SITE-Projekt bringt das IST-Programm der EU nach Sibirien
Bei Sibirien denkt man nicht sofort an technologiebezogene Forschung, doch die Partner in einem neuen Projekt des Sechsten Rahmenprogramms versuchen, genau diese Assoziation zu fördern. Das SITE-Projekt (Sibirien, Informationstechnologien und Europa) wurde im Rahmen des Programms "Technologien der Informationsgesellschaft" (IST) des RP6 im Sommer 2004 gestartet. Das übergeordnete Ziel ist, die Anzahl der IST-Projekte, an denen Partner aus dem Föderalen Bezirk Sibirien beteiligt sind, zu fördern. Diese Region der Russischen Föderation umfasst etwa die Hälfte des zehn Millionen Quadratkilometer großen Sibiriens. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Industriezweige und Forschungszentren im Föderalen Bezirk Sibirien eingerichtet und unter dem Kommunismus spezialisierte sich die Region auf Militär- und Weltraumforschung. Heute jedoch hat sich ein großer Teil der 66.000 Forscher in dem Bezirk den Informationstechnologien zugewandt, wodurch ein bedeutendes Potenzial für internationale Forschungskooperation geboten wird. Seit dem Projektstart hat das SITE-Konsortium - unter der Federführung von Singleimage, VK, und der Beteiligung des russischen Verbands für Ingenieurausbildung und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) - bereits ein Netzwerk mit 56 Kontaktstellen im Föderalen Bezirk Sibirien geschaffen. Das Projekt hat zum Ziel, diese Einzelpersonen im IST-Programm zu schulen, sodass diese wiederum Forscher in der Region informieren und unterstützen können. Das Netzwerk von Kontaktstellen und die acht regionalen Förderzentren, die ebenfalls im Rahmen des Projekts aufgebaut wurden, wollen eines der Haupthindernisse für eine sibirische Beteiligung am Rahmenprogramm angehen: die aus Sicht der Forscher in der Region komplexen EU-Verfahren. CORDIS-Nachrichten sprach mit Petra Reiter von der FFG und fragte sie, welche anderen Barrieren für die Forschungszusammenarbeit zwischen der EU und Sibirien das SITE-Projekt überwinden möchte. "Der Mangel an Bewusstsein in beiden Regionen ist ein echtes Problem", meinte sie. "Dann besteht natürlich das Problem der geographischen Entfernung und auch das Niveau des Englisch-Sprachtrainings muss in Sibirien noch verbessert werden [,um die Forschungskooperation zu erleichtern]." Als Teil des Projekts werden erhebliche Anstrengungen unternommen, um diese Hindernisse zu überwinden. So werden bei IST-Konferenzen in der EU Kontaktbörsen für Forscher aus der EU und Sibirien organisiert (wobei das SITE-Projekt die Beteiligung von jeweils bis zu acht Forschern aus dem Föderalen Bezirk Sibirien mit Vorschlägen für eine wissenschaftliche Zusammenarbeit sicherstellt), um auf beiden Seiten das Bewusstsein zu fördern und um persönliche Beziehungen zu festigen, mit denen die großen Entfernungen zwischen den Forschern beider Regionen überbrückt werden können. Doch das Projekt hat überdies noch weitere spezifischere Ziele. Beispielsweise wurde bereits eine Datenbank eingerichtet, die es europäischen Forschern ermöglicht, die Profile von Technologieforschern in Sibirien zu durchsuchen, und das Konsortium hat zum Ziel, zu den bisher 320 Profilen noch weit mehr hinzuzufügen. Die SITE-Partner haben zudem vor, eine Reihe von formellen Vorschlägen für bevorstehende Aufrufe unter dem IST-Programm zu entwickeln. "Wir wollen etwa zehn Vorschläge einreichen, wobei wir, wenn wir realistisch sind, auf zwei oder drei erfolgreiche Projekte als Ergebnis hoffen können, aber das ist natürlich schwierig vorherzusagen", erläuterte Reiter. Auf die Frage, ob der Erfolg des Projekts daran gemessen werde, wie viele erfolgreiche Vorschläge aus den Aktivitäten hervorgehen, antwortete Reiter: "Eigentlich ist der Aufbau von Kapazitäten das wichtigste Element, doch die Vorschläge sind auch wichtig, um Erfolge zu schaffen und die echten Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu zeigen." Schließlich meint Reiter, dass die Wissenschaftler in beiden Regionen sehr von einer intensiveren Zusammenarbeit profitieren würden. Für die europäischen Forscher bietet Sibirien einen noch zu entdeckenden Pool an technologischem Fachwissen, das einen erheblichen Mehrwert zu gemeinsamen Unternehmungen beitragen kann. Die Wissenschaftler des Föderalen Bezirks Sibirien können sich durch die Teilnahme an EU-Programmen mit dem Verfahren der formellen Vorschlagseinreichung vertraut machen und ihnen bieten sich lohnende professionelle Herausforderungen. "Und letztlich", so Reiter, "wird durch diese Erfahrung Vertrauen zwischen Forschern in der EU und Russland aufgebaut, was nur positiv sein kann."
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