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RP7 läutet neue Ära der geisteswissenschaftlichen Forschung ein

Als das RP7 vorgestellt wurde, waren viele in dem Glauben, die Geisteswissenschaften fänden zum ersten Mal in einem Forschungsrahmenprogramm Berücksichtigung, dabei ist dieser Forschungsbereich bereits seit vielen Jahren in den Programmen vertreten. CORDIS-Nachrichten sprach...

Als das RP7 vorgestellt wurde, waren viele in dem Glauben, die Geisteswissenschaften fänden zum ersten Mal in einem Forschungsrahmenprogramm Berücksichtigung, dabei ist dieser Forschungsbereich bereits seit vielen Jahren in den Programmen vertreten. CORDIS-Nachrichten sprach mit den Verantwortlichen für Geisteswissenschaften in der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission um herauszufinden, worin die Ursache dieser falschen Vorstellung liegt, und um zu erfahren, warum dieser Forschungsbereich für den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der EU wichtig ist. "Seit dem RP5 sind die Geisteswissenschaften Bestandteil der EU-Rahmenprogramme für Forschung, allerdings nur am Rande", so Pascal Dissard von der Direktion "Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft" der GD Forschung. Gegen Ende des RP6 hat der Bereich jedoch mit einer Reihe von geförderten Großprojekten zu Themen wie Sprachwissenschaft und kulturelle Vielfalt an Bedeutung gewonnen. Mit dem RP7 haben die Geisteswissenschaften nun nach Meinung vieler ihre rechtmäßige Stellung im Europäischen Forschungsraum (EFR) erhalten. Im Rahmen des neuen Programms sind für den vorrangigen Themenbereich "Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften" insgesamt 623 Mio. EUR veranschlagt. "Das RP7 ist das erste Rahmenprogramm, in dem der Begriff 'Geisteswissenschaften' im Titel eines vorrangigen Themenbereichs auftaucht", so Johannes Klumpers, Leiter des Referats "Wissenschaftskultur und Geschlechterfragen", gegenüber CORDIS-Nachrichten. "Das spiegelt die wachsende Bedeutung der Geisteswissenschaften wider." Sowohl für Dissard als auch für Klumpers ist es angesichts des Potenzials von Fachrichtungen wie Rechtswesen, Anthropologie oder Geschichte für die Lösung einiger sozialer und wirtschaftlicher Probleme Europas nicht verwunderlich, dass der Bereich an Bedeutