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Wissenschaft im Trend: Sterben unsere Hirnzellen, wenn wir altern? Forscher sagen: nein

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sich auch bei älteren Erwachsenen immer noch neue Gehirnzellen bilden können.

Gesundheit

Landläufig wird angenommen, dass die Gehirne von älteren Erwachsenen nicht mehr so viele neue Zellen produzieren können wie die von Jüngeren. Geistiger Verfall galt im Alter als vorprogrammiert. Sie werden älter? Gute Nachrichten: Anscheinend hört das Gehirn nie auf zu wachsen! Nach der aktuellen Theorie wachsen bei Erwachsenen keine Neuronen nach. Wissenschaftler glauben, dass unser Gedächtnis schlechter wird, weil im Hippocampus keine neuen Neuronen mehr wachsen – also in dem Hirnbereich, wo Erinnerung, Emotion und Kognition sitzen. Eine Untersuchung in dem amerikanischen Journal „Cell Stem Cell“ könnte jetzt alle früheren Forschungsergebnisse über den Haufen werfen. Ältere Männer und Frauen, die gesund sind, können der Studie zufolge genauso viele neue Hirnzellen bilden wie jüngere Menschen. Nervenzellen wachsen nicht nur bis zum 13. Lebensjahr Forscher der Columbia University und des New York State Psychiatric Institute haben die Gehirne von 28 Personen zwischen 14 und 79 Jahren untersucht, die vollkommen gesund gewesen waren bis sie unerwartet starben. Sie fanden heraus, dass sich bei den 79-Jährigen gerade genauso so viele neue Neuronen im Hippocampus bildeten wie bei den 14-Jährigen. Sogar die ältesten Gehirne hatten neue Hirnzellen gebildet. Dr. Maura Boldrini war die Hauptautorin der Studie und arbeitet als außerordentliche Professorin für Neurobiologie an der Columbia University. Sie sagte der britischen Boulevardzeitung „Daily Mail“, dass ältere Menschen den Ergebnissen zufolge wohl kognitiv und emotional stabiler bleiben als gemeinhin angenommen. Die Ergebnisse sind bahnbrechend, weil hier erstmals neu gebildete Neuronen und der Zustand der Blutgefäße im gesamten menschlichen Hippocampus schon kurz nach dem Tod untersucht worden sind. Das Team stellte fest, dass die Probanden kognitiv nicht eingeschränkt gewesen waren und weder an Depressionen gelitten noch Antidepressiva eingenommen hatten. Solche Bedingungen könnten Auswirkungen auf die Bildung neuer Hirnzellen haben. Alte und junge Gehirne haben mehr gemeinsam, als man dachte Die Neurogenese, also die Fähigkeit, im Hippocampus neue Zellen zu bilden, nimmt bei Primaten im Alter ab. Man ging bisher davon aus, dass es sich bei alternden Menschen genauso verhält und die Neuronenbildung nachlässt. Laut der neuen Studie geht der Prozess der Neurogenese auch im erwachsenen menschlichen Hippocampus weiter. In Wissenschaftlerkreisen wird angenommen, dass sich das Gedächtnis möglicherweise verschlechtert, weil in diesem Teil des Gehirns keine neuen Neuronen wachsen. Im Interview mit dem britischen „Independent“ sagte Dr. Boldrini: „Wir haben herausgefunden, dass ältere Menschen ähnlich wie jüngere dazu in der Lage sind, aus Vorläuferzellen tausende neuer Neuronen im Hippocampus zu bilden. Außerdem hatten die Hippocampi aller Altersgruppen in etwa das gleiche Volumen.“ Aber die Forscher fanden in älteren Gehirnen auch weniger Blutgefäße und weniger Verbindungen zwischen den Zellen. Je älter eine Person, umso weniger neue Blutgefäße bildet sie. Der Vergleich vollkommen gesunder mit erkrankten Gehirnen könnte den Weg für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für psychologische und neurologische Erkrankungen wie Alzheimer frei machen. „Jeder von uns kennt einen 90-Jährigen, der vollkommen klar im Kopf ist“, ergänzte Dr. Boldrini in der „Daily Mail“. In gewissem Maße erklärt sie selbst wie das möglich ist. Denn bisherige Theorien, denen zufolge Neuronen nach der Pubertät aufhören zu wachsen, stellt sie mit ihrer Forschung auf den Prüfstand.

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