Chirac fordert EU-Mitgliedstaaten zu höheren Forschungsinvestitionen auf
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Europäischen Zentrums für Elementarteilchenphysik CERN am 19. Oktober forderte der französische Staatspräsident Jacques Chirac die Staaten in Europa auf, die Ausgaben für die wissenschaftliche Forschung zu erhöhen, und warnte davor, dass die europäischen Wissenschaftler Gefahr laufen, hinter ihre Konkurrenz aus anderen Teilen der Erde zurückzufallen. Chirac und König Juan Carlos von Spanien zählten zu den Hauptrednern des Festakts am CERN, das unter anderem gegründet wurde, um in der Nachkriegszeit die Abwanderung von Wissenschaftlern aus Europa in die USA zu stoppen. "Betrachtet man die Zahl der Nobelpreise, Publikationen, Patente und Wissenschaftsstudenten, verliert Europa in alarmierender Geschwindigkeit an Boden", erklärte der französische Staatspräsident. "Der wissenschaftliche Wettbewerb wird immer intensiver. Motoren dieses Wettbewerbs sind nicht mehr die führenden Industrienationen wie die Vereinigten Staaten oder Japan. Tag für Tag verschärft sich die Konkurrenz vonseiten der großen Schwellenländer wie Indien und China." Chirac wies darauf hin, dass die Entscheidung Europas, bis zum Jahr 2010 drei Prozent des BIP in die Forschung zu investieren, nicht ausreiche. Er bekräftigte erneut seine Forderung, die öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) von der im Wachstums- und Stabilitätspakt der EU vereinbarten Obergrenze für das Haushaltsdefizit abzuziehen. Diese Ausgaben seien "eine Investition in die Zukunft", so Chirac. "Es wäre wünschenswert, Forschungsinvestitionen von den im Wachstums- und Stabilitätspakt vereinbarten Kriterien auszunehmen, da dies dem Bestreben Europas, zur wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Volkswirtschaft weltweit zu werden, zuträglich wäre", fügte er hinzu. "Wir dürfen dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, denn es ist der Schlüssel zu unserer Zukunft." Das CERN hat seinen Hauptsitz in Genf und verfügt derzeit über 20 Mitglieder: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakische Republik, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn. Beobachterstatus haben Indien, Israel, Japan, die Russische Föderation, die Vereinigten Staaten von Amerika, die Türkei, die Europäische Kommission und die UNESCO. Im Gründungsvertrag des CERN wird betont, dass die Organisation die internationale Zusammenarbeit fördern und Kontakte zwischen sowie den Austausch von Wissenschaftlern unterstützen soll. "Als die 12 Gründungsmitglieder den CERN-Vertrag am 29. September 1954 unterzeichneten", so CERN-Generaldirektor Robert Aymar, "wiesen sie der neuen Organisation die Aufgabe zu, erstklassige Anlagen und Einrichtungen anzubieten, die Grundlagenforschung in der Teilchenphysik zu koordinieren und die Wiedervereinigung der Staaten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen." Viele werden darin übereinstimmen, dass das CERN diese und andere Ziele erreicht hat.
Länder
Schweiz, Frankreich