Wissenschaft im Trend: Virus von Zuchtbienen bedroht Wildbienen
Europas Bienen werden nicht nur von Umweltgiften und durch Lebensraumverlust bedroht - anscheinend können ihre kommerziellen Verwandten inzwischen auch noch tödliche Viren auf die wilden Bestäuber übertragen. Es ist bekannt, dass rasch mutierende Viren bei kommerziellen Honigbienenvölkern zu schweren Verlusten führen. Um zu verhindern, dass sie von einer Bienenart auf eine andere überspringen, müssen sie nach Ansicht von Forschern genau überwacht werden. In einem Artikel im Journal of Applied Ecology sprechen Wissenschaftler von der Universität Exeter im Vereinigten Königreich von Hinweisen darauf, dass viele wilde Bestäuber den Viren von kommerziellen Arten ausgesetzt sind, was zu mehreren Kreuzinfektionen führt. „Unsere Studie zeigt, wie wichtig es ist zu verhindern, dass erkrankte kommerzielle Bestäuber in die Wildnis ausgesetzt werden“, erklärt die Forscherin Dr. Lena Wilfert in einem Gespräch mit der BBC. Die bei kommerziellen Arten anzutreffenden Krankheiten befallen eine Vielzahl von wilden Bestäubern, aber ihre Verbreitung kann durch verbesserte Überwachungs- und Management-Praktiken verhindert werden. „Kommerzielle Honigimker tragen die Verantwortung, ökologisch und ökonomisch wichtige wilde Bestäuberpopulationen vor Krankheit zu schützen“, erklärt sie. Aber es wird vielleicht nicht ausreichen, sich auf die kommerziellen Imker zu verlassen, dass sie ihre Bienenvölker durch Managementpraktiken gesund halten. Vanessa Amaral-Rogers von der Tierschutzorganisation Buglife(öffnet in neuem Fenster) argumentiert, dass zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind, um in ganz Europa wilde Bestäuberpopulationen zu schützen. Der BBC gegenüber erläuterte sie die Ergebnisse der Studie, die aufzeigten, dass die Art und Weise, wie Regierungen die Einfuhr von Bienen regulieren, dringend geändert werden muss. Zuchtbienen werden eingesetzt, um Anbaupflanzen wie etwa Paprika und Raps zu bestäuben. „Diese Studien zeigen jetzt, wie sich Krankheiten zwischen gehaltenen Honigbienen und kommerziellen Hummeln ausbreiten können, was möglicherweise drastische Auswirkungen auf den Rest unserer wilden Bestäuber haben könnte“, sagt Amaral-Rogers. Buglife berichtet, dass laut einer Studie aus dem Jahr 2014 bei einer Probe von Zuchthummelstöcken, die in das Vereinigte Königreich importiert wurden, 77 % der Tiere mit bis zu fünf verschiedene Parasiten infiziert waren. Drei weitere wurden im Pollen gefunden, den sie mitbrachten. Amaral-Rogers ist davon überzeugt, dass die Auswirkungen der Übertragung von Zucht- auf Wildbienen bereits spürbar sind: „Wilde Honigbienen kann man in England oder Wales gar nicht mehr finden, sie wurden vermutlich durch Krankheiten ausgelöscht.“ sciencedaily.com(öffnet in neuem Fenster) zufolge wurde der Wert von Insekten oder anderen Bestäubern weltweit auf rund 153 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt. Für die kommerzielle Bestäubung werden überwiegend Honigbienen und Hummeln verwendet, aber wilde Bestäuber spielen eine wichtige Rolle und bestäuben sowohl Ackerpflanzen als auch einheimische Pflanzen. Leider, so heißt es auf der Website, bietet das soziale Verhalten von Honigbienen, Hummeln und sozialen Wespen ideale Bedingungen für die Übertragung von Krankheiten sowohl in der Kolonie als auch zwischen verschiedenen Arten. Weitere Informationen sind abrufbar unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12385/full(öffnet in neuem Fenster)
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Vereinigtes Königreich