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H2020

PNEUMOSIP — Ergebnis in Kürze

Project ID: 685052
Land: Spanien
Bereich: Gesundheit, Gesellschaft

Topmodernes Gerät beschleunigt Diagnose von Lungenentzündungen

Die ambulant erworbene Pneumonie (engl., Community-acquired pneumonia, kurz CAP) ist die am weitesten verbreitete Form der Lungenentzündung und weltweit die häufigste Todesursache. Jährlich entstehen in Europa deswegen Kosten von etwa 10 Milliarden EUR. Konventionelle diagnostische Methoden sind zu langsam und durch die wachsende Antibiotikaresistenz lässt sich CAP immer schwerer behandeln.
Topmodernes Gerät beschleunigt Diagnose von Lungenentzündungen
CAP ist die vierthäufigste Todesursache bei Erwachsenen (90 % der über 65-Jährigen) und die häufigste bei Kindern unter 5 Jahren. Jährlich werden etwa 3,4 Millionen Fälle in Europa gemeldet. CAP ist eine extreme Belastung für die Wirtschaft, wenn Patienten ihre Diagnose zu spät bekommen. Außerdem beansprucht sie viele Ressourcen der Gesundheitsversorgung.

Nur frühzeitige Diagnose kann Sterbefälle verhindern

Für eine gute Patientenversorgung und Senkung der Mortalitätsrate sind schnelle Diagnosetechniken mit hohen Kapazitäten und großer Empfindlichkeit nötiger denn je. Bestehende Diagnosemethoden für Lungenentzündungen sind zeitaufwändig und wenig empfindlich oder spezifisch. Außerdem liefern sie keine nützlichen Informationen für eine angemessene Behandlung, die gleichzeitig mögliche Antibiotikaresistenzen verhindert.

Die drei wichtigsten Erreger der CAP in Europa sind Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae Typ b und der Respiratorische Synzytial-Virus. „Es besteht deutlicher und dringender Bedarf an einer schnellen, zuverlässigen, voll automatisierten und kostengünstigen Diagnosemethode für die häufigsten Ursachen der Lungenentzündung in Europa,“ erklärt Miguel Roncales, CEO von AlphaSIP, dem Unternehmen, das das EU-finanzierte Projekt PneumoSIP leitet. „Diese Methode sollte dann auch Antibiotikaresistenzen analysieren können, damit die richtige Therapie innerhalb der kürzestmöglichen Frist verschrieben werden kann.“

Aktuell haben die Projektpartner bereits ein Prototypensystem für die ambulante Diagnose vor Ort erstellt. Die präklinische Validierung ist bereits abgeschlossen, jetzt beginnt die klinische Validierungsphase. Endgültige Ergebnisse sind für Juni 2018 geplant.

Schnelle und einfache Lösung zur Diagnose von Lungenentzündung

Das ambulante Diagnosegerät arbeitet auf molekularer Ebene und bietet eine automatisierte Lösung in nur einem Arbeitsschritt von der Probe zum Ergebnis. Infektionserreger von CAP werden so extrem schnell diagnostiziert. Die Diagnose basiert auf einem patentierten Verfahren, das im Rahmen des EU-finanzierten Vorgängerprojekts CAJAL4EU entwickelt worden war.

Laut Roncales übertrifft das ambulante Gerät bestehende Methoden durch seine kürzere Zeitspanne bis zur Ausgabe der Testergebnisse und die zusätzlichen Informationen über die ideale Behandlungsmethode. Da es anhand einer einzigen Probe das Auftreten und das Aktivitätsniveau der drei verschiedenen Erreger und ihrer Antibiotikaresistenzen bestimmen kann, wird es als genaue und unmittelbare Entscheidungshilfe im klinischen Management zum Einsatz kommen.

Das innovative Produkt ist so gestaltet, dass Ärzte die Krankheit in weniger als zwei Stunden nachweisen, ihre Ursachen identifizieren und Daten für eine bessere Auswahl der Behandlungsmöglichkeiten bekommen können. „Es bietet die richtigen Informationen, damit Ärzte fundierte Entscheidungen treffen können“, erklärt Roncales. „Patienten werden so schneller und zuverlässiger behandelt und die Anzahl der Sterbefälle sinkt.“

Da das System kompakt gestaltet und einfach in der Handhabung ist, wird es wohl eine weite Verbreitung finden. So kann eine Vielzahl von Fachkräften in den meisten öffentlichen und privaten Krankenhäusern sowie auch in Labors in Arztpraxen, auf Notfallstationen, in Gesundheitszentren und in bestimmten Regionen sogar in Apotheken damit arbeiten. „Sie profitieren von einem schnellen, messbaren Nachweis von biologischen Erregern und Antibiotikaresistenz mit sehr hohem Genauigkeitsgrad und zu einem günstigen Preis“, fasst Roncales zusammen.

Schließlich wird PneumoSIP auch die Effizienz des europäischen Gesundheitssystems verbessern, da Krankenhäuser in kürzerer Zeit mehr Arbeit schaffen können und gleichzeitig die Gesamtkosten im Zusammenhang mit Untersuchungen, Krankenhausaufenthalten und unpassender Behandlung von CAP gesenkt werden.

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Schlüsselwörter

PneumoSIP, ambulant erworbene Pneumonie, CAP, ambulantes Gerät, Antibiotikaresistenz
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