Potocnik sucht Unterstützung der Industrie für EU-Forschungsdebatte
Der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung Janez Potocnik hat den europäischen Privatsektor aufgerufen, die Bemühungen der EU zu unterstützen, die wettbewerbsfähigste wissensbasierte Wirtschaft der Welt zu werden. In seiner Rede auf der Jahreskonferenz der European Industrial Research Management Association (EIRMA) am 27. Mai erläuterte Potocnik die Pläne der Kommission für das Siebte Rahmenprogramm (RP7) und die wiederbelebte Lissabon-Agenda, wobei er jeweils die zentrale Rolle des Privatsektors hervorhob. "Doch diese Pläne werden von der entscheidenden Debatte über den EU-Haushalt 2007-2013 - der so genannten finanziellen Vorausschau - überschattet", sagte der Kommissar. "Die Entscheidung der Mitgliedstaaten über die finanzielle Vorausschau und insbesondere über das Budget für das Forschungsrahmenprogramm wird 'die Stunde der Wahrheit'." Europäische Führungskräfte müssten sich entscheiden, ob sie ein Europa möchten, das sich auf die Umverteilung des vorhandenen Reichtums konzentriert, oder ein Europa, in dem das wissensbasierte Wachstum und die Schaffung eines nachhaltigen Wohlstands für seine Bürger im Mittelpunkt stehen, so der Kommissar. "Ich fürchte, der aktuelle Stand der Dinge ist nicht sehr viel versprechend. Die Regierungen vieler EU-Mitgliedstaaten, die natürlich die Unterstützung ihrer Wähler nicht verlieren möchten, verteidigen weiterhin traditionelle Posten im Budget, wie z. B. Landwirtschaft und Kohäsion", fügte Potocnik hinzu. "Das soll nicht heißen, dass wir die Landwirtschaft und Kohäsion nicht unterstützen müssen, doch wenn wir die Zukunft Europas ernst nehmen, dann müssen wir enorme Summen in wachstumsorientierte Maßnahmen investieren - d. h. in die Forschung, Wissen und Innovation." Potocnik forderte die versammelten Führungskräfte der Industrie auf, ihren Einfluss geltend zu machen, um eine EU-Agenda zu fördern, die seiner Meinung nach ganz in ihrem Interesse ist. "[W]ir benötigen Ihre Unterstützung, um die nationalen Behörden davon zu überzeugen, Maßnahmen zu ergreifen, die zur Umsetzung der Strategie von Lissabon notwendig sind. Dies betrifft den Gemeinschaftshaushalt für die nächsten sieben Jahre und insbesondere die Verdoppelung des [RP7] Haushalts. Ich fordere Sie daher auf, sich aktiv an der Einrichtung der nationalen Lissabon-Reformprogramme zu beteiligen. Ihre Meinung ist wichtig und muss gehört werden." Abschließend erinnerte Potocnik die Teilnehmer daran, dass es mit öffentlichen Maßnahmen zur Schaffung eines günstigen Umfelds für Forschungsinvestitionen des Privatsektors nicht getan sei. Die Unternehmen seien dazu verpflichtet, ihre Rolle zu übernehmen. "Die Privatwirtschaft muss investieren, expandieren und einen Nutzen aus den Maßnahmen ziehen, die ihnen im Rahmen von Aktionen und Programmen der öffentlichen Politik geboten werden. Hier sind Sie am Zug", sagte der Kommissar abschließend.