Frankreich will seine wichtigste Forschungsstelle reformieren
Nach den zahllosen Kündigungen französischer Wissenschaftler am 9. März wird Frankreichs größtes Zentrum für wissenschaftliche Forschung, das National Centre for Scientific Research (CNRS), einer weitreichenden strukturellen Reform unterzogen. Bei der Vorlage eines Berichts mit dem Titel 'Projekt für das CNRS hat Bernard Larrouturou, Geschäftsführer des CNRS, seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass das CNRS von 2010 ganz anders sein möge als dasjenige von 2004. Der Bericht nimmt eine Neubewertung der Aufgaben des CNT`RS vor und stellt seine Rolle klar mit dem Ziel, das Organ internationaler und für Studenten attraktiver zu machen, es soll konzentrierter arbeiten und über ein besseres Eigenbewertungssystem verfügen. Herr Larrouturou erklärte: 'Das CNRS muss aufhören, sich als Stelle für Grundlagenforschung zu sehen, und muss sich selbst in die Position eines Kontinuums für Schulung-Forschung-Innovation bringen. Seit seiner Gründung vor 60 Jahren ist das CNRS in Europa zum Aushängeschild der staatlichen Forschung in Frankreich geworden. Doch trotz seiner Größe (26.000 Angestellte, darunter 11.000 Forscher) und der Vielfalt der Fachbereiche ist es laut Herrn Larrouturou nicht Aufgabe des Zentrums, 'die Gesamtheit der nationalen Forschung zu leiten. Obwohl das Zentrum weiterhin in allen Forschungsgebieten vertreten sein sollte, sollte nicht länger versucht werden, jedes Thema abzudecken. Die Laboratorien sollten größer, dafür aber zahlenmäßig geringer sein, sollten auf internationaler Ebene präsenter sein und an Attraktivität gewinnen, indem sie technische und finanzielle Ressourcen kombinieren. Das CNRS wird seine Forschungen nun auf Schlüsselbereiche konzentrieren und so versuchen, auf den Gebieten aufzuholen, auf denen es ins Hintertreffen geraten ist, beispielsweise Life Science und Informationstechnologien. Die einzige Ausnahme wird nach Aussage von Herrn Larrouturou sein, dass jedes Team mit internationalem Charakter unabhängig vom Forschungsgegenstand unterstützt wird, denn das Zentrum strebt eine bessere internationale Öffnung an. In dem Bericht heißt es, dass das CNRS 'eine treibende Kraft bei der Schaffung des Europäischen Forschungsraums (European Research Area, ERA) sein will, der regionale hervorragende Netze bildet, die sowohl auf europäischer als auch globaler Ebene präsent sind. Durch den Erhalt einer größeren finanziellen Unterstützung seitens der EU hofft das CNRS, für die besten Studenten aus dem In- und Ausland attraktiver zu werden. Der Anteil der ausländischen Forscher soll von derzeit 12% auf 25% erhöht werden. Das CNRS ist, so betonte Herr Larrouturou, fest entschlossen, 'die Autonomie junger Forscher zu unterstützen. Dies wird 'das Aufkommen neuer Ideen und neuer Forschungsrichtungen begünstigen. Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu verwirklichen, ist seiner Meinung nach das Ausspielen der französischen Trumpfkarte, also der Beamtenstatus für Forscher. Dieser Aspekt ist bereits jetzt trotz des eher bescheidenen Gehalts ein Anreiz für ausländische Forscher. In dem Bericht wird auch der Bewertungsprozess angegriffen, der stark kritisiert wurde. Derzeit werden Teams und Laboratorien vom Nationalen Komitee für wissenschaftliche Forschung bewertet, das sich zu zwei Dritteln aus gewählten Wissenschaftlern zusammensetzt. Der Geschäftsführer räumt ein, dass sich diese Situation ändern muss: 'Prinzipiell entspricht die Bewertung durch Personen, die man gewählt hat, nicht dem internationalen Standard. Der Bericht enthält daher den Vorschlag, dass die Hälfte der Assessoren und ihre Vorsitzenden ernannt werden, um den Bewertungsprozess unparteiischer und effizienter zu machen. Der Bericht wird der französischen Regierung am 24. Juni zur Beratung vorgelegt. In der Zwischenzeit werden 2.000 oder mehr Forscher, die am 9. März gekündigt haben, am 19. März im Rahmen des neuen nationalen Aktionstags in Straßburg demonstrieren.
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