Pharmazieriese droht, Europa zu verlassen
Der Vorstandsvorsitzende von Astra Zeneca, einem der weltweit führenden Pharmazieunternehmen, warnte die europäischen Regierungen, dass das Unternehmen seine Investitionen außerhalb Europas tätigen werde, wenn die EU nicht ihr Wirtschaftsumfeld verbessere. Sir Tom McKillop gab diese Erklärung ab, nachdem sich Martin Nicklassen, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung (F&E) bei Astra Zeneca, in einem Interview im schwedischen Radio über die Haltung der schwedischen Regierung beklagt hatte. In dem Interview gab Nicklassen zu verstehen, dass Astra Zeneca das Land Schweden, in dem das Unternehmen etwa 5.000 Forscher beschäftigt, verlassen werde als Reaktion auf die Empfehlung der Regierung an Ärzte, ältere, kostengünstigere Medikamente anstelle der neuen, von Astra Zeneca entwickelten Arzneimittel zu verschreiben. Pharmazieunternehmen haben sich schon häufiger über die europäische Politik der Preiskontrolle sowie über die den Herstellern auferlegten Beschränkungen beschwert. Die Unternehmen bevorzugen den US-amerikanischen Markt, an dem die Arzneimittelpreise und die Arzneimittelverschreibung nicht von Behörden, sondern von den Kräften des Markts geregelt werden. "Wenn man die Geschichte der Industrie betrachtet, kommt es immer dort, wo die Hochtechnologie nicht willkommen ist und keinen aufnahmebereiten Markt findet, zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit", erklärte Sir Tom. "Europa muss sich nun entscheiden, ob es im High-Tech-Bereich mitmischen möchte oder nicht." "Die Hochtechnologie in Europa macht Rückschritte", fügte er hinzu. "Die USA verhalten sich im High-Tech-Bereich geschickt, und ich spreche hier nicht nur von der pharmazeutischen Industrie." Vor kurzem beschuldigte auch der Vorstandsvorsitzende von Pfizer, Dr. Hans McKinnel, die europäischen Gesundheitsbehörden, die Branche in Europa zu zerstören, während andere Pharamunternehmen drohten, ihre Forschung ins außereuropäische Ausland zu verlagern, wenn sich das Umfeld nicht ändere. In einer anderen Bewegung forderten drei italienische Forscher unter der Leitung von Laura Cipollina vom Salvatore Maugeri IRCCS Institut die europäischen Regierungen auf, die Spaltung in der pharmazeutischen Innovation zwischen der EU und den USA mit einer auf Anreizen basierenden Politik aufzuheben. Die drei Wissenschaftler führten eine Studie mit Konzentration auf sechs Länder durch - USA, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Spanien, Frankreich und Schweden. Sie warnten, dass innovative Arzneimittel die Märkte in Europa immer noch nicht erreichen.
Länder
Deutschland, Spanien, Frankreich, Schweden, Vereinigtes Königreich