Einigung zur Senkung der Fangquoten für Thunfisch nach wissenschaftlicher Beratung erzielt
Unter Befolgung der Ratschläge von Wissenschaftlern sollen die jährlichen Fangquoten für Roten Thun im Ostatlantik und im Mittelmeer in den kommenden Jahren schrittweise reduziert werden, um die Art vor dem Aussterben zu bewahren. Die Einigung zu den neuen Quoten wurde von den Mitgliedsländern der Internationalen Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT), die vom 17. bis 26. November in Dubrovnik, Kroatien, zusammengekommen ist, erzielt. Laut den wissenschaftlichen Ratschlägen, die für die Sitzung vorbereitet wurden, betragen die derzeitigen Fänge im Ostatlantik und im Mittelmeer etwa das Dreifache des Niveaus, mit dem ein nachhaltiger Ertrag erzielt würde. Die Tatsache, dass die vorhandenen Maßnahmen unzureichend durchgesetzt werden, hat Experten zufolge zu illegalen Fangtätigkeiten in Bezug auf Thunfisch und zur Überfischung geführt. Mit der Einigung, die auf Vorschlägen basiert, die von der EU, Algerien, Kroatien, Libyen, Marokko, Tunesien und der Türkei vorgelegt wurden, wird versucht, diese Probleme direkt anzugehen. Sie umfasst eine Reihe von Maßnahmen, die ab dem 1. Januar 2007 über den Zeitraum der kommenden 15 Jahre umzusetzen sind. Diese betreffen Folgendes: - schrittweise Verringerung der zulässigen Gesamtfangmenge von derzeit 32 000 Tonnen auf 25 500 Tonnen im Jahr 2010; - Ausdehnung der Schonzeiten, in denen Roter Thun nicht gefangen werden darf; - Anhebung der zugelassenen Mindestanlandegrößen von 10 auf 30 kg; - ein umfassendes Kontrollsystem, das alle Stufen des Prozesses vom Fang bis zum Markt über die Anlandung, Umladung und Hälterung umfasst; - Anwendung einer gemeinsamen internationalen Inspektionsregelung, die erstmals Inspektionen von auf hoher See befindlichen Fischereifahrzeugen einer Vertragspartei durch eine andere Vertragspartei ermöglicht; - Registrierung aller Fischereifahrzeuge, die Roten Thun befischen, sowie aller Thunfischfallen, um einen genaueren Überblick über die Fangkapazität zu gewinnen. Der Europäischen Kommission zufolge bietet die ICCAT-Einigung realistische Chancen für eine nachhaltige Befischung von Rotem Thun. In einer Stellungnahme werden die Aussagen von Wissenschaftlern zitiert, dass die Fänge von Jungtieren dank des Mehrjahresplans um 50 Prozent zurückgehen und sich auch die Fänge von ausgewachsenen Tieren erheblich verringern dürften. In einer Stellungnahme zu der Einigung sagte Joe Borg, EU-Kommissar für Fischerei und Maritime Angelegenheiten, dass die neuen Maßnahmen allen Betroffenen zwar kurzfristig Opfer abverlangen würden, sie seien aber "unverzichtbar für die Wiederauffüllung der Bestände von Rotem Thun, von der die ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit dieser Fischerei abhängt". Für Umweltschutzorganisationen gehen die Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Laut WWF wurde mit der Einigung nicht der wissenschaftliche Rat befolgt, der wesentlich niedrigere Quoten vorschlug, als auf der Sitzung in Dubrovnik vorgelegt wurden. Der Organisation zufolge liegen die tatsächlichen Fänge von Rotem Thun im Mittelmeer mehr als über 50 Prozent über der von der ICCAT festgesetzten Quote.