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Viren zur Behandlung von Hirntumoren bei Kindern

Wissenschaftler haben eine neue, auf onkolytischen Viren basierende Therapie getestet, die für die Behandlung von Gliomen bei Kindern konzipiert ist. Bei Verwendung in Kombination mit einer Chemotherapie verspricht der neue Ansatz eine wirkungsvollere Behandlung dieser malignen Erkrankung.
Viren zur Behandlung von Hirntumoren bei Kindern
Hirntumore bei Kindern, sogenannte hochmaligne Gliome (High-Grade Glioma, HGG), stellen mit einer Überlebensrate von lediglich 10 % eine große Herausforderung für die pädiatrische Onkologie dar. Die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten sind beschränkt und verursachen schwere neurologische und kognitive Nebenwirkungen.

Künstlich hergestellte onkolytische Viren haben sich als alternativer Ansatz zur selektiven Anvisierung und Vernichtung von Tumorzellen hervorgetan. Diese Selektivität ist mit spezifischen Krebsmutationen in den tumorunterdrückenden p53- oder Retinoblastom (RB)-Genen assoziiert. Das Ziel des EU-finanzierten Projekts PEDIAVIR (New therapeutics strategies for the treatment of pediatric brain tumors) bestand darin, die Wirksamkeit des onkolytischen Adenovirus Delta-24-RGD, einer E1A-Mutation, für die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern zu bewerten.

Nach einer Infektion exprimieren Adenoviren sofort das Virenprotein E1A, das sich an Zellproteine wie das den Zellzyklus steuernde RB-Protein bindet und diese deaktiviert. Künstlich hergestellte Viren mit Mutationen des E1A-Proteins können sich in normalen Zellen mit funktionalen RB-Proteinen nicht replizieren, sie replizieren jedoch Krebszellen mit deaktiviertem RB und lösen diese auf.

Das erste wichtige Ergebnis des Projekts war die Erzeugung pädiatrischer Gliomzelllinien einschließlich von HGG. Parallel dazu entwickelten Forscher zwei Mäusemodelle für Gliome. Diese Instrumente waren für das Projekt von herausragender Bedeutung und für eingehendere Untersuchungen der Biologie dieser Tumore sowie unterschiedlicher therapeutischer Stoffe gemeinhin wichtig.

Experimente mit dem mutierten onkolytischen Adenovirus Delta-24-RGD an erzeugten Zelllinien zeigten, dass das Virus in vitro Gliomzellen infizieren, replizieren und abtöten konnte. Forscher demonstrierten an den Mäusemodellen zudem in vivo eine potente Anti-Tumor-Wirkung. Ein Kombination des Virus mit unterschiedlichen Chemotherapeutika steigerte die Behandlungseffizienz. Diese Daten validierten die Anwendbarkeit von Viren in Kombination mit Medikamenten, die bereits in Kliniken verwendet werden.

Bedeutsamer Weise wurde dieser Ansatz auf Osteosarkome bei Kindern ausgeweitet, ein bei Kindern häufig auftretender maligner Knochentumor. Das Delta-24-RGD-Virus zeigte eine potente Anti-Tumor-Wirkung bei Osteosarkom-Zelllinien, die in Kombination mit einer Cisplatin-Chemotherapie gesteigert wurde.

Es wird damit gerechnet, dass die Ergebnisse der PEDIAVIR-Studie die Grundlage für künftige klinische Versuche bilden werden. Der potenzielle Einsatz onkolytischer Adenoviren stellt einen Durchbruch für die Behandlung dieser Krankheit dar.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Hirntumore bei Kindern, Gliome bei Kindern, onkolytische Adenoviren, p53, Retinoblastome, PEDIAVIR
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