Preisverleihung für wissenschaftliche Spitzenleistung in der Verbundforschung in Brüssel
Zum zweiten Mal verleiht die Kommission den Descartes-Preis, der für den Gewinner mit bis zu einer Million Euro dotiert ist. Die diesjährigen sieben Finalisten wurden aus über 50 Vorschlägen ausgewählt. Der Wettbewerb steht allen wissenschaftlichen Gebieten offen, einschließlich den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, und ist nicht auf EU-geförderte Projekte beschränkt. Die Forscher werden nicht nur für ihre Bemühungen bei der Zusammenarbeit, sondern auch für die Qualität ihrer Arbeit ausgezeichnet.
Die für die Auswahl der Gewinner verantwortliche Jury setzt sich aus renommierten Persönlichkeiten aus der akademischen Welt und dem öffentlichem und privatem Sektor zusammen, den Vorsitz führt Yves Michot, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von Aerospatiale Matra.
Die diesjährigen sieben Finalisten:
- "Entwicklung neuer Medikamente gegen das Humane Immundefizienzvirus (HIV)"
Dieses europäische Forschungsnetzwerk vereinigt Forscher aus sechs Ländern, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich die Bekämpfung von AIDS. Das Projekt betrifft die Entdeckung neuer Behandlungsmethoden und die Identifikation neuer Stellen im HIV-Replikationszyklus, die sich besonders für medikamentöse Eingriffe eignen. Die Forschung ermöglichte es, verschiedene neue Inhibitoren für HIV reverse Transkriptase, ein für die Replikation des Virus essenzielles Enzym, zu identifizieren.
In den vergangenen 15 Jahren entstanden durch die Netzwerkkooperation eine Reihe neuer Therapien, nicht nur gegen AIDS, sondern auch das Hepatitis-B-, das Zytomegalo- und das Herpesvirus. Das Netzwerk gründete darüber hinaus die European Centralised Facility zur Prüfung von Anti-HIV-Medikamenten.
- "BIODEPTH - Biodiversität und ökologische Prozesse in Grünland-Ökosystemen"
An diesem Projekt sind ca. 50 Wissenschaftler aus acht Ländern beteiligt, es stellt die weltweit größte ökologische Freilandstudie ihrer Art dar. Das Konsortium hat rund 500 Versuchsfelder angelegt, die unterschiedliche europäische Klimazonen und Bedingungen abdeckten. Es wurde analysiert, wie sich simulierte Veränderungen der Biodiversität auf die Funktionsweise dieser Ökosysteme, insbesondere in Bezug auf Nahrungsverlust, Resistenz gegen eindringende Arten und die Produktion von Biomasse auswirken. Aus den Ergebnissen geht klar hervor, dass Ökosysteme mit verminderter Artenvielfalt weniger gut funktionieren.
- "Safetrain - Crash-Tauglichkeit von Zügen für Europa"
Im Mittelpunkt dieses Projekts, das 16 Partner, darunter Hersteller, Schienennetzbetreiber und Forschungszentren vereinigt, steht die Konstruktion eines crash-tauglichen Zuges. Die Forschung, die sich schwerpunktmäßig mit der passiven Zugsicherheit beschäftigt, d.h. der Fähigkeit des Fahrzeugs, den Aufprall einer Kollision abzufangen, soll zu einer Optimierung des Fahrgastschutzes im Falle eines Zusammenpralls führen.
- "ABI - Adaptive Brain Interfaces"
Im Rahmen des von der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission initiierten und koordinierten Projekts wurde eine tragbare Einheit als Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer entwickelt, die es Personen ermöglicht, durch bewusste Kontrolle ihrer Gedanken mit computergestützten Systemen zu interagieren. Eine Stoffmütze mit integrierten EEG-Sensoren (EEG - Elektroenzephalogramm) empfängt eine Reihe einfacher Signale, wodurch körperbehinderte Menschen künftig in die Lage versetzt werden könnten, Webseiten zu lesen, Nachrichten zu schreiben, interaktive Spiele zu spielen, Anwendungen aufzurufen und einen Rollstuhl zu lenken. Das zentrale Ziel des Projekts besteht darin, körperlich Behinderten neue Betätigungsfelder zu eröffnen und ihnen Zugang zu den Angeboten und Möglichkeiten der heutigen Informationsgesellschaft zu verschaffen.
- "Mechanismus der Protease-Inhibition beim Schutz der Lungen"
Forscher aus Großbritannien und den Niederlanden arbeiten schon länger an diesem Projekt und konnten die genauen Mechanismen der Protease-Inhibition nachweisen, die die Elastizität des Lungengewebes angreift und zum Lungenemphysem, einer Erstickungskrankheit, führt. Der genaue Mechanismus, mit dem Antitrypsin die angreifenden Proteasen auffängt und zerstört, gab den Wissenschaftlern lange Zeit Rätsel auf. Die Forschung dürfte nicht nur eine Emphysem-Prävention ermöglichen, sondern auch weit reichende Implikationen im Hinblick auf andere Mechanismen haben, die zu Leberzirrhose, Blutgerinnungsstörungen und häufigen Formen von Demenz, wie Alzheimer und spongiformen Enzephalopathien führen.
- "Entwicklung neuer asymmetrischer Katalysatoren für die chemische Herstellung"
An diesem Projekt sind Forscher aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und Armenien beteiligt. Ihre Bestrebung ist es, neue asymmetrische Katalysatoren für die chemische Herstellung zu entwickeln. Viele Chemikalien können als "Hände" betrachtet werde, wobei eine Hand eine gewünschte und die andere gar keine Wirkung, oder noch schlimmer, eine schädliche Wirkung hat. Dieses Forschungsteam stellt Katalysatoren her, die in der Lage sind, erheblich mehr gewünschte als unerwünschte "Hände" des Produkts zu produzieren. Bislang wurden 50 neue Katalysatoren entwickelt, von denen einer bereits patentiert wurde.
- "Die 'Chemie' konischer Intersektionen"
Die an diesem Projekt beteiligte italienisch-britische Forschungskooperation hat das Verständnis photochemischer Reaktionen, d.h. chemischer Reaktionen, die vom Sonnenlicht ausgelöst werden, erheblich vorangebracht. Das Team konzentriert sich auf das Verständnis, wie organische Verbindungen auf Licht reagieren. Dieses Wissen wird den Wissenschaftlern bei der Nutzung und Bewältigung der enormen Energieressourcen der Sonne helfen. Das Projekt könnte beispielsweise relevant sein für die Entwicklung künstlicher Lichtrezeptoren, lichtresistenter Produkte wie Färbemittel und Farben sowie für die Verbesserung des Schutzes vor schädlichem UV-Licht.Weitere Informationen über die sieben Finalisten sind abrufbar unter:
http://cordis.europa.eu/improving/awards/descartes.htm(öffnet in neuem Fenster)
Weitere Auskünfte zum Descartes-Preis erteilt:
Michel Claessens
Tel.: +32-2-295 9971
E-mail: michel.claessens@ec.europa.eu