Überwachungsnetzwerk für Blauzungenkrankheit und Afrikanische Pferdepest
BT und AHS sind Viruserkrankungen bei Pferden sowie domestizierten und in freier Wildbahn lebenden Wiederkäuern, die über Insektenvektoren (Culicoides genus) übertragen werden. Die in den letzten zehn Jahren in Europa aufgetretenen Tierseuchen gefährden in besorgniserregendem Maße die Tierbestände. Hinzu kommt, dass aus Asien weitere Serotypen eingeschleppt wurden und man nun mangels geeigneter Impfstoffe eine grenzüberschreitende Übertragung befürchtet wird. In allen Ländern sollen daher Überwachungssysteme für Nachweis und Kontrolle der viralen Erreger eingerichtet werden. Mit diesem Ziel entwickelte das EU-finanzierte Projekt MED_REO_NET Überwachungssysteme für die Ausbreitung von BT, AHS und epizootischen hämorrhagischen Krankheiten im Mittelmeerraum und Europa. Eine Prüfung vorhandener Überwachungsprotokolle, Identifizierung von Virenstämmen und Impfstrategien resultierte in einer Reihe von Verbesserungsvorschlägen. Getestet wurden mehrere Insektizide und Insektenfallen für verschiedene klimatische Bedingungen. Neue molekulare Nachweisverfahren dienten der Identifizierung und taxonomischen Klassifizierung der Insekten. Die Identifizierung wurde außerdem durch eine Online-Datenbank zu morphologischen Besonderheiten unterstützt. Studien zur regionalen Verbreitung und Häufigkeit in den unterschiedlichen Klimaregionen Europas lieferten Daten für Risikomodelle des Infektionsgeschehens. Um die Wahrscheinlichkeit des Auftretens in den einzelnen europäischen Regionen und damit das Übertragungsrisiko genauer einschätzen zu können, wurden die Brutgebiete der Vektoren dokumentiert. Weiterhin wurde eine Datenbank mit Sequenzierungsdaten von BT-Virenstämmen erstellt, um die Identifizierung der Viren in Routinekontrollen zu erleichtern. Die MED_REO_NET-Initiative lieferte wichtige neue Erkenntnisse zur BT- und AHS-Epidemiologie sowie einen Rahmen für die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und den veterinärmedizinischen Instituten der Mitgliedsländer. Die Umsetzung der Empfehlungen könnte in Kombination mit Routinekontrollen die Übertragungshäufigkeit in Europa deutlich verringern.