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Wissenschaft im Trend: Studie deckt den Umfang der Wasserkrise Pakistans auf

Eine Studie deckt auf, dass 80 % der Wasserressourcen in der Region Tharparkar im südlichen Pakistan nicht zum Trinken geeignet sind.

Derzeit hat einer von neun Menschen auf der Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und jährlich sterben etwa 842 000 Menschen an Krankheiten, die über das Wasser übertragen werden. Es geht nicht nur um Gesundheit und Hygiene - alle Aspekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung, der sogenannte Lebensmittel-Energie-Gesundheit-Entwicklungs-Nexus, sind abhängig vom Wasser. Und die Nachfrage wird in der Zukunft noch weiter ansteigen, weil das Bevölkerungswachstum zusammen mit einem größeren Verbrauch von Ressourcen wegen höherer Lebensstandards und anderen Einflüssen den Druck auf die Wasserressourcen erhöhen wird. Außerdem schafft der Klimawandel Unsicherheiten im Hinblick auf die Trinkwasserversorgung und für die Hauptwasserverbraucher wie Landwirtschaft Energiesektor. Für einige Länder ist das volle Ausmaß der Wasserkrise sogar jetzt schon zu spüren. In Pakistan ist die Situation bereits fatal: Eine neue Studie deckt auf, dass 80 % der Wasserressourcen im südlichen Distrikt Tharparkar nicht zum Trinken geeignet sind. Einer Studie der Dow University of Health Sciences (DUHS) und des Pakistan Council for Scientific and Industrial Research (PCSIR) zufolge haben nur knapp 5 % der Bevölkerung Zugang zu sauberem und gesundem Trinkwasser berichtet Reuters. Tharparkar ist von Oberflächenwasser durch Regenfälle abhängig, da es dort keine Flüsse gibt. Im Jahresdurchschnitt fällt in dieser Region ein Niederschlag von 200 bis 300 Millimetern, 80% davon in den Sommermonaten von Juli bis September. Der Regen füllt das Grundwasser auf, welches dann für die restlichen 9 Monate des Jahres reichen muss. Seit 2011, so Reuters, lag der durchschnittliche Niederschlag pro Jahr bei weniger als 50 % des Normalwertes, und der pakistanische Meteorologische Dienst betont, dass dadurch die bereits zu Neige gehenden Grundwasserressourcen noch weiter strapaziert werden. Eine Folge davon ist die Verschlechterung der Fluorkontamination von Grundwasser, da weniger Wasser das austrocknende System erreicht. Die Studie von DUHS und PCSIR hat herausgefunden, dass die Fluorbelastung in vielen Gegenden Tharparkars gefährliche Werte von mehr als 13 mg/Liter erreicht, der Normalwert liegt bei 1 mg/Liter. Reuters berichtet weiter, die übermäßige Aufnahme von Fluor aus Quellen mit einer Belastung von mehr als 1,5 mg Fluor in einem Liter Wasser kann unter anderem zu Knochendeformierung, Zahnproblemen und Schäden an Nieren und Schilddrüse führen. Eine Lösung könnte laut IRIN News der Einsatz einheimischer Wasserreinigungstechnologien sein. Die Hilfsorganisation Thardeep Rural Development Programme (TRDP) konnte die Trinkwassersituation in etwa 1000 Dörfern verbessern, meist auf der Grundlage traditioneller Praktiken für den Zugang zu und die Reinigung von Wasser. Eine Reinigungstechnik dieser Art ist das sogenannten "mussafa": Dabei wird ein Sack mit 1 kg gekörntem Sand, der mit Silber behandelt wurde, als Filter in den Tontöpfen mit dem Wasser verwendet. Doch das Ausmaß der Krise in Tharparkar hat jetzt auch die Provinzregierung aufgerüttelt, die mehr als 46 Mio. EUR für die Installation von 750 solarbetriebenen Wasserreinigungsanlagen mit Umkehrosmoseverfahren investiert. Reuters zufolge sollen alle Anlagen bis Juni dieses Jahres aufgestellt und betriebsbereit sein und dazu beitragen, die 1,5 Millionen Menschen in dieser Region mit sicherem Trinkwasser zu versorgen. „Asiens größte (hinsichtlich ihrer Kapazität) solarbetriebene Wasserreinigungsanlage“ , wird täglich genügend Wasser behandeln, um den Bedarf von 300 000 Menschen in Mithi und 80 angrenzenden Dörfern zu decken. Die Situation in Pakistan ist alarmierend und auch Europa ist gegen Wassermangel nicht gefeit. Der Europäischen Umweltagentur (EEA) zufolge, stehen acht europäische Länder unter einem gewissen „Wasserstress“: Zypern, Bulgarien, Belgien, Spanien, Malta, Italien, das Vereinigte Königreich und Deutschland. Es ist wahrscheinlich, dass der vorhergesagte Klimawandel diese Situation in den meisten Wassermangelregionen Südeuropas in Zukunft noch verschärfen wird.

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