Ängste vor erhöhtem IT-Wettbewerb aus den Beitrittsländern sind laut Bericht übertrieben
Ein Bericht des in Singapur ansässigen IT-Unternehmens International Data Group (IDG) hat die in den derzeitigen Mitgliedstaaten kursierenden Spekulationen über den Einfluss, den die Erweiterung auf das Wirtschafts- und Geschäftsklima der Union haben wird, untersucht. Laut IDG "versprechen sich einige Unternehmen neue Geschäftsgelegenheiten und andere fürchten, dass sie gegen den wachsenden Wettbewerb kämpfen müssen". Der Bericht erklärt, dass es die größeren Länder - nämlich Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich - seien, die sich am meisten über eine Verlagerung der Arbeitsplätze und Investitionen in das kostengünstigere Osteuropa sorgten. Dies sei insbesondere der Fall bei den Schlüsselwachstumsbereichen wie beispielsweise Informationstechnologie und Telekommunikation. Analytiker halten jedoch diese Angst für übertrieben. "Ein Wandel hat bereits eingesetzt und der hat wenig mit der Erweiterung der EU zu tun", erläutert Andrea di Maio, Forschungsleiter eines IT-Unternehmens. Tatsächlich haben Unternehmen, besonders im IT-Bereich, bereits damit begonnen, Geschäftsvorgänge in kostengünstigere Länder wie China und Indien zu verlagern. Ganz ähnlich hat das so genannte "Nearshoring", bei dem Unternehmen in billigere Nachbarländer investieren, bereits eingesetzt. Skandinavische Unternehmen haben z.B. die baltischen Staaten mit ihrer vergleichbaren Kultur, dem hohen Ausbildungsgrad und der hohen Rate an Entwicklung und Durchdringung von Technologiediensten schon als eine Gelegenheit erkannt, die ergriffen werden muss. "Wenn Zypern, die Tschechische Republik, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakische Republik und Slowenien am Samstag offiziell der EU beitreten, wird es keinen Blitz und Donner geben, der eine massive Veränderung in der Art und Weise der Geschäftsabwicklung in Europa markiert. Statt dessen formalisiert sich der bereits stattfindende Wandel", sagte di Maio. Die IDG weist darauf hin, dass die Beitrittsländer zwar zunächst von der Tatsache profitieren werden, dass sie "größeren EU-Märkten eine geografisch nahe gelegene, günstigere Fertigungs- und Dienstleistungsalternative mit vergleichbarer Kultur [bieten], sie sich aber schnell mit fachlichen Fähigkeiten positionieren müssen", wenn sie den Wettbewerb nicht an China und Indien verlieren wollen. Der Bericht stellt außerdem fest, dass "Europa im Großen und Ganzen noch einen Weg zurücklegen muss, bevor es wirklich wettbewerbsfähig bezüglich der Schaffung einer Informationsgesellschaft [...]" ist. In der Tat können einige europäische Länder nicht mit der Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten gleichziehen, wenn diese an Kriterien wie zum Beispiel der Entwicklung von Zentren für Innovation, Forschung und Entwicklung und dem Aufbau von Netzwerkindustrien gemessen wird. "Zwar bietet die EU-Erweiterung IT-Marktchancen wie beispielsweise [...] neue Kundenpools und zusätzliche Investitionen, jedoch braucht ein bedeutsames Wachstum seine Zeit, insbesondere wenn man den Schwung der asiatischen Konkurrenz und die Stärke und Erfahrung der USA bedenkt".
Länder
Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich