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Bright Farm by Precision Livestock Farming

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Spion im Kuhstall hilft Landwirten

Der global zunehmende Appetit auf Fleisch hat dazu geführt, dass Landwirtschaftsbetriebe immer größer werden. Eine automatische und ununterbrochene Überwachung der Nutztiere unter Einsatz von Überwachungstechnologie kann vielbeschäftigten Landwirten Hilfestellung dabei leisten, ihre Tiere besser zu pflegen, die Lebensmittelversorgungskette zu verbessern und Geld einzusparen.

Lebensmittel und natürliche Ressourcen

Die Bäuerinnen und Bauern haben mit der zunehmenden Größe ihrer Bestände und Herden zu kämpfen und immer weniger Zeit zur Verfügung, um Gesundheit und Wohlergehen des einzelnen Tiers im Auge zu behalten. Resultat ist eine wachsende Besorgnis unter den Verbrauchern, die nach sicheren, aber bezahlbaren Produkten wie etwa Milch, Fleisch und Eiern verlangen, die unter sauberen, nachhaltigen und tierfreundlichen Bedingungen erzeugt werden. Precision Livestock Farming (PLF) - Präzisionslandwirtschaft in der Tierhaltung - stellt eine Lösung für die überarbeiteten Landwirte dar, indem mit technisch ausgereiften Algorithmen arbeitende Sensoren, Kameras und Mikrofone zum Einsatz kommen, um jedes einzelne Tier kontinuierlich zu überwachen. Das von der EU finanzierte Projekt EU-PLF (Bright farm by precision livestock farming) wurde eingerichtet, um das umfassende Potenzial von PLF-Instrumenten zu erschließen, indem diese zu kommerziellen Produkten und Dienstleistungen für die Anwendung in der Milchwirtschaft, in der Schweinemast und auf Geflügelfarmen entwickelt werden. Per Entwurf zum Erfolg „Hauptziele waren die europaweite Installation von PLF-Technologie in kommerziellen Betrieben sowie eine Analyse, auf welche Weise sie von den Landwirten genutzt wird und Mehrwert für sie erschafft“, erläutert Projektkoordinator Dr. Daniel Berckmans. Um ihre Ziele zu erreichen, erarbeiteten die Projektpartner einen Entwurf eines Konzepts für Landwirte, kleine und mittlere Hightech-Unternehmen (KMU) sowie weitere zentrale Akteure, die PLF-Instrumente entwerfen und entwickeln wollten. Der Entwurf stellte eine wertvolle Ressource zur Beratung der Landwirte dar, wie man eine geeignete PLF-Technologie auswählt und installiert sowie ermittelt, welche Probleme gelöst werden müssen. Außerdem wurde ein Online-PLF-E-Kurs für Studierende, Wissenschaftler und Forscher erstellt, der eine wichtige Plattform für die Weiterentwicklung von Wissen und Erfahrungsaustausch in Hinsicht auf die Technologie darstellt. Lauschangriff auf Nutztiere Das Konsortium entwickelte bessere Algorithmen für Kamera- und Mikrofonsysteme, um zu einem detaillierteren Verständnis der Faktoren zu gelangen, die das Verhalten und die Gesundheit von Nutztieren beeinflussen. „Es zeigte sich, dass das Kamerasystem nun über 90 % aller Probleme wie zum Beispiel blockierte Fütterungsleitungen und Tränken sowie Licht- und Klimaprobleme durch kontinuierliche Bildanalyse des Verhaltens von Masthähnchen vorhersagen kann“, berichtet Dr. Berckmans. Überdies fanden die Projektpartner heraus, dass ein infiziertes Tier anhand kontinuierlicher Analysen der von Mastschweinen erzeugten Geräuschkulisse 2 bis 10 Tage eher aufgespürt werden kann, als Landwirt oder Tierarzt es bemerken. Daher könnten mit PLF-Technologie Antibiotikagaben reduziert und die Landwirte in die Lage versetzt werden, im Fall von Infektionen schneller zu handeln, um dadurch Produktionsverluste zu senken und folglich Geld zu sparen. „Noch vor dem Start des Projekts bezweifelten viele, dass dieser Ansatz funktionieren würde, und glaubten, er sei unrealistisch, aber die Einstellung der Leute gegenüber PLF hat sich nun völlig verändert“, behauptet Dr. Berckmans. „Wir haben nachgewiesen, dass jeden zweiten Tag und jede zweite Nacht erfolgende automatisierte Überwachungen weitaus wirkungsvoller als Kontrolleure sind, die einmal im Jahr einen Viehbestand im Stall kontrollieren.“ Daten aus dem Landwirtschaftsbetrieb - eine wertvolle Ressource Die Forscher nutzten neue Modellierungsinstrumente und ermittelten Bereiche, in denen verschiedene PLF-Anwendungen für den Landwirtschaftsbetrieb und in den Lieferketten von sozialem und ökonomischem Wert sein könnten. Diese aus den Messungen in Landwirtschaftsbetrieben entnommenen wertvollen Daten können nun dabei helfen, das wirtschaftliche Potenzial zu erschließen, indem sie die Funktionsfähigkeit der Lebensmittelversorgungskette (Futter-Tier-Lebensmittel) verbessern sowie gesellschaftliche und ökonomische Anreize für die Einführung von PLF bieten. Dr. Berckmans dazu: „Viele verschiedene Interessengruppen müssen erst noch entdecken, welche Art von Informationen sie aus all diesen Daten auswählen können, und es werden weitere Algorithmen entwickelt.“ Etliche Sektoren, darunter die Pharma- und Tierfutterindustrie, Technologieunternehmen, Tierärzte, Schlachthöfe und Fleischhändler, zeigten jedoch zunehmendes Interesse. Im Laufe des Projekts gingen vier neue Hightech-PLF-Unternehmen an den Start. EU-PLF wird den auf den Landwirten lastenden Druck reduzieren, indem man ihnen effektiveres Handeln sowie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben ermöglicht, während ihre Anstrengungen stärker anerkannt werden. Zu den Vorteilen zählen gesündere, glücklichere Tiere sowie eine verbesserte Wirtschaftsleistung der landwirtschaftlichen Betriebe.

Schlüsselbegriffe

Nutztiere, Viehzucht, Viehhaltung, Viehwirtschaft, Precision Livestock Farming, Präzisionslandwirtschaft in der Tierhaltung, EU-PLF, Algorithmen, Lieferketten

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