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Interview

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Eine neue Generation von Walkie-Talkies

Das Walkie-Talkie wurde vor 70 Jahren erfunden. Man könnte vermuten, dass diese Technik seit dem Siegeszug des heute allgegenwärtigen Mobiltelefons obsolet wäre, doch tatsächlich werden Handfunkgeräte auch im Jahr 2018 noch verwendet. Nun stattet ein finnisches Unternehmen sie mit mobiler Breitbandtechnologie aus, wie sie auch für unsere Smartphones genutzt wird.

Sicherheit

Das Unternehmen AINA Wireless bezeichnet seine Technologie als „PTT Voice Responder“. Anstatt einen normalen Entwurf für Handfunkgeräte einzureichen, wie sie seit Jahren gängig sind, entwickelte das Unternehmen ein neuartiges Gerät, das Personen, die bei der Arbeit beide Hände frei haben müssen, an beinahe jedem Gegenstand befestigen können – an einem Karabinerhaken, einem Schlüsselbund oder einer Fallschirmleine. Das Gerät ist einfach zu bedienen. Es wird über Bluetooth mit einem Smartphone gekoppelt, und schon ist es einsatzbereit: Über einige programmierbare Tasten können zentrale Funktionen wie Push-to-Talk (PTT), Telefonanrufe, Kanalwechsel und Notrufe genutzt werden. Das Grundprinzip ist, z. B. im Fall von Polizeibeamten, simpel: Man kann nicht gleichzeitig Verbrecher jagen und den Touchscreen eines Telefons bedienen. Maximilian Leroux, CEO von AINA Wireless, spricht über den PTT Voice Responder sowie die drei anderen Technologien, die im Projekt IPCOM (Next generation IP-based smart Push-to-Talk communication device for public security) entwickelt wurden, und erklärt, wie sie die Annäherung von Funkgeräten an mobile Breitbandtechnologie fördern können. Warum ist es wichtig, eine Alternative zu Funkgeräten zu bieten? Unser Produkt stellt eher eine Verbesserung des Walkie-Talkies als eine Alternative dazu dar. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Polizeibeamten und der Industrie eine Lösung anzubieten, mit der Benutzer weiterhin mit einem Tastendruck einen Sprechkanal öffnen können, in dieser Hinsicht ändert sich also nichts. Wir binden jedoch moderne Kommunikationstechnologien ein, die fortschrittliche Funktionen wie Ortsbestimmung, Telemetrie oder, im Falle eines Netzausfalls, Direktkommunikation ermöglichen. Auch Alarme bei verletzten Beamten oder in Notfällen sind möglich. Wir nehmen etwas Altes und erneuern es, ohne die Kernfunktionen zu verändern. Wie erklären Sie, dass die Interessengruppen bislang noch keine Alternative überzeugen konnte? Die professionelle Kommunikation ist ein konservativer Bereich mit lange Zeit gültigen Verträgen zwischen großen Akteuren und Staaten. Hier ist eine makroökonomische Perspektive, bei der eine revolutionäre Technologie alles umkrempelt, allein nicht ausreichend – auch die Staaten müssen eine Entscheidung treffen. Doch seit sich die USA zum Bau eines Breitbandnetzes (FirstNet) für Ersthelfer entschlossen und sich das Vereinigte Königreich dazu entschied, Tetra im Jahr 2020 zugunsten des Emergency Services Network (ESN) abzuschalten, herrschen andere Bedingungen. Nun geht es nicht mehr darum, jemanden von einer neuen Technologie oder zu mehr Effizienz im Kommunikationswesen zu überzeugen – es wird ein Gesetz geben! Vor diesem Hintergrund wird es noch weitere Entwicklungen geben, und wenn wir früh genug anfangen, können wir unsere Marke etablieren und Feldversuche durchführen, bevor der Markt überschwemmt ist. Ist es wirklich sicher für Organisationen, auf mobiles Breitband umzusteigen, insbesondere in Situationen, in denen kein Internet verfügbar ist? Unsere eigenständigen Push-to-Talk-Geräte können zu jedem Funknetz eine Verbindung herstellen, Roaming ist also in jedem Fall verfügbar. Und wenn überhaupt kein Netz vorhanden ist, können die Geräte