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Interview

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Fußvermessung für individuell angepasste Schuhe

Individuelle Schuhe, die durch Diabetes ausgelöste Fußkomplikationen lindern sollen, könnten dank der gemeinschaftlichen Bemühungen im DIABSMART-Projekt bald verfügbar werden.

Fußkomplikationen sind eine der schwerwiegendsten Begleiterscheinungen von Diabetes, insbesondere für Patienten mit Neuropathie. Die Symptome beginnen bei einem Kribbeln, Brennen, Stechen oder einem allgemeinen Schwächegefühl im Fuß, können jedoch schnell in Hautveränderungen, Schwielen und Fußgeschwüren ausarten und durch die „periphere Arterielle Verschlusskrankheit“ (pAVK) sogar zu Amputationen führen. Die Linderung der Fußkomplikation eines Patienten, bevor es zu solchen Extremfällen kommt, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, mit denen Spezialisten konfrontiert sind. Patienten werden seit Jahrzehnten „Diabetesschuhe“ angeboten, doch sind diese wirklich wirksam? Wissenschaftliche Studien bestätigen zwar tendenziell deren proaktiven Nutzen, die von Patient zu Patient unterschiedlichen Ergebnisse heben jedoch hervor, dass individuelle Strategien verfolgt werden müssen. Deren Entwicklung war seit dem Jahr 2011 Ziel des EU-unterstützten Projekts DIABSMART (Development of a new generation of DIABetic footwear using an integrated approach and SMART materials). Ende Oktober wurde DIABSMART nun abgeschlossen, und das Ergebnis besteht in einer fertig entwickelten Methode, welche die integrierte sensorbasierte Analyse des Fußes und die anschließende Herstellung individueller Schuhe aus neuartigen Materialien beinhaltet. Dr. Naemi Roozbeh, Associate Professor für Biomechanik an der Universität Staffordshire, spricht über die Erkenntnisse des Projekts – die versprechen, die Lebensqualität für Patienten zu steigern und gleichzeitig gewaltige Kosteneinsparungen für Gesundheitsdienstleistungen in ganz Europa und darüber hinaus zu bewirken. Was sind die größten Vorteile der DIABSMART-Schuhe für Diabetespatienten? Wir haben einen systematischen Ansatz erarbeitet, um die Polsterungseigenschaften des Einlagenmaterials zu bestimmen, die zu einer günstigeren Druckverteilung unter der Fußsohle führen. Dieser Ansatz beinhaltet die intelligente Auswahl des Einlagenmaterials abhängig von Gewicht und Gehverhalten des Patienten, wobei auch die mechanischen Eigenschaften des Fettpolsters an der Fußsohle berücksichtigt werden. Wie wird der Fuß analysiert? Zunächst werden Messungen vorgenommen, etwa zum Druck und zur Belastung unter dem Fuß bei alltäglichen Tätigkeiten wie Stehen und Gehen. Darüber hinaus werden weitere biomechanische Parameter wie z. B. die Knöcheldicke, der intersegmentale Bewegungsbereich von Knöchel und Fuß sowie die Ausrichtung des Fußes erfasst. Können Sie uns mehr über die Konzeption und Entwicklung erzählen? Worin bestanden die größten Herausforderungen, und wie konnten Sie sie überwinden? Die größte strategische Herausforderung war, die Entwicklung, die Fertigung und das Gesundheitswesen auf einen Nenner zu bringen. Aufgrund der interdisziplinären Natur des Projekts war es erforderlich, Wissen aus verschiedenen Bereichen zu übertragen und zu kombinieren. Dies konnten wir durch Wissensgeneration und -austausch mithilfe von Entsendungen zwischen den industriellen und akademischen Partnern des Konsortiums erreichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Entwicklung eines integrierten Systems zur Fußbeurteilung und Verschreibung von Schuhen, für das die Messungen der biomechanischen Parameter in der Klinik essentiell war. Aufgrund der Ernsthaftigkeit der Komplikation und des hohen Arbeitsaufwandes für die biomechanische Beurteilung konnten wir uns jedoch nicht auf einen Ansatz mit „Versuch und Irrtum“ verlassen, um das passendste Einlagenmaterial für jeden Patienten zu bestimmen. Stattdessen entwickelten wir eine kombinierte Anwendung experimenteller und rechnergestützter Tests, wobei mithilfe numerischer Prüfungen die relevantesten Parameter ermittelt und die Fertigungskriterien der Einlage für optimale Auspolsterung gefunden wurden. Wie hebt sich das von Ihnen entwickelte Material von dem ab, was bisher auf dem Markt erhältlich ist? Derzeit wird das Material noch intuitiv nach einer subjektiven Beurteilung des Fußes ausgewählt, was sehr stark von der Erfahrung des behandelnden Arztes abhängig ist. Was wir entwickelt haben ist jedoch ein wissenschaftliches, objektives und evidenzbasiertes Verfahren zur Feststellung der optimalen Polstereigenschaften, die für jeden Patienten einzigartig sind. Dies wird sicherstellen, dass der Druck unter dem Fuß durch die Einlage optimal verteilt wird, und zwar auf Grundlage der persönlichen Anforderungen einer Person und ihrer Bewegungsmuster bei alltäglichen Tätigkeiten. Wie lang wird es Ihrer Einschätzung nach dauern, bis Patienten von Ihrer Arbeit profitieren können werden? Wir haben eine kleinere klinische Prüfung abgeschlossen und analysieren nun die Ergebnisse. In den nächsten Jahren möchten wir eine klinische Multicenter-Studie durchführen, wenn wir konkretere Belege dafür haben, dass das System das Risiko von Patienten mit diabetischer Neuropathie für Geschwüre wirksam senken kann. Haben Sie bereits Pläne für die Vermarktung? Während des gesamten Projekts haben wir mit einer Reihe von Unternehmen zusammengearbeitet, und hoffen, bei der Vermarktung von ihrer Erfahrung profitieren zu können. Werden Sie in Zukunft auf die Projektergebnisse aufbauen? Im Lauf des Projekts haben wir beträchtliche Fachkenntnisse im Bereich der diabetischen Fußbeurteilung und der Verschreibung von Schuhen zusammengetragen. Dies beinhaltet auch zahlreiche Verfahren zur Bewertung der mechanischen Eigenschaften des Weichgewebes des Fußes und einen systematischen Ansatz zur Bestimmung der optimalen Einlagenauspolsterung. Des Weiteren leisteten wir Pionierarbeit bei der Durchführung klinisch nutzbarer Messungen in einer Klinik für das diabetische Fußsyndrom. Dies erwies sich als nützlich beim Ermitteln der Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Fußgeschwüre haben. Wie bereits erwähnt hoffen wir, mit klinischen Studien weiter auf diese Ergebnisse aufzubauen und nachzuweisen, dass solche Systeme das Risiko für Geschwüre bei Hochrisikopatienten mit diabetischer Neuropathie wirksam senken können. DIABSMART Finanziert unter FP7-PEOPLE. DIABSMART-Projektwebsite

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