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Neue Medikamente für die gezielte Tumortherapie

Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt entwickelte ein hocheffizientes Transportsystem für krebstherapeutische Wirkstoffe und untersuchte die menschliche Immunantwort auf die mit Wirkstoffen beladenen Minizellen.
Neue Medikamente für die gezielte Tumortherapie
Die gerichtete Tumortherapie ist eine der wichtigsten Forschungsrichtungen in der Onkologie. Das große Ziel dabei ist, den Wirkstoff nur in den betroffenen Bereich zu transportieren und gesundes Gewebe zu schonen, indem die relative Konzentration dort niedrig gehalten wird. Auf diese Weise können die Wirksamkeit erheblich verbessert und Nebenwirkungen minimiert werden.

So genannte EDV (EnGeneIC Delivery Vehicles) sind aus Bakterien derivierte Minizellen, die als Transporter fungieren und mit aktiven Wirkstoffen oder siRNA (kleinen interferierenden Ribonukleinsäuren) beladen werden können. In vivo werden sie ausschließlich an den Ort des Tumors transportiert, und zwar mittels bispezifischer Antikörper. Näheres ist auf der Projektwebseite unter http://www.engeneic.com/ nachzulesen. Eine kürzlich abgeschlossen klinische Phase-I-Studie demonstrierte die Sicherheit der EDV-Technologie am Menschen. Die klinischen Vorteile des EDV-Systems werden demnächst in einer Phase-II-Studie getestet.

Schwerpunkt des Gemeinschaftsprojekts CD14 war eine Phase-I-Studie, die den Umfang der Immunantwort des Wirts auf eine EDV-Therapie prüfen sollte. PBMC (periphere mononukleäre Blutzellen) gehören zu den kritischsten Komponenten des Immunsystems, da sie für die Infektionsabwehr und die spezifische Eliminierung von Pathogenen zuständig sind.

Wie sich herausstellte, beeinträchtigen EDV in vitro nicht die Lebensfähigkeit, Proliferation oder Stoffwechselaktivität menschlicher PBMC. EDV wurden jedoch von menschlichen PBMC erkannt und induzierten eine Antwort, wie sie für bakterielle Komponenten (Lipopolysaccharide, Lipoproteine oder Flagellin) typisch ist. Weiterhin wurde die Genexpression des Tumornekrosefaktors TNF-alpha und des Interferons IFN-beta induziert. Über Inhibitoranalysen stellte sich heraus, dass der Rezeptor TLR4 (toll-like receptor 4) an der Stimulation von PBMC durch EDV beteiligt ist.

Das CD14-Projekt prüfte in einer relevanten In-vivo-Situation, wie das menschliche Immunsystem mit EDV interagiert. Für die nächste Phase der klinischen Studien setzt man auf gute Zusammenarbeit, da nun die Immunreaktion von Krebspatienten auf EDV untersucht werden soll.

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