im Direktmodus über ein Mesh-Netzwerk miteinander kommunizieren. Solange Sie sich in Reichweite eines Teammitglieds befinden, bleiben Sie verbunden. Dies ist insbesondere für Ersthelfer sehr wichtig. Können Sie uns mehr über die verschiedenen Geräte erzählen, die Sie entwickelt haben? Wir haben den AINA-PTT Voice Responder entwickelt – ein Bluetooth- Lautsprechermikrofon für PTT-Smartphone-Apps. Es handelt sich um ein Funklautsprechermikrofon der zweiten Generation, da es dem Nutzer ermöglicht, sein Telefon sicher in der Tasche zu lassen und dennoch alle Funktionen ihrer App zu steuern. Wir haben zudem ein Bluetooth-Low-Energy-Gerät mit zwei PTT-Tasten, einem Notfallalarm und einem Beschleunigungssensor entwickelt, das darauf programmiert werden kann, einen Alarm auszulösen, beispielsweise wenn ein Beamter zu Boden geht. Als Nächstes werden wir ein Produkt veröffentlichen, mit dem Audiosignale über Bluetooth LE übertragen werden, um ebenso kurze Latenzzeiten zu erreichen, wie die Nutzer sie von Walkie-Talkies gewohnt sind. Auch den Direktmodus werden wir bereits integrieren, damit die Nutzer abgesichert sind. Dieses neue Gerät wird Personen von Nutzen sein, die ihr Smartphone oder Tablet auch für andere Dinge als Push-to-Talk-Kommunikation verwenden, denn sie profitieren davon, neben ihrem Mobilgerät zusätzlich ein verbundenes Lautsprechermikrofon verwenden zu können. Letztendlich wird es eine neue Generation unseres eigenständigen, LTE-fähigen PTT-Geräts geben, das Funkgeräte gänzlich überflüssig machen wird. Wir rechnen mit einer hohen Nachfrage für dieses, da es Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit mit hochmoderner Technologie verbindet: Laden Sie einfach eine PTT-App auf das Lautsprechermikrofon und legen Sie los. Wie haben die Interessengruppen bisher reagiert? Letzten Endes siegt Qualität. Wir haben hohe Ansprüche an uns selbst, und unsere größten Kunden und Partner sind mit unseren Produkten sehr zufrieden. Damit legen wir uns die Messlatte besonders hoch, und das sorgt auch für hohe Erwartungen der Kunden. AINA Wireless ist nicht im Geschäft, um mit Herstellern aus Fernost zu konkurrieren. Die Rückmeldungen sind bislang zu 100 % positiv, und der Markt scheint für den nächsten Schritt bereit zu sein. Welche Pläne haben Sie für die Vermarktung? Wir möchten mindestens alle sechs Monate ein neues Produkt veröffentlichen. In diesem Rhythmus können wir höchste Qualität gewährleisten und uns gleichzeitig um Genehmigungen von Staaten, Prüfpläne sowie Feldversuche kümmern, um sicherzustellen, dass wir zuverlässige Produkte auf den Markt bringen. Jeder kann unser Produkt, auch ein einzelnes Gerät, kaufen und innerhalb von etwa einer Woche erhalten, ganz gleich, wo auf der Welt er sich befindet. Natürlich liegt unser Fokus auf großen Händlern, Mobilfunknetzbetreibern, Funkgeräteherstellern und den führenden Entwicklern von PTT-Apps. So können wir große Kunden ansprechen und dafür sorgen, dass die gesamte Lösung genau wie von den Endnutzern erwartet funktioniert. Was möchten Sie bis zum Ende des Projekts noch erreichen? Noch eine ganze Menge, aber so langsam nimmt alles Form an. Wir haben ein großartiges Team und starke Partner. Bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2018 möchten wir der Öffentlichkeit etwas präsentieren können. Der aufwändigste Teil ist immer die Forschung: Was will man machen, und wie könnte das gehen? Sobald das Konzept ausgearbeitet ist, geht es nur noch um die Umsetzung. Deshalb haben wir einige Ingenieure ohne klare Stellenbeschreibung, deren Aufgabe allein darin besteht, neue Ideen vorzubringen. Und dann haben wir ein ganzes Team, das die Konzepte nimmt und sie in die Produktentwicklung einbindet. IPCOM CORDIS-Projektseite

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