CORDIS
Forschungsergebnisse der EU

CORDIS

Deutsch DE

Interviews

Deutsch DE

Textildruck mit weniger Chemikalien

Für den Textildruck werden viele Chemikalien verwendet, die letzten Endes auch in die Umwelt gelangen. Dank bahnbrechender Fortschritte im Textildruck ist es im Rahmen eines EU-finanzierten Projekts nun jedoch gelungen, die Anzahl der für den Textildruck erforderlichen Chemikalien auf ein Zehntel zu reduzieren.

©Loek De Vries and Gerrit Koele

Steht die Textildruckbranche kurz vor einem bedeutenden Durchbruch? Jahrelang wurden im konventionellen Textildruck – dem Rotationssiebdruck – sehr viele Chemikalien eingesetzt, womit ein übermäßig hoher Verbrauch von Wasser und Energie einherging. Bei diesem Verfahren ist pro Farbe, die im endgültigen Design verwendet wird, ein Sieb erforderlich. Zudem muss eine gewisse Menge an Druckpaste bereitgestellt werden, um eine gleichmäßig hohe Qualität zu gewährleisten. Die Reste der Paste, die in den Sieben hängen bleiben, müssen letztendlich mit Wasser entfernt werden, woraufhin dieses Wasser gereinigt werden muss. Schätzungen zufolge verbleiben etwa 90 % der zum Färben von Textilien verwendeten Chemikalien nicht in der Textilie. Mit dem Einsatz von Tintenstrahldruckverfahren kann diese enorme Verschwendung jedoch vermieden werden: Der einzige Abfall, der hier produziert wird, hängt mit der Wartung der Druckköpfe zusammen. Im Laufe der vergangenen Jahre hat diese Methode in der Textilverarbeitungsbranche immer mehr Fuß gefasst, doch der umfassenden Einführung des Verfahrens standen bisher technische Einschränkungen im Wege. Aufgrund der Unterbrechungen, die bei einem Großteil der digitalen Textildrucker erforderlich sind, konnten nur maximal 5 Meter pro Minute gedruckt werden. Im Vergleich dazu können mit dem herkömmlichen Siebdruckverfahren bis zu 40 Meter pro Minute gedruckt werden. Doch in Zusammenarbeit mit dem Maschinenhersteller Reggiani Machine entwickelte TenCate eine neue, äußerst schnelle Tintenstrahldrucktechnologie, dank der nun einer umfassenden Einführung des digitalen Textildrucks (einschließlich Veredelung) nichts mehr im Wege stehen soll. Im Rahmen des DIGIFIN-Projekts (DIGItal finishing with High Speed Inkjet technology, significantly improving sustainability, flexibility and economic performance of the textile FINishing industry), das im Juli abgeschlossen wurde, konnte nicht nur nachgewiesen werden, dass die Tintenstrahldrucktechnologie technisch zuverlässig, branchentauglich und aufgrund ihres minimalen Verbrauchs wirtschaftlich ist. Diese Technologie ist sogar präziser, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher als herkömmliche Verfahren. Gerrit Koele, Projektkoordinator und Geschäftsleiter bei TenCate Digital Finishing, gab uns Auskunft über die ersten auf dieser Technologie basierenden Produkte, die auf dem Markt eingeführt werden sollen, und erläuterte, warum das Verfahren die Wertschöpfungskette der Textilindustrie revolutionieren wird. Wir erklären Sie sich das derzeitige mangelnde Interesse der Textilbranche an der digitalen Veredelung? Ich würde sagen, dass insgesamt durchaus ein Interesse besteht. Es ist vorhanden und es wächst stetig, der endgültigen Begeisterung für diese Technologie stehen jedoch zwei wichtige Aspekte im Wege. Zum einen konzentriert sich ein Großteil der OEM-Hersteller im Bereich des Digitaldrucks auf den Farbdruck und kennt sich daher mit der Veredelung von Textilien nicht besonders gut aus. Zum anderen verfügen die aktuell genutzten Drucksysteme über Drop-on-Demand-Technologie (DOD), sodass sie nur die Mindestmaterialmenge verwenden. Um ein besseres Veredelungsergebnis erzielen zu können, benötigen wir bessere Beschichtungssysteme, wie beispielsweise den ursprünglich von Osiris entwickelten ISIS Tintenstrahldrucker, der mittlerweile von TenCate vertrieben wird. Welche sind Ihrer Meinung nach die größten Vorteile der Tintenstrahldrucktechnologie