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Mehr Sicherheit und Langlebigkeit für künstliche Hüften

Während die Langlebigkeit von Hüftprothesen ständig verbessert wird, kommt es mitunter zur Freisetzung gefährlicher Substanzen im Körper. Europäische Forscher entwickelten neue Keramik-Polymer-Komposita für langlebigere Implantate.
Mehr Sicherheit und Langlebigkeit für künstliche Hüften
Ein nicht unerheblicher Prozentsatz von Totalprothesen (total hip replacement, THR), die nach herkömmlichen Verfahren eingesetzt werden, muss nach 16 - 20 Jahren ersetzt werden. Ein erfahrener Orthopäde würde den so genannten Oberflächenersatz empfehlen, wenn der Patient bewegungsaktiv ist und eine gute Knochenqualität hat, damit der natürliche Knochen im und um das Gelenk weitestgehend erhalten werden kann und die Haltbarkeit verbessert wird. In diesem Fall muss die geschädigte oder erkrankte Oberfläche des Scharnier- und Kugelgelenks in der Hüfte mit hochpolierten metallischen Kappen versehen werden, dem so genannten MoM-Oberflächenersatz (metal on metal). Allerdings wurden hohe Kobalt- und Chromwerte in Blut und Serum von Patienten mit MoM-Prothesen berichtet, was die Langzeitsicherheit in Frage stellt.

Europäische Forscher entwickelten nun eine neue Hüftprothese, für deren Herstellung Hochleistungskeramik mit hoher Druck- und Abriebfestigkeit sowie chemischer Stabilität verwendet wurde. Das Projekt ENDURE (Enhanced durability resurfacing endoprosthesis), setzte sich das ambitionierte Ziel, eine Prothese zu entwickeln, die länger als 30 Jahre hält.

Die Keramik-Polymer-Oberflächenbeschichtung besteht aus einer AMC-Biokeramik (AMC: alumina matrix composite) und kohlenstofffaserverstärktem PEEK (Polyetheretherketon). Entwickelt wurden neue kostengünstige Polymerverfahren, die detailliert mit mathematischen und experimentellen Modellen getestet wurden, um das endgültige Design zu ermitteln. Das System wurde von spezialisierten Chirurgen erfolgreich in Demonstrationsversuchen an Tierkadavern implantiert und getestet.

Aufgrund der zahlreichen Anfragen und des enormen Interesses, das erste Forschungsberichte weckten, wurden klinische Studien anberaumt. Die Kommerzialisierung der Ergebnisse stärkt die EU wie auch die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in diesem Sektor. Da sich der Aufwand an Folgeeingriffen reduzieren wird, wird sich die Lebensqualität von Patienten jeden Alters deutlich verbessern, und auch die Kosten im Gesundheitssystem können gesenkt werden.

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