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Aufzucht von wilden Seeigeln in der Aquakultur

Der wilde Seeigel ist in Gefahr, weil sein Rogen als Luxus-Delikatesse gilt und immer stärker nachgefragt wird. In einer europäischen Forschungsarbeit wurde eine eingehende Untersuchung der Aufzucht von Seeigeln für bereits etablierte Aquakulturbetriebe sowie für Wildlebensräume abgeschlossen.
Aufzucht von wilden Seeigeln in der Aquakultur
Die meisten Wildpopulationen von Seeigeln sind überfischt und der Europarat hat Paracentrotus lividus auf die Liste der geschützten Tierarten gesetzt. In Aquakulturen kann der Seeigel schlecht gezüchtet werden, da der Geschmack des Rogen von der Ernährung der ausgewachsenen Tiere beeinflusst wird.

Ziel Projekts ENRICH ("Enrichement of aquaculture implants by introduction of new marine species from the wild to breeding") war es, Seeigel aus Wildbeständen in bestehenden Fischfarmen für Wolfsbarsch, Goldbrasse und/oder verschiedene Muscheln anzusiedeln. Dabei fing man mit erwachsenen wild lebenden Tieren an.

Um die Qualität in Farbe, Geschmack, Textur und Festigkeit so nah an die von wilden Seeigeln heran zu bringen, variierten die Forscher die Nahrung hinsichtlich des beigemischten Öls und der Protein- und Lipidmengen. Interessanterweise zeigte eine hausgemachte frische Diät aus Spinat, Karotten und Eiern kombiniert mit handelsüblichen Pellets optimale Ergebnisse bei einer Temperatur von 15-18 Grad Celsius. Insgesamt steht die Qualität im Zusammenhang mit der Entwicklung der Gonaden, der Größe und der sexuelle Reife.

Untersucht wurde der komplette Lebenszyklus der Seeigel bis zum Erwachsenenalter, dabei variierte man die Bedingungen hinsichtlich Fütterung, Haltung und Lebensraum. Um die Entwicklung von Jungtieren zu Erwachsenen zu untersuchen, richteten die Forscher drei Pilotsysteme zum Wiegen der Tiere ein, sowohl für den Betrieb an Land als auch im Wasser. Die Tests umfassten eine große Bandbreite von Umweltbedingungen, um die Auswirkungen von Fütterungs- und Zuchtsystemen bei unterschiedlichen Variablen zu erfassen.

Auch der Umweltaspekt kam in ENRICH durch Vorschläge für die Abwasserbehandlung zum Tragen. Das Abwasser aus superintensiver Fischzucht wurde in eine Biofilter-Produktionseinheit mit Ulva (Meersalat) geleitet, die als Nahrungsquelle für die Seeigel verwendet wurde. Dieses System hat also zwei Vorteile: die "Reinigung" der Abwässer aus der Fischzucht und die Fütterung von Seeigeln mit Proteinreicher Nahrung.

Die Aufzucht von Seeigeln in Aquakulturen erfüllt nicht nur die Nachfrage anspruchsvoller Genießer von Seeigelrogen, sondern könnte auch als Besatzmaßnahme für überfischte Populationen dienen. Viele kleine Unternehmen profitieren von den Brutbeständen und Protokollen für die Optimierung der verschiedenen Phasen der Seeigelzucht.

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