Zweiter IST-Aufruf erfreut sich regen Interesses
Im Rahmen des zweiten Aufrufs zur Einreichung von Vorschlägen unter dem Abschnitt Technologien der Informationsgesellschaft (IST) des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) sind Anträge auf EU-Unterstützung in Höhe von 4,1 Milliarden Euro eingegangen. Damit übersteigen die Anträge die zur Verfügung stehenden Mittel um fast das Achtfache. 1079 Vorschläge wurden bewertet, und 276 Vorschläge mit einer Mittelbeantragung von über einer Milliarde Euro haben die Mindestbedingungen für Förderungswürdigkeit und Bewertung erfüllt. Die EU hat vorläufig 525 Millionen Euro für diesen zweiten Aufruf bereitgestellt. Die Kommission beabsichtigt, zu finanzierende Projekte bis Mitte bzw. Ende Februar auszuwählen und mit den Leitern der ausgewählten Projekte im März, April und Mai Verhandlungen zu führen. Alle Verträge dürften rechtzeitig abgeschlossen sein, damit die Projekte im Sommer 2004 anlaufen können. Morten Møller von der GD Informationsgesellschaft der Europäischen Kommission, der die Bewertungen unter IST leitet, erklärte, der zweite Aufruf sei bei zahlreichen verschiedenen IST-Akteuren auf reges Interesse gestoßen. Die Industrie schlug Projekte im Wert von 1,3 Milliarden Euro vor, und 1,2 Milliarden Euro wurden von Universitäten und Hochschulen beantragt. Forschungsorganisationen beantragten 827 Millionen Euro und KMU (kleine und mittlere Unternehmen) reichten Vorschläge für Projekte im Wert von 700 Millionen Euro ein. Das Verfahren zur elektronischen Vorschlagseinreichung hat sich als erfolgreich erwiesen. Über die Hälfte aller Vorschläge wurde online eingereicht. Die Kommission erwägt nun, ob sie den nächsten IST-Aufruf als ersten rein digitalen Aufruf unter den EU-Rahmenprogrammen veröffentlichen wird. Møller erläuterte, die GD Informationsgesellschaft werde diese Frage intern mit anderen GD der Kommission wie beispielsweise mit dem Juristischen Dienst erörtern. Sie hoffen, ihre Kollegen davon überzeugen zu können, dass das Internet keine Barriere für den Zugang zu RP6-Finanzierung ist. Da alle Antragsteller unter dem Aufruf zur Vorschlagseinreichung umfassenden Zugang zum Internet haben, äußerte sich Møller zuversichtlich darüber, dass künftige IST-Aufrufe durchgehend digital erfolgen werden. Nach Aussage von Møller arbeitet die Kommission nach wie vor daran, den Anteil weiblicher Sachverständiger im Bewertungsprozess zu erhöhen. Von den 606 eingesetzten Experten seien nur 20 Prozent Frauen. Damit habe sich ihr Anteil gegenüber vorherigen Statistiken mit 17 Prozent zwar schon verbessert, aber das Ziel der Kommission von 40 Prozent für das Sechste Rahmenprogramm sei noch längst nicht erreicht. Die vom zweiten IST-Aufruf abgedeckten Bereiche betreffen offene Entwicklungsplattformen, Anwendungen für mobile Erwerbstätige und Nutzer, eingebettete Systeme und Advanced Displays. Der dritte Aufruf des vorrangigen Themenbereichs IST des RP6 wird im Mai 2004 veröffentlicht.