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Web-basiertes Tool hilft Betreibern, die sicherste Option für CO2-Speicherung zu finden

Bevor sie von Behörden zugelassen und von der Öffentlichkeit befürwortet werden, müssen die Pläne zur CO2-Speicherung zuerst als sicher und zuverlässig angesehen werden. Ein zentraler Aspekt besteht in dieser Hinsicht im Vermeiden von CO2-Austritten. Es gibt zahlreiche Optionen und Strategien, es ist jedoch nicht immer leicht, die am besten geeignete zu finden.

Im Projekt MIRECOL (Remediation and mitigation of CO2 leakage) wurden sowohl existierende als auch in Kürze verfügbare Sanierungs- und Abmilderungstechniken umfassend analysiert. Mit einem Fokus auf Korrektivmaßnahmen innerhalb und außerhalb des Speicherreservoirs untersuchten die Projektmitglieder die Wirksamkeit dieser Techniken und formulierten ihre Erkenntnisse in einem zu diesem Zweck verfassten Handbuch und einem Web-basierten Tool. Ausgehend von den Anforderungen des Betreibers bewertet das Tool jedes Verfahren hinsichtlich seiner Langlebigkeit, Erfolgswahrscheinlichkeit, räumlicher Ausdehnung, Reaktionszeit und -kosten und ermöglicht sogar, verschiedene Optionen miteinander zu vergleichen. Filip Neele, Projektleiter an der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung und Koordinator von MIRECOL, spricht über die Ergebnisse des Projekts und darüber, wie dieses sich auf die Entwicklung von CCS-Technologie in Europa auswirken soll. In Ihrem Projekt beschäftigen Sie sich mit CO2-Austritten. Würden Sie sagen, dass diese Austritte die Anwendung von CCS-Technologie behindern? Das Risiko, dass CO2 aus seinem Reservoir austritt, steht dem Einsatz von CCS nicht entgegen. Durch Auswahl eines geeigneten, richtig aufgebauten Standorts wird dieses Risiko minimiert, und auf das Restrisiko wird mit angemessenen Überwachungsmaßnahmen reagiert. Im unwahrscheinlichen Fall eines Austritt kann der Betreiber Korrektivmaßnahmen einleiten. Im MIRECOL-Projekt vergrößerten wir die Palette der ihnen offenstehenden Möglichkeiten. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, zu denen Sie im Projekt hinsichtlich bestehender und in Entwicklung befindlicher Abmilderungsverfahren gelangten? Das wichtigste Ergebnis der Projekts ist, dass den Betreibern von Speicheranlagen viel mehr Optionen für Korrektivmaßnahmen zur Verfügung stehen, als derzeit in den entsprechenden Plänen erwähnt werden. Das Projekt liefert Betreibern einen Ansatzpunkt, um während der Anlagenentwicklung einen Plan für Korrektivmaßnahmen zu entwerfen und deren Anwendung sicherzustellen. Außerdem bieten wir eine Grundlage, auf der über geeignete Korrektivmaßnahmen entschieden werden kann, die wenn erforderlich zu ergreifen sind. Hat sich ein bestimmtes Verfahren als beste Option herauskristallisiert? Es gibt kein Verfahren, das in jedem Fall das beste ist. Manchmal ist es ausreichend, die Injektionstechnik zu ändern, in anderen Fällen muss viel mehr überarbeitet werden. Die Durchführbarkeit und Wirksamkeit einer bestimmten Korrektivmaßnahme ist von den Gegebenheiten der jeweiligen Speicheranlage, der aufgetretenen Störung und den Bedingungen an der Oberfläche abhängig, da im Bereich des Bohrschacht bzw. der Bohrschächte nicht immer alle Maßnahmen infrage kommen. Im MIRECOL-Projekt untersuchten wir eine weites Spektrum von Korrektivmaßnahmen, die zusammengenommen eine große Bandbreite unerwünschter Ereignisse abdecken, die im Reservoir oder in dessen Nähe eintreten könnten. Ein echter Vorfall in einem echten Speicherreservoir wird sich zwar immer von den im Projekt behandelten Szenarien unterscheiden, die Projektergebnisse werden Betreibern aber dennoch bei einer ersten Auswahl zwischen den verfügbaren Techniken von Nutzen sein. Wie verliefen die Demonstrationen vor Ort in den Anlagen? Das MIRECOL-Projekt nutzte zwei Pilotanlagen: eine Anlage des Projektpartners ENGIE auf dem Offshore-Gasfeld K12-B in den Niederlanden und einen Standort im deutschen Ketzin, der vom Projektpartner GFZ betrieben wird. In diesen Anlangen wurde die Umsetzbarkeit der Rückproduktion von injiziertem CO2 als Korrektivmaßnahme untersucht. An einem dritten Standort, dem CO2-Feld Bečej in Serbien, wurde ein im Rahmen des Projekts entwickeltes Versiegelungsmaterial getestet. Dieser Injektionstest wurde durch den serbischen MIRECOL-Partner NIS durchgeführt und führte zu vielversprechenden Ergebnissen, welche die Grundlage für weitere, größer angelegte Tests bilden werden. Wie soll sich MIRECOL Ihrer Hoffnung nach auf die Branche auswirken? Die Projektforscher untersuchten zahlreiche potenzielle Korrektivmaßnahmen, jede davon wiederum in vielen realistischen Szenarien. Um Betreibern und den regulierenden Behörden die gewonnenen Daten zur Verfügung zu stellen, haben wir ein Web-basiertes Tool entwickelt. Aus den in einer Datenbank zusammengeführten Informationen wählt das Tool das Szenario, das am besten zu der vom Benutzer definierten Situation passt, und zeigt die Leistung aller zutreffenden Korrektivmaßnahmen an. Mit Unterstützung der am Projekt beteiligten Betreiberunternehmen wurde das Tool so entwickelt, dass es in Zukunft von Betreibern zur Ausarbeitung eines Plans für Korrektivmaßnahmen genutzt werden kann. Außerdem ermöglicht es Betreibern und regulierenden Behörden, über verfügbare Optionen zu diskutieren, die im Fall eines unerwünschten Vorfalls in oder nahe eines Reservoirs zu ergriffen werden können. Alle vom Projektteam erstellten Berichte sind auf der Projektwebsite abrufbar, und ein Online-Handbuch zu Korrektivmaßnahmen liefert einfachen Zugriff auf diese Berichte. Was sind Ihre Pläne, jetzt da das Projekt abgeschlossen wurde? Das Projektteam wird auf Konferenzen und anderen Veranstaltungen mit Bezug auf CCS auf die Projektergebnisse aufmerksam machen. Auf der Projektwebsite kann nach wie vor auf das Online-Handbuch sowie das Web-basierte Tool zugegriffen werden, die dank der Rückmeldungen von Nutzern gepflegt und verbessert werden. Die tatsächlichen Auswirkungen des MIRECOL-Projekts werden sich, zumindest in Europa, voraussichtlich dann abzeichnen, sobald CCS-Projekte entworfen und durchgeführt werden. MIRECOL Finanziert unter FP7-ENERGY Projektwebsite

Länder

Niederlande

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19 Oktober 2017