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Gezielte individuelle Behandlungen für Blutkrankheiten

Durch Prüfung der Schwere von Bluterkrankungen und das Angebot wirksamer neuer gezielter Behandlungen hoffen EU-Forscher den Patienten eine bessere Lebensqualität verschaffen zu können.

Gesundheit

Vom EU-finanzierten THALAMOSS-Projekt entwickelte neue personalisierte Behandlungsverfahren für Patientinnen und Patienten mit Beta-Thalassämie könnten nun Leben retten, die Kosten im Gesundheitswesen senken und zu neuen Patenten für therapeutische Interventionen, wichtigen Innovationen in der Gentherapie und bei Genome Editing-Methoden hinführen. Eine neue Zentraldatenbank für klinische Informationen wird auch den auf diesem Gebiet Forschenden zugute kommen. Beta-Thalassämie gehört zu einer Gruppe erblicher Blutkrankheiten, die mit einem Mangel an Hämoglobin einhergehen. Hämoglobin ist ein Protein, das im Körper für den Sauerstofftransport zuständig ist. In der Folge entwickeln die Betroffenen eine lebensbedrohliche Anämie und brauchen lebenslange Transfusionen. Trotz verbesserter Behandlungen werden vor allem in Afrika, Indien und den Mittelmeerländern immer noch tausende Babys mit der Krankheit geboren. „In vielen dieser Länder gibt es keine ausreichende Blutversorgung und Transfusionen sind häufig mit dem Risiko einer Infektion verbunden“, erklärt THALAMOSS-Projektkoordinator Roberto Gambari von der Universität Ferrara in Italien. „Um diese Herausforderungen zu meistern, wollten wir individuellere therapeutische Ansätze entwickeln.“ Gambari und sein Team erkannten die Notwendigkeit, Bluttransfusionen zu verringern und neue Therapien zur Verbesserung der Lebensqualität von Beta-Thalassämie-Patienten – und das unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität und Wohlstand – zu entwickeln, und wirkungsvolle Kosteneinsparungen für die Gesundheitssysteme zu erzielen. Im Einzelnen wollte man innerhalb des THALAMOSS-Projekts therapeutische Strategien für die Entwicklung von Ländern mit niedrigem Einkommen anwenden, wo Beta-Thalassämie weitverbreitet ist und das gegenwärtige Betreuungsniveau keineswegs optimal ist. Im ersten Schritt des Projekts wurden Blutproben von mehr als 1 000 Patienten genommen und dann zur Klassifizierung in Behandlungsuntergruppen verwendet. Davon ausgehend konnte das Team optimierte individuelle Behandlungen anbieten – angefangen von Bluttransfusionen über die Anwendung von chemischen Induktoren zur Verstärkung der Hämoglobinproduktion bis hin zu gentherapeutischen Maßnahmen und zur Korrektur genomischer Sequenzen durch Genome Editing. „Unsere Hoffnung ist, durch Kombination dieser modularen Verfahren zu einem integrierten Ansatz eine umfassende Orientierungshilfe zur Behandlung einzelner Beta-Thalassämie-Patienten anbieten zu können“, sagt Gambari. Zudem hat das Projekt außerdem eine Infrastruktur eingerichtet, die eine institutionenübergreifende Erhebung und gemeinsame Nutzung von Patientendaten ermöglicht, sowie Leitlinien zur Korrelation von Befunden mit medizinischen Datensätzen und Zellkulturanalysen erstellt. Gleichermaßen wurden eine Zentraldatenbank mit allen klinischen Informationen zur Unterstützung des Therapiemanagements und eine Thalassämie-Zellbiobank mit kryokonservierten Zellen von Beta-Thalassämie-Patienten aufgebaut. „Wir verfügen über 700 Ampullen von mehr als 120 Patienten mit unterschiedlichen Genotypen und genetischen Hintergründen, die jederzeit im Rahmen von weiteren experimentellen Ansätzen oder Validierungsstudien verwendet werden können“, ergänzt Gambari. Das Projekt verzeichnete außerdem einige faszinierende Entdeckungen über die Krankheit, welche weitere Forschung vorantreiben könnten. „Eine der interessantesten Fragen war die extrem hohe genetische Heterogenität bei den Beta-Thalassämie-Patienten“, stellt Gambari fest. „Auf Grundlage dieser Beobachtung scheint Beta-Thalassämie eine sehr komplexe genetische Krankheit zu sein. Dieser Befund unterstützt die Entwicklung von personalisierten Ansätzen für Beta-Thalassämie-Patienten auf nachhaltige Weise.“Gambari hofft auf den Beginn klinischer Pilotversuche unter Einsatz fetaler Hämoglobin-Induktoren und gentherapeutischer Vektoren, die im Rahmen des Projekts validiert wurden und das Potenzial zur Patentierung aufweisen. Er ergänzt: „Wir hoffen außerdem, dass wir damit beginnen können, unsere Zellbiobank in vollem Umfang für Genome Editing-Strategien in Zusammenarbeit mit industriellen und akademischen Partnern zu nutzen.“ „Unser Ziel ist zudem, Versuche im Zusammenhang mit nichtinvasiven Plasmaanalysen zu vervollständigen, um den Krankheitsverlauf besser vorhersagen und das klinische therapeutische Management der Patienten verbessern zu können. Ich bin sicher, dass Nichtregierungsorganisationen daran interessiert sein werden, diese kostengünstigen therapeutischen Ansätze in den Entwicklungsländern einzusetzen.“

Schlüsselbegriffe

THALAMOSS, Bluterkrankung, Blutkrankheit, personalisierte Behandlungen, individuelle Behandlungen, Beta-Thalassämie

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