Beitrittsländer besorgt um europäische Wissenschaft
Bei einer kürzlich vom slowenischen Parlament organisierten Konferenz zum Thema "Wissenschaft und Gesellschaft in einer erweiterten Europäischen Union" gaben Vertreter der zehn Beitrittsländer ihre Bedenken hinsichtlich der europäischen Wissenschaft zum Ausdruck. Die Konferenz bot die Gelegenheit, die wissenschaftlichen Herausforderungen und Chancen für Länder zu prüfen, die einen völlig anderen Hintergrund haben als die derzeitigen Mitgliedstaaten. "Die Wissenschaft in Slowenien erreicht den [Standard des] EU-Durchschnitts auf der Grundlage von einigen Kriterien, aber der EU-Durchschnitt ist nicht sehr gut," sagt Bostjan Zeks, Präsident der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste. "Irgendetwas läuft wirklich schief mit den europäischen Universitäten auf dem Kontinent", fügte er hinzu, bezugnehmend auf die Tatsache, dass mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs keine europäischen Universitäten unter den Top 20 Universitäten der Welt rangieren. Einige der Kernfragen der Konferenz stellen übliche Themen der Debatten in der Europäischen Union dar. "Ich habe ein wenig Angst, dass wir nun in Europa zu viel Druck auf den angewandten Wissenschaften haben," sagte Jiri Niederle von der Wissenschaftsakademie der Tschechischen Republik. "Ich freue mich auf die Gründung eines Europäischen Forschungsrats, der meiner Meinung nach das Gleichgewicht [zwischen der Grundlagen- und Angewandten Forschung] besser ausbalanciert." Über die Abwanderung von wissenschaftlichen Talenten aus den neuen EU-Mitgliedstaaten sagte Zoltan Jan vom Nationalrat der Republik Slowenien: "Wir könnten befürchten, dass Slowenien ein Ausbildungszentrum für Leute wird, die dann im Ausland arbeiten und keinen Beitrag zum Fortschritt ihres Heimatlandes leisten." Unter den Teilnehmer war die Ansicht weit verbreitet, dass die Verfahren für Forschungsmittel der EU zu bürokratisch seien. Edvard Kobal, Direktor der Slovenian Science Foundation, beendete die Konferenz jedoch mit einem positive Verweis. Über den Aspekt der Abwanderung von Talenten sagte er: "Wir sind optimistisch. Wir verfügen natürlich über einen kleinen Prozentsatz von Wissenschaftlern, die skeptisch sind, aber wir müssen daran arbeiten, das zu ändern." Er verwies auf die bestehende Kooperation zwischen slowenischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlern aus anderen EU-Ländern, insbesondere Österreich, und bestand darauf, dass die Migration von Talenten schließlich auch in beiden Richtung verlaufen könnte.