Barroso ruft Innovatoren und Unternehmer zur Mobilisierung und Schaffung eines "Europa der Chancen" auf
Laut Kommissionspräsident José Manuel Barroso sind "Wissensgesellschaft" und "Innovation" "fürchterliche Schlagwörter", aber dennoch der Schlüssel für Wachstum und Beschäftigung, die gebraucht werden, um "Europa wieder auf den richtigen Weg zu bringen". Barroso war eingeladen, den Robert Schuman-Vortrag 2005 für den Rat von Lissabon zu halten, und versprach seinem Publikum, er werde keine seiner "Standardreden" aus der Schublade holen und einfach nur beschreiben, worum es bei der Agenda von Lissabon und der Halbzeitüberprüfung gehe. Stattdessen überbringe er eine "wirkliche Botschaft" zu Lissabon und den damit verbundenen Herausforderungen. Vielleicht seien "Wissensgesellschaft" und "Innovation" Schlagwörter, bei denen man an langhaarige Computertechniker und Frauen und Männer in weißen Kitteln in Hightech-Laboren denke. Diese Konzepte seien jedoch ein wesentlicher Teil einer modernen, dynamischen und nachhaltigen Wirtschaft. "Im neuen Binnenmarkt sollte man bei diesen Wörtern nicht nur an Forschung und Hochschulbildung denken, sondern auch an Geschäftschancen, die sich durch sie ergeben", fügte Barroso hinzu. Deshalb seien Wissen und Innovation, neben der Absicht, Europa für Innovationen und qualifizierte Arbeitskräfte attraktiv zu machen und mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, als Schlüsselbereiche einer neu ausgerichteten Agenda von Lissabon ausgewählt worden. Obwohl die Hauptverantwortung für Wissen und Innovation bei den Mitgliedstaaten liege, habe auch die EU eine Rolle zu spielen, so Barroso. Insbesondere sei es Aufgabe der EU, ihren Haushalt für Forschung und Hochschulbildung zu mobilisieren. Der Kommissionspräsident fügte hinzu, er werde diesen Punkt mit einer Gruppe von Nobelpreisträgern diskutieren. Barroso nahm auch Bezug auf eine Reihe von Vorschlägen der Kommission, die zum Ziel haben, Wissen und Innovation zu fördern: Die Schaffung von "Innovationspolen" auf regionaler und lokaler Ebene, an denen Spitzentechnologie, kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Hochschulen und die Wirtschaft beteiligt sind, die Einrichtung eines Europäischen Instituts für Technologie, um die besten Wissenschaftler und Unternehmen aus der ganzen Welt anzuziehen, sowie die Gründung eines Europäischen Forschungsrats, der rein auf der Basis wissenschaftlicher Spitzenleistungen Projekte für eine Förderung auswählt. Wissen und Innovation sollten auch im Hinblick auf ihr Potenzial, Geschäftschancen zu eröffnen, betrachtet werden, fügte der Kommissionspräsident hinzu. Um das Beste aus diesem Potenzial zu machen, müssten die Investitionen des Privatsektors in die Forschung steigen. Während es in der Verantwortung der Unternehmen selbst liege, ihre Investitionsprioritäten zu überdenken, versprach Barroso, dass auch die Kommission ihren Teil übernehmen und das EU-System staatlicher Beihilfen für die Förderung von Forschung und Entwicklung überarbeiten werde. Eine Änderung der Strategie "wird es erleichtern, öffentliche und private Forschungsaktivitäten besser zu integrieren, was im allgemeinen Interesse ist", so Barroso. Ein weiterer offensichtlicher Anreiz für höhere Investitionen des Privatsektors in die Forschung sei, wenn die Ergebnisse kommerziell verwertet werden können. Der Kommissionspräsident schloss mit dem Aufruf an alle, die von Lissabon profitieren möchten, sich zu mobilisieren und mehr in die Zukunft zu blicken. "Wenn die Halbzeitbewertung erfolgreich sein soll, wenn wir ein Europa mit echten Chancen schaffen wollen, müssen wir mehr nach vorn blicken. Die etablierten Interessengruppen haben alle wichtige Beiträge zu leisten und tun dies auch. Doch wo sind die Jungunternehmer? Die allgemeine Öffentlichkeit? Die Risikobereiten? Die Verbraucher? KMU? Innovatoren? Sie müssen mobilisiert werden, wenn der Widerstand gegen die Veränderung überwunden werden soll."