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Modellierung von Maßnahmen gegen Artensterben

Ein wichtiges Werkzeug für Populationsbiologen und Artenschutzexperten sind mathematische Modelle. Solche neuen Modelle sollen nun den Zusammenhang zwischen Lebenszyklus und Veränderungen artspezifischer Merkmale klären, und wie Artenschutzmaßnahmen dies beeinflussen können.
Modellierung von Maßnahmen gegen Artensterben
Mit Matrixprojektionsmodellen ist es möglich, Entscheidungen über Artenschutzmaßnahmen und gegen das Artensterben zu evaluieren und sie trotz ihrer Komplexität mit einer standardisierten Matrixsoftware zu modellieren. Integrale Projektionsmodelle (IPM) ersetzen dabei die diskrete Darstellung von Klassen (Alter, Größe, Gewicht, usw.) in Matrixprojektionsmodellen. IPM ermöglichen eine durchgehende Strukturierung, um Artefakte durch willkürliche Klassenunterschiede zu vermeiden.

Schwerpunkt des EU-finanzierten Forschungsprojekts RHINOMITE (A test of Bayesian decision analysis and the implications for conservation) waren anfänglich Bayes'sche Populationsmodelle, später wurde mit IPM gearbeitet, um den Lebenszyklus mit artspezifischen Merkmalen wie Körpergröße zusammenzuführen. Die Studie konzentrierte sich dabei auf Huftiere, bei denen die Mittelzehe(n) das Körpergewicht tragen, und umfasste Nashörner, Zebras und Warzenschweine.

Untersucht wurde die weltweite Vielfalt von Huftieren und Ursachen für das lokale Aussterben. Anschließend wurde ein neues IPM entwickelt, um den Erfolg von Artenschutzmaßnahmen für Arten bis zu einem Gewicht von 500 kg auszuwerten. Mit diesen Modellen konnten anhand nur weniger Daten die Effekte solcher Maßnahmen ermittelt werden, etwa von Jagdaktivitäten und Umsiedlungen von Populationen auf Populationswachstum, weibliche Reproduktion sowie Merkmale wie Körpergröße. Dabei wurde in Gemeinschaftsprojekten ein IPM für beide Geschlechter des Großhornschafs (Ovis Canadensis) entwickelt, wobei individuelle Datenreihen über einen Zeitraum von 40 Jahren ausgewertet wurden. So konnte erstmals ein Zusammenhang zwischen Veränderungen der Körpergröße in den Populationen und Trophäenjagd hergestellt werden.

Die Ergebnisse von RHINOMITE werden derzeit für die Veröffentlichung vorbereitet. Die IPM liefern Hinweise sowohl auf demographische wie auch evolutionäre Faktoren, indem Veränderungen des Lebenszyklus mit Veränderungen bestimmter Merkmale zusammengeführt werden. Damit haben Artenschutzexperten nun ein aussagefähiges Werkzeug zur Hand, um dem Artensterben entgegenzuwirken.

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