Kommissare starten Debatte zur Rolle der Universitäten
Am 5. Februar gaben das für Forschung zuständige Kommissionsmitglied Philippe Busquin und das für Bildung und Kultur zuständige Kommissionsmitglied Viviane Reding eine gemeinsame Pressekonferenz, um eine Debatte zur Rolle der Universitäten im Europa des Wissens anzuregen. Die Debatte findet zeitgleich mit der Veröffentlichung einer Mitteilung der Kommission zu diesem Thema statt, in der eine Bestandsaufnahme der Hochschuleinrichtungen in Europa vorgenommen wird. Außerdem werden die Herausforderungen im Zusammenhang mit einer Ratsentscheidung vom letzten Jahr in Barcelona untersucht, nach der die europäischen Bildungssysteme bis 2010 zu einer "weltweiten Qualitätsreferenz" werden sollen. "Wenn Europa ein führender Akteur der globalen Wissensgesellschaft sein soll, müssen wir unsere Universitäten fördern", so Kommissar Busquin. "Die Universitäten sind Forschungs- und Bildungszentren und gleichzeitig Pole der regionalen Wirtschaftsentwicklung. Investitionen in die Universitäten gehören zu den besten Zukunftsinvestitionen, die wir tätigen können." Die Zuständigkeit für die Hochschuleinrichtungen in Europa liegt im Wesentlichen auf nationaler und regionaler Ebene, wobei viele europäische Institutionen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Eine dieser Herausforderungen ist die Frage, wie sich für die Entwicklung exzellenter Leistungen genug Ressourcen in den Einrichtungen bündeln lassen. Kommissarin Reding führte aus: "Unsere Universitäten müssen weiterhin Spitzenleistungen erbringen und dürfen nicht in die zweite Liga absteigen. Wenn wir jetzt nicht darüber nachdenken, wie wir die Universitäten künftig fördern können, kann es morgen dafür zu spät sein." Ein weiteres zentrales Thema war: Wie lässt sich sicherstellen, dass die Universitäten langfristig über angemessene Einnahmen verfügen? Busquin stellte fest: "In der momentanen Phase wirtschaftlicher Schwierigkeiten werden öffentliche Mittel [für die Hochschulbildung] schwerlich ansteigen. Es ist daher äußerst wichtig zu versuchen, private Investitionen in Universitäten zu lenken." Kommissarin Reding führte Zahlen an, die demonstrieren, dass Europa hinsichtlich der privaten Hochschulfinanzierung - vor allem durch die Familien - mit seinen internationalen Konkurrenten nicht Schritt halten kann. Die Einnahmen aus privaten Quellen der Universitäten in Europa entsprechen lediglich 0,2 % des europäischen BIP, während dieser Anteil in Japan bei 0,6 % und in den USA bei 1,2% des BIP liegt. Diese Differenz des Förderumfangs gefährdet nach Meinung der Kommission die Fähigkeit der europäischen Universitäten, die größten Talente für sich zu gewinnen und zu halten und Exzellenz in Forschung und Lehre zu fördern. Im Verlauf der Debatte sollen auch die folgenden Fragen angesprochen werden: Wie lassen sich Autonomie und Professionalität sowohl in akademischen Belangen als auch im Hochschulmanagement gewährleisten? Wie können die Universitäten besser auf lokale und regionale Anforderungen eingehen und zur Umsetzung entsprechender Strategien beitragen? Wie kann der in der Erklärung von Bologna geforderte europäische Hochschulraum gestärkt werden? Das Ergebnis der Debatte soll europäischen Entscheidungsträgern wertvolle Informationen und Strategien zur Vorbereitung des Frühjahrsgipfels des Rats an die Hand geben, auf dem die Fortschritte in Bezug auf das Erreichen der Ziele von Lissabon zur Wettbewerbsfähigkeit überprüft werden sollen. Außerdem wird die Debatte auf dem Treffen der europäischen Bildungsminister im September in Berlin, auf dem Initiativen bestimmt und untersucht werden, eine Rolle spielen. Am gleichen Tag, an dem die Kommission die Debatte zur Rolle der Universitäten startete, kündeten der französische und der britische Bildungsminister ihre Unterstützung für die Universität Transmanche [Ärmelkanal-überschreitend] an, ein bahnbrechendes Projekt, das von der Universität Kent zusammen mit den drei Universitäten in Lille und der Universität Littoral entwickelt wurde. Der britische Bildungsminister Charles Clarke ließ verlauten: "Die Universität Transmanche ebnet den Weg für eine direkte Verbindung zwischen Colleges und Universitätsabteilungen im Vereinigten Königreich und Frankreich. Dieser innovative Plan unterstützt Studenten-, Postgraduierten- und Forschungsprogramme in beiden Ländern und wird zur wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen auf beiden Seiten des Ärmelkanals beitragen."