Frankreich geht Chancengleichheit in der Wissenschaft an
Im Bewusstsein, dass die Forschung Nachteile dadurch davonträgt, dass verschiedene Hindernisse die Beteiligung von Frauen an der Forschung einschränken, hat das französische Forschungsministerium die neue Initiative "Frauen und Wissenschaft" gestartet, die die Chancengleichheit in Wissenschaft und Technologie fördern soll. Im Jahr 2002 wird das französische Forschungsministerium über 335.000 Euro für die Initiative ausgeben, gefolgt von ähnlichen Beträgen in den folgenden zwei Jahren. Die Initiative umfasst Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung, die Berufung von Frauen auf verantwortungsvolle Positionen, die Schaffung eines Gleichgewichts bei Beratungsbehörden und Empfehlungen für Universitäten und Forschungsorganisationen. Ohne das Prinzip der Spitzenfachkräfte aufzugeben, bevorzugte das Forschungsministerium 2000 und 2001 weibliche Bewerber und mehrere Frauen wurden in das Amt von Direktorinnen von Forschungsorganisationen berufen. Der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen ist gestiegen und nähert sich nun 40 Prozent, dem von der EU befürworteten Prozentsatz. Frankreich hat erkannt, dass das von der EU gesetzte Ziel von 40 Prozent Frauenanteil in Verwaltungsräten, Wissenschaftsräten, technischen Ausschüssen und Unternehmensausschüssen noch lange nicht erreicht ist. Die derzeitige Zahl beträgt immer noch nur zehn Prozent. Bezüglich gewählter Vertreter wird in Kürze mit Organisationen aus der Forschung eine Charta diskutiert werden, in der vorgeschlagen wird, dass mehr als ein Drittel der zur Wahl stehenden Kandidaten Frauen sein sollen. Das Ministerium hat auch eine Initiative für junge Forscherinnen gestartet, in der versucht wird, die besten jungen Forscherinnen zu bestimmen und deren Verantwortung und Autonomie innerhalb fester Teams zu beschleunigen. Etwas ältere Frauen, die auf Grund eines Erziehungsurlaubs hinter ihren männlichen Kollegen zurückliegen, können sich auch an der Initiative beteiligen. Im Februar wurde auch eine Konvention zur Förderung der Chancengleichheit im Bildungssystem von den Ministern für Beschäftigung und Solidarität, für nationale Bildung, für Forschung und Technologie, für Landwirtschaft und Fischerei und für Schulbildung sowie von der Staatssekretärin für Frauenrechte und Berufsausbildung unterzeichnet. Das Forschungsministerium unterstützt eine Reihe von Organisationen im Bereich Frauen und Wissenschaft und hat auch den Irène Joliot-Curie-Preis gestiftet, der an Vereinigungen vergeben wird, die an der Entwicklung einer wissenschaftlichen und technischen Kultur, insbesondere unter jungen Menschen, arbeiten. In diesem, dem ersten Jahr der Preisverleihung ging der Preis an drei Organisationen: "Femmes et mathématiques", "Permis de jouer" und "Graine de chimiste". Unabhängig davon fand vor Kurzem in Paris die erste internationale Konferenz über Frauen in der Physik statt. Die Schlussfolgerung der Konferenz lautete, dass es mehr weibliche Entscheidungsträger und familienfreundliche Arbeitsbedingungen geben muss, um mehr Frauen dazu zu ermutigen, eine Laufbahn in der Physik einzuschlagen. Über 300 Physiker nahmen einstimmig acht Empfehlungen an, die sich an Schulen, Universitäten, die Wirtschaft, die Regierung und Fördergremien richten, und es Frauen ermöglichen sollen, effektiver zur Physik beizutragen. Die Konferenzteilnehmer empfahlen, dass die Fördergremien bei der Zuteilung von Forschungsmitteln flexibler sein sollten. So sollten Altersbeschränkungen für bestimmte Zuschüsse aufgehoben werden, damit Frauen, die eine Erziehungspause einlegen, nicht benachteiligt werden. Außerdem wurden wissenschaftliche Vereinigungen dazu aufgerufen, Frauen, die in der Physik arbeiten, zu bestimmen und sie als Vorbilder bekannt zu machen.
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Frankreich