gegenüber anderen Verfahren? Vom Standpunkt der Produktion aus betrachtet, punktet der Tintenstahldruck mit minimalem Verbrauch. Genauer gesagt ermöglicht es das Verfahren, die benötigte Menge an Chemikalien präzise zu dosieren. Wir können beim Druck also das CMYK-Farbmodell verwenden. Auch wenn sich der Laie hier fragen mag, worin hier der Unterschied zum Standarddruck liegt, sind die technischen Unterschiede doch erheblich. Können Sie uns mehr über die umweltspezifischen Vorteile der Technologie erzählen? Aus ökologischer Sicht ist die DIGIFIN-basierte Technologie eine bahnbrechende technologische Innovation. Die ökologischen Vorteile, einschließlich reduziertem Energie- und Wasserverbrauch sowie weniger Umweltverschmutzung, bestehen darin, dass wir Textilien mit der gleichen Qualität herstellen können, dabei aber weniger als 10 % der Menge an Chemikalien verwenden müssen, die bei herkömmlichen Verfahren eingesetzt werden. Beim gängigen Foulardverfahren wird eine Kombination an verschiedenen Chemikalien benötigt, um die gewünschte technische Präzision zu erzielen. Beim Digitaldruck hingegen werden lediglich die zum Druck selbst benötigten Chemikalien eingesetzt. Bei diesem Projekt konzentrieren sich ganz auf Outdoor-Textilien. Warum haben Sie sich für diesen Markt entschieden und welche Anwendungsbereiche haben Sie bereits verifiziert? Nach reichlicher Überlegung haben wir uns für den Markt für Outdoor-Textilien entschieden, da die Einführung der digitalen Veredelung nicht nur die Produktionstechnologie revolutioniert, sondern auch die Gewohnheiten unserer Kunden, der Hersteller, Endverbraucher; sie wird sich sogar auf uns und unsere Prozesse auswirken. Dieser Wandel wird einen Effekt auf die gesamte Wertschöpfungskette haben. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass unsere Branche dadurch ihre eigene kleine industrielle Revolution erlebt. Der größte Vorteil der Wahl von Outdoor-Textilien, wie Zeltstoffen und Sonnensegeln, besteht darin, dass sich wirklich jeder der Vorteile des Digitaldrucks bewusst wird. Daher war dies für uns die logische Wahl und wir mussten nicht lange überlegen – anders als bei unseren nächsten Vorhaben, wie z. B. der Herstellung einseitig beschichteter wasserabweisender Materialien. Sie haben also vor, das Angebot an DIGIFIN-Produkten auszuweiten? Ja, wir haben fest vor, unsere Palette an digital veredelten Produkten zu vergrößern und in diesem Zuge eine neue Produktlinie zu schaffen. Diese soll die bestehenden und künftigen Anforderungen unserer Kunden erfüllen sowie unendlich viele Vermarktungsmöglichkeiten und gleichzeitig wichtige ökologische Vorteile bieten. Sind Sie mit der Marktakzeptanz bislang zufrieden? Wir sind sehr zufrieden damit, wie unser Produkt vom Markt angenommen wurde, auch wenn eine Marketinginitiative erforderlich war, um zunächst unsere Endverbraucher zu überzeugen. Erst dann interessierten sich unsere eigentlichen Kunden, die Hersteller, für unsere Technologie, und aus anfänglichem Interesse wurde letztendlich Begeisterung. Unsere Lösung ist eine bahnbrechende Innovation; alle Marktteilnehmer müssen sich also an brandneue Gegebenheiten gewöhnen. Das bedarf etwas Zeit. Wann werden die ersten DIGIFIN-basierten Produkte voraussichtlich erhältlich sein? Das erste DIGIFIN-basierte Produkt ist schon verfügbar: wir verkaufen unsere digital gedruckten Stoffe für Sonnensegel und Zelte bereits an Kunden in Europa. Werden Sie auch künftig neue DIGIFIN-basierte Produkte entwickeln? Wenn ja, gibt es hier schon konkrete Pläne? Wir werden unser Angebot an digital gedruckten und veredelten Produkten definitiv weiter ausbauen, wir sind sogar der Ansicht, dass sich dadurch für uns schon bald alles ändern wird. Wir arbeiten an drei neuen Produkten, mehr kann ich Ihnen dazu zu diesem Zeitpunkt aber leider nicht sagen. DIGIFIN Im Rahmen des RP7-ICT finanziert. Projektwebsite

Länder

Niederlande