauer eingeschätzt werden, wie hoch das Risiko für möglicherweise lebensbedrohliche Spätfolgen ist.

Die Spätmortalität bezeichnet den Tod mehr als fünf Jahre nach der Erstdiagnose. PCSF untersucht und validiert derzeit die Todesursachen in der bislang größten Studie zu Fünf-Jahres-Überlebenden (> 75.000).

Klinische Leitlinien

Das Konsortium erfasste Daten zur bestehenden Nachsorgepraxis und bewertete Übereinstimmungen und Nicht-Übereinstimmungen in verschiedenen Ländern. Dann wurden harmonisierte Leitlinien erstellt, um Kosten im Gesundheitswesen zu senken und die Nachsorge zu optimieren. Zudem soll eine altersgerechte medizinische Versorgung für Überlebende durch Übergangsmaßnahmen gewährleistet werden.

Für Kinder, die an Brustkrebs erkrankt waren und mit ionisierender Strahlung behandelt wurden, erstellten die PCSF-Partner Leitlinien zur Nachkontrolle der ehemaligen Patienten, da erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht. Darin ist festgelegt, dass die Nachbeobachtung im 25. Lebensjahr bzw. 8 Jahre nach der Bestrahlung beginnen sollte. Weiterhin ermittelten die Wissenschaftler das Risiko von Sekundärsarkomen in Knochen und Weichgewebe sowie Sekundärkarzinomen im Verdauungstrakt und Urogenitalsystem infolge einer Krebsbehandlung.

Die Bemühungen zielten auch darauf ab, Überlebende und Mediziner besser aufzuklären und stärker in Verantwortung zu nehmen. "Insgesamt", so Dr. Hjorth, "wissen wir nun mehr über die Spätfolgen von Krebstherapien und können künftige Krebstherapien besser darauf abstimmen, um Menschen, die Krebs im Kindesalter überstanden haben, im Alter bestmögliche Lebensqualität zu bieten."

Schlüsselwörter

Nachsorgeleitlinien, Krebs im Kindesalter, PANCARESURFUP, Herzkrankheiten, Strahlentherapie, Chemotherapie
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