Französische Präsidentschaftskandidaten über Europäischen Forschungsraum geteilter Meinung
Die Kandidaten für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich sind laut eines Fragebogens von der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Euroscience über die Integration der französischen Forschung in den Europäischen Forschungsraum (EFR) geteilter Meinung. Von den Beantwortern unterstützen Jacques Chirac (Rassemblement pour la République), Lionel Jospin (Parti Socialiste) und François Bayrou (Union Démocratique Française) die Schaffung eines Europäischen Forschungsraums (EFR). Jean-Marie Le Pen (Front National), Kandidat der Rechtsextremen, behält sich die Unterstützung des Satellitennavigationsprojekts Galileo vor. Daniel Gluckstein von der Parti des Travailleurs hat den EFR mittlerweile als eine Bedrohung für das öffentliche Forschungssystem in Frankreich gebrandmarkt. Keiner der Kandidaten, der auf die Fragen geantwortet hatte, ist bereit, spezifische Ziele für Investitionen in FuE (Forschung und Entwicklung) in Frankreich für die fünfjährige Amtszeit des Präsidenten zu nennen. Ein allgemeiner Konsens hinsichtlich eines Investitionsziels von drei Prozent des BIP war Chirac, Jospin, Gluckstein und dem Kandidaten der Kommunistischen Partei Robert Hue zu entnehmen, wobei Bayrou ein kurzfristiges Ziel von 2,5 Prozent einschließlich eines "bedeutenden europäischen Beitrages" unterstützte. Derzeit werden 2,17 Prozent des französischen BIP für FuE-Investitionen verwendet. Le Pen tritt für eine Begrenzung der Rolle des Staates in wissenschaftlichen Angelegenheiten auf die militärische Wissenschaft und Technologie ein. Ferner fordert er, dass die öffentlichen Forschungseinrichtungen in ein System von unabhängigen Laboratorien umstrukturiert werden, das durch eine Mischung aus öffentlicher und privaten Unterstützung finanziert wird. Alle Kandidaten sind für ein flexibleres Managementsystem für Laboratorien. Viele der Kandidaten schlagen Reformen zur Verbesserung der Innovationsleistung des Landes vor. Alain Madelin (Parti Républicain) unterstützt die Reform des derzeitigen steuerlichen Anrechnungsverfahrens im Bereich der Forschung, eine Maßnahme, die auch von Jacques Chirac unterstützt wird. Zudem favorisiert Chirac rechtliche Maßnahmen zur Unterstützung von Stiftungen zur Finanzierung der Forschung. Lionel Jospin hat die Schaffung einer großen Einrichtung für Innovationsförderung und Steuervergünstigungen für Innovationen vorgeschlagen, während François Bayrou für eine bedeutendere Rolle der Regionen bei der Unterstützung des Technologietransfers an Unternehmen eintritt. Die meisten Teilnehmer sind sich einig, dass die derzeitige Krise in der öffentlichen Meinung in Bezug auf Wissenschaftler und ihre Arbeit behoben werden muss, und sagen, dass die Forscher aufgefordert werden sollten, in Kontakt mit der Öffentlichkeit zu treten. Jacques Chirac und Lionel Jospin schlagen die Stärkung der Rolle des französischen Office National des Choix Scientifiques et Technologiques [Nationales Amt für wissenschaftliche und technologische Entscheidungen] vor. Jospin verwies auch auf die Rolle des Europäischen Parlaments bei der demokratischen Diskussion über Forschung, während Chirac das Parlament dazu aufforderte, eine "echte Kontrolle" über die europäische Forschung auszuüben.
Länder
Frankreich