Abkommen soll Wachstum der Mobiltelekommunikation der dritten Generation fördern
Nach Verhandlungen zwischen 150 Ländern einschließlich der Europäischen Union einigte man sich auf zusätzliche Frequenzen für die internationale Mobiltelekommunikation der dritten Generation (IMT-2000) und gab damit der Mobilfunkindustrie grünes Licht für die Einrichtung von Netzen und Diensten der dritten Generation. Nach vierwöchigen Gesprächen in Istanbul unterzeichneten die Delegierten die Schlußakte der weltweiten Konferenz für Funkkommunikation 2000 (World Radio Communications Conference 2000), deren Ergebnisse der Industrie Raum für die Entwicklung hochentwickelter neuer funkgestützter Kommunikationssysteme bietet. In der Vereinbarung sind auch Funkfrequenzen für Satelliten-Funknavigationssysteme vorgesehen, u.a. für das von der Europäischen Gemeinschaft initiierte Projekt "Galileo". "Die Ergebnisse der WRC-2000 berücksichtigen weitgehend die politischen Zielsetzungen der Gemeinschaft, wie beispielsweise in den Bereichen Kommunikation und Verkehr", so das für Unternehmen und die Informationsgesellschaft zuständige Kommissionsmitglied Erkki Liikanen. "Nun, da ausreichend Funkfrequenzen gesichert sind, sollte die Gemeinschaft darangehen, ihre Position hinsichtlich der Einrichtung globaler drahtloser Infrastrukturen in diesen Bereichen der Gemeinschaftspolitik zu konsolidieren." Die Entscheidung sieht drei gemeinsame Bänder vor, die auf globaler Basis Ländern zur Verfügung stehen, die ihre terrestrische Komponente der IMT-2000 einrichten wollen. Das Abkommen sorgt für ein hohes Maß an Flexibilität, damit die Betreiber unter Berücksichtigung der jeweiligen Markt- und anderer einzelstaatlicher Bedingungen allmählich auf IMT-2000 umrüsten können. Die Mitgliedstaaten können nun mit der Lizenzierung von Betreibern im Bereich Mobilkommunikation der dritten Generation in einem sicheren, stabilen Umfeld fortfahren. Jedes Land entscheidet selbst gemäß seiner einzelstaatlichen Bedürfnisse über das Timing für die Lizenzvergabe, so daß es diejenigen Teile der Bänder auswählen kann, wo es am angebrachtesten erscheint, sich mit bestehenden Diensten unter Berücksichtigung geltender Lizenzen die Frequenz zu teilen. Die WRC-2000 hat den Satelliten-Funknavigationsdiensten weitere Frequenzen zugeteilt, die der Förderung eines neuen Satellitenpositionsbestimmungssystems, dem europäischen "Galileo-System", dienen sollen. Bei den beiden derzeit vorhandenen Systemen handelt es sich um das russische GLONASS (Global Navigation Satellite System - globales Satellitennavigationssystem) und das Global Positioning System (GPS - globales Positionierungssystem) der USA. Die zusätzlichen Frequenzen gewährleisten den Schutz der GPS- und GLONASS-Signale, ermöglichen die Weiterentwicklung dieser Systeme zu präziseren Systemen der zweiten Generation und schaffen gleichzeitig Raum für das neue System Europas. Außerdem wird dadurch der Wettbewerb auf einem äußerst lukrativen, voll expandierenden Markt angeregt. "Die Bedeutung und Dynamik der WRC sind beeindruckend", so das für Verkehr und Energie zuständige Kommissionsmitglied Loyola de Palacio. "Die technischen Fragen, die verhandelt werden, sind aus wirtschaftlichen, strategischen, kulturellen und sozialen Gründen von enormer Bedeutung. Ich bin froh, daß Europa durchweg gute Ergebnisse erzielt hat, nicht zuletzt, was Galileo betrifft." Auf der Konferenz wurden Dokumente im Umfang von insgesamt rund 30 Millionen Seiten diskutiert, die meisten davon äußerst technischer Natur. Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf die Politik der Gemeinschaft in den Bereichen Kommunikation, Verkehr, Rundfunk und FuE. Die Kommission beabsichtigt, bis Juli eine Mitteilung über die Ergebnisse der WRC-2000 zu verfassen. Ferner wird sie noch vor dem Sommer einen Vorschlag für das Europäische Parlament und den Rat über die Funkfrequenzpolitik verabschieden.