Norwegisches Forum untersucht die Rolle der Forschung bei der Förderung nachhaltiger Energien
Es wird angenommen, dass die Industrieländer in der vorhersehbaren Zukunft weiterhin von Energie aus fossilen Brennstoffen abhängig sein werden, und in den Entwicklungsländern steigt der Bedarf an Energie immer mehr. Angesichts dessen wurde am 22. Mai in Brüssel ein von der Vertretung Norwegens bei der EU veranstaltetes Forum eröffnet, bei dem analysiert wurde, welche Rolle die Forschung bei der Förderung nachhaltiger Energiesysteme spielen kann. Odd S. Haraldsen, stellvertretender Generaldirektor des norwegischen Ministeriums für Öl und Energie, führte das Thema im Kontext von Norwegens Energiesektor ein und erklärte, neue Technologie wären ein entscheidender Faktor, wenn man nach nachhaltigen Lösungen für die Herausforderungen suche, denen die norwegische Energieindustrie gegenüber stehe. In Anbetracht des norwegischen Reichtums an natürlichen Energiequellen sieht Haraldsen für das Land eine Rolle als Testgebiet für innovative und nachhaltige Energietechnologien, insbesondere in Bereichen wie Offshore-Ölförderung und Kohlenstoffsequestrierung. Haraldsen gab bekannt, dass die norwegische Regierung eine Expertengruppe ernennen werde, um die Forschung über Methoden zur Herstellung, Lagerung, Verbreitung und Nutzung von Wasserstoff zu koordinieren. Die Gruppe, erläuterte er, werde auch potenzielle Bereiche für eine Forschungskooperation mit der EU und anderen Ländern untersuchen. Er bezeichnete Norwegens Beteiligung an den Forschungsrahmenprogrammen der EU zusammen mit nationalen Aktivitäten als eine hervorragende Grundlage für zukünftige Fortschritte bei der nachhaltigen Energieproduktion und -nutzung. Angel Perez Sainz, Referatsleiter bei der GD Forschung der Kommission, stellte die Mechanismen und politischen Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Energien auf EU-Ebene vor und unterstrich ebenfalls den Beitrag des Sechsten Rahmenprogramms (RP6). Mit einem Budget von 17,5 Milliarden Euro für vier Jahre macht das RP6 nur fünf Prozent der gesamten Forschungsausgaben in der EU aus. Daher betonte Sainz, dass die Mittel sich auf eine begrenzte Anzahl von wichtigen Bereichen, wie die effizientere Nutzung fossiler Brennstoffe, Kohlendioxid (CO2)-Sequestrierung, Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie, konzentrieren würden. William Gillett, stellvertretender Referatsleiter bei der GD Energie und Verkehr der Kommission, schlug ähnliche Töne an. Er erklärte, die begrenzten zur Verfügung stehenden Forschungsmittel auf EU-Ebene würden sich auf so genannte "Leuchtturm-Projekte" konzentrieren: sehr sichtbare Demonstrationsprojekte, die eine allgemeine Nachfrage nach energieeffizienten Technologien und Lösungen anregen. Gillett betonte auch die Bedeutung "weicher" Programme, parallel zu den auf Technologie basierenden Forschungsinitiativen, deren Schwerpunkt es ist, den Übergang von innovativen Produkten auf einen breiteren Markt zu lenken, ohne dabei auf Subventionen zurückzugreifen, die seiner Meinung nach "langfristig nicht nachhaltig sind". Die Möglichkeit zur internationalen Kooperation innerhalb des RP6 und des Europäischen Forschungsraums (EFR) ist laut Gillett ein wichtiges Instrument, nicht nur um die globalen Auswirkungen der Gemeinschaftsinitiativen zu maximieren, sondern auch um für die EU Nutzen aus Aktivitäten, die weltweit in anderen Ländern unternommen werden, zu erzielen. Das Thema der internationalen Zusammenarbeit wurde auch vom schwedischen MdEP Anders Wijkman aufgegriffen. Er warnte, die Initiativen für nachhaltige Energien der EU wären nur effektiv, wenn es ihnen gelinge, den Energiebedarf in allen Teilen der Welt zu reduzieren. "Es liegt in unserem Interesse sicherzustellen, dass die Entwicklungsländer energieeffizienter werden, denn wenn wir dies nicht tun, werden Initiativen in den Industrieländern wenig Gesamtwirkung haben", erklärte er. Wijkman wies darauf hin, dass in den Mitgliedstaaten der Internationalen Energie-Agentur (IEA) die Förderung für Energieforschung in den letzten 20 Jahren halbiert worden sei. Außerdem mache die Forschung zu erneuerbaren Energiequellen und Energieeffizienz nur 26 Prozent der gesamten Förderung für Energieforschung in den IEA-Ländern aus, während die Mittel für die Kernenergieforschung bei 47 Prozent lägen. "Dies ist sicherlich nicht das richtige Gleichgewicht", meinte er. Wijkman argumentierte, ein effizienter Ansatz für Energienutzung und produktion würde zwar zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 50 Prozent und zu Kosteneinsparungen von 30 Prozent für den Energiesektor führen, die Gesamtauswirkung auf die europäische Wettbewerbsfähigkeit sei jedoch geringfügig. Um die Energieeffizienz in die Kernwerte der EU zu integrieren, schlug Wijkman vor, dass das Ziel, den Energieverbrauch um jährlich 2,5 Prozent zu reduzieren, in den Lissabon-Prozess für Wettbewerbsfähigkeit aufgenommen werden könnte. Schließlich skizzierte Wijkman die Rolle der europäischen Institutionen und der politisch Verantwortlichen bei der Förderung eines effizienteren Ansatzes für Energieproduktion und -verbrauch im Kontext eines liberalisierten EU-Energiemarktes. "Wir müssen die Markthegemonie herausfordern. Der offene Markt ist für viele Dinge gut, aber nicht dafür, mit Themen wie nachhaltige Entwicklung umzugehen", argumentierte er.
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