Europa will Folgen der neuen US-Raumfahrtstrategie prüfen
EU-Forschungskommissar Philippe Busquin hat die Pläne der USA für ein neues Raumfahrtprogramm begrüßt. Gleichzeitig kündigte er an, die Kommission werde zusammen mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) die Folgen der neuen Strategie analysieren. Wie das Kommissionsmitglied betonte, sei Europa ebenfalls an der Erforschung des Weltraums, einem Projekt, das "sinnbildlich für die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene" stehe, interessiert. In Bezug auf US-Präsident George Bushs Aufruf zur internationalen Zusammenarbeit betonte Busquin jedoch, dass Europa sich nicht an einem Wettlauf im Weltraum beteiligen wolle. "Die Erforschung des Weltraums ist ein Bereich, der sich hervorragend für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit eignet. Daher begrüßen wir Präsident Bushs Aufruf zur internationalen Zusammenarbeit. [...] Eines ist sicher: Europa wird ein umso zuverlässigerer, glaubwürdigerer und respektierter Partner in der Raumfahrt sein, wenn wir selbst eine Weltraummacht sind." Bei der Vorstellung seines ehrgeizigen Programms, das u.a. vorsieht, vom Mond aus zur Erforschung anderer Planeten zu starten, sagte Präsident Bush, es sei wünschenswert, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten. "Wir werden andere Nationen auffordern, sich gemeinsam mit uns den Herausforderungen und Chancen dieses neuen Zeitalters der Entdeckungen zu stellen", so Bush. "Bei der Vision, die ich heute vorstelle, handelt es sich um eine Reise, keinen Wettlauf. Ich rufe andere Nationen auf, uns im Geiste der Zusammenarbeit und der Freundschaft auf dieser Reise zu begleiten." Zusammenfassend sagte der US-Präsident zu seiner neuen Strategie: "Heute geben wir dem amerikanischen Raumfahrtprogramm eine neue Richtung, die auf allem, was bisher erreicht wurde, basiert und eine klare Zielsetzung besitzt. Wir werden der NASA [National Aeronautics and Space Administration] neue Schwerpunkte und eine neue Vision für zukünftige Erforschung des Weltraums geben. Wir werden neue Raumschiffe bauen, um Menschen in den Weltraum zu bringen, einen neuen Stützpunkt auf dem Mond zu errichten und uns auf neue Reisen in neue Welten vorzubereiten." Konkret planen die USA, bis 2008 ein neues Raumfahrzeug namens Crew Exploration Vehicle zu entwickeln und spätestens 2014 eine erste bemannte Mission durchzuführen. Außerdem sollen spätestens 2020 vom Mond aus Missionen in den Weltraum starten. Als Endziel wurden "bemannte Missionen zum Mars und darüber hinaus" vorgegeben. Bis dahin sind die USA ein enger Partner beim zukünftigen europäischen Satellitennavigationssystem Galileo, denn die USA und die EU verhandeln zurzeit über eine Vereinbarung für eine Zusammenarbeit zu gegenseitigem Nutzen zwischen Galileo und dem US-amerikanischen Global Positioning System (GPS). Früher hatten die USA behauptet, Galileo wäre nicht notwendig und könnte GPS stören. Das Verhältnis hat sich seither jedoch verbessert, sodass aus den USA kürzlich zu hören war, dass "produktive Gespräche zu politischen und technischen Fragen [...] beide Seiten einer Vereinbarung näher gebracht haben". Die Gespräche sollen noch vor Ende Januar fortgesetzt werden.
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