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Vermeidung von späten Stentthrombosen

Koronare Stents gehören zu den effektivsten Therapien bei koronarer Herzkrankheit. Jetzt wurden jedoch neue Strategien für eine bessere Vorhersage und Prävention eines Behandlungsmisserfolgs aufgrund von Stentthrombosen entwickelt.
Vermeidung von späten Stentthrombosen
Moderne Stents setzen Wirkstoffe in das benachbarte Blutgefäß frei, um eine Restenose (Wiederverengung) zu verhindern. Leider können diese Wirkstoff freisetzenden Stents zu einer vermehrten Bildung von Blutgerinnseln führen, was in diesem Fall als Stentthrombose bezeichnet wird.

Das EU-finanzierte Projekt PRESTIGE (Prevention of late stent thrombosis by an interdisciplinary global European effort) befasst sich mit diesem Problem über einen multidisziplinären Ansatz. Das EU-weite Konsortium verbesserte Diagnostik-Tools und untersuchte, mit Welchen technischen Mitteln eine Prävention oder Reduzierung von Stentthrombosen möglich ist.

Die Forscher trugen die weltweit größte Datenbank zu Stentthrombosefällen mit multimodaler Bewertung zusammen. Frühe Erkenntnisse offenbarten eine unerwartet hohe Prävalenz von beschleunigten In-Stent-Arteriosklerosen in der Ätiologie dieser Vorkommnisse. Die Daten sollen außerdem zur Entwicklung des Algorithmus für den Risikofaktor genutzt werden.

Ein detailliertes Maus-Stent-Modell wurde verwendet, um die Mechanismen der Thrombose und verschiedene Beschichtungen, die diese verhindern können, zu untersuchen. Im Zentrum dabei standen das am häufigsten verwendete Material: Kobalt-Chrom. Die Ergebnisse zeigen, dass das Material des Stents die Gerinnungskaskade aktivieren könnte und dass zusätzliche Behandlungsstrategien gegen Koagulation untersucht werden sollten.

Die erfolgreichsten Ansätze umfassen die Plasmabehandlung von Stentoberflächen, die Befestigung von Peptidomimetika, um Endothelzellen anzuziehen, Chitosan-Polymerbeschichtungen und dextran-basierte Copolymere, um Blutplättchen-Stent-Interaktionen und Koagulationswege positiv zu modulieren.

In einem weiteren Schritt wurden mit einem Stent versehene Arterien von arteriosklerotischen Kaninchen-Modellen und menschlichen ex-vivo-Proben verwendet, um empfindliche Algorithmen für die optische Bildgebung zum Nachweis von unreifem Gewebe und Neoatherosklerose, häufig ein Vorläufer der späten Stentthrombose, zu entwickeln.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis war ein neuartiger Nahinfrarot-Fluoreszenz-Bildgebungskatheter speziell für Tierstudien. Die Ansammlung von Schaumzellen um Stentstreben herum wurde als wichtiges Krankheitszeichen identifiziert. Am Tiermodell entdeckten die Forscher im Gefäß Endothelzellen in unterschiedlicher Anzahl, wobei in Bereichen von freigelegten Aorten ein abgeschwächtes Fluoreszenzsignal erfasst wurde.

Die Forschung von PRESTIGE wird nicht nur zu einer Verringerung der klinischen Belastung durch Stentthrombose beitragen. Weitere Errungenschaften sind eine verbesserte Behandlung und Diagnose für die koronare Herzkrankheit mit den neuen bildgebenden Verfahren sowie eine wirksamere Stentbehandlung für die zerebrovaskuläre und periphere arterielle Verschlusskrankheit.

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Schlüsselwörter

späte Stentthrombose, Stent, Thrombose, Neoatherosklerose, Koagulation, Fluoreszenzbildgebung
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