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Wie hat sich die Entwicklung von Pferden im Laufe der Zeit durch Menschenhand verändert?

Eine neue Studie zeigt, dass Pferde vor Beginn der modernen Zuchtmethoden eine weitaus höhere genetische Vielfalt aufwiesen.

Grundlagenforschung

Wir machen uns nur selten bewusst, welche tiefgreifenden Auswirkungen das gute alte Pferd auf die menschliche Geschichte hatte. Vor Tausenden von Jahren domestizierten die Menschen erstmals Pferde und revolutionierten dadurch das Reisen und den Handel – und nicht zuletzt auch die Art und Weise, wie Nationen Krieg gegeneinander führten. Im Zuge solcher Aktivitäten beschleunigte sich auch die geografische Ausbreitung von Sprachen. Pferde haben erhebliche Veränderungen in der Geschichte befördert, doch welche Wirkung hatten wir auf unsere vierbeinigen Freunde? Zur Beantwortung dieser Frage rekonstruierte ein Forscherteam in jüngster Zeit die 5 000 Jahre zurückreichende genetische Geschichte des Hauspferdes. Das Ziel war, besser verstehen, wie Pferde von Menschen verändert wurden, um verschiedenen Zwecken im Laufe der Geschichte zu dienen. Wie das Team herausfand, führten menschliche Aktivitäten zu einer ganz erheblichen Abnahme der genetischen Vielfalt unter Pferden. Die Studie, die mit anteiliger Förderung durch das EU-finanzierte Projekt SYNTHESYS PLUS (Synthesis of systematic resources) durchgeführt wurde, stellt den ersten Versuch überhaupt dar, DNA-Sequenzierungstechnologie in einem so großen Umfang auf einen nichtmenschlichen Organismus anzuwenden. Weitere Abstammungslinien entdeckt Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass sich die genetische Geschichte des Pferdes weitaus komplexer darstellt als bisher angenommen. Neben den beiden bekannten Pferdelinien – dem Hauspferd und dem Przewalski-Pferd – fanden sich Belege für zwei weitere, inzwischen ausgestorbene Linien, die vor rund 5 000 Jahren auf der Iberischen Halbinsel und in Sibirien beheimatet waren. Diese Tiere leisteten jedoch nur einen begrenzten Beitrag zum Erbgut des modernen Pferdes. „Sie sind eine Art Neandertaler der Pferdewelt“, so Prof. Ludovic Orlando von der Universität Kopenhagen, die als Projektpartner beteiligt ist, in einer Pressemitteilung auf der Website „EurekAlert!“. Schnelligkeit durch persischen Einfluss Verstärkte Anzeichen einer Verwandtschaft mit den sassanidisch-persischen Pferden wurden in asiatischen und europäischen Pferdegenomen nach dem 7. und 9. Jahrhundert entdeckt. Die Pferde, die vor dieser Zeit in Europa am weitesten verbreitet waren, sind nur noch in Teilen Islands zu finden, während unsere heutigen Pferderassen eine größere Ähnlichkeit zu den sassanidisch-persischen Pferden zeigen. Dies legt nahe, dass die byzantinisch-sassanidischen Kriege und die frühislamischen Eroberungen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine nachhaltige Auswirkung auf die Pferdezucht hatten. „In diesem geschichtlichen Moment erhielt die Pferdelandschaft in Europa ein neues Gesicht“, erläutert Prof. Orlando. „Wenn wir die Pferde betrachten, die wir heute als Araber bezeichnen, erkennen wir sofort, dass sie einen anderen Körperbau haben – und es ist ja bekannt, wie beliebt diese anatomischen Merkmale immer wieder in der Geschichte waren, unter anderem für Rennpferde.“ Genetische Eigenschaften, die mit wichtigen Pferderennen und dem Aspekt der Geschwindigkeit in Verbindung gebracht werden, gewannen erst im vergangenen Jahrtausend an Popularität und machten sich dann auch als deutlicher Einfluss in der Entwicklung des Hauspferdes bemerkbar. Der stärkste Rückgang hinsichtlich der genetischen Vielfalt ist jedoch in den letzten 200 Jahren zu verzeichnen – eine Folge der modernen Zuchtmethoden. „Unsere gegenwärtige Vorstellung von Pferden unterscheidet sich doch sehr stark von der Vorstellung, wie Pferde vor 1 000 oder 2 000 Jahren aussahen“, so Prof. Orlando weiter. „Bei einigen der Merkmale, die uns so vertraut sind, handelt es sich um eine moderne Erfindung. In den letzten Jahrhunderten haben wir den Wandel des Pferdegenoms tatsächlich stärker vorangetrieben als in den vorausgehenden 4 000 Jahren der Domestikation“, fügt er hinzu. Das Projekt SYNTHESYS PLUS ist die vierte Auflage des SYNTHESYS-Programms. Im Rahmen des Programms werden die europäischen Niederlassungen weltweiter Organisationen im Bereich Naturwissenschaften mitsamt deren umfassenden Sammlungen zusammengeführt, um die Antwortfindung auf fundamentale Fragen zu ökologischen, evolutionsspezifischen und geologischen Prozessen zu integrieren und zu internationalisieren. Weitere Informationen: Projektwebsite von SYNTHESYS PLUS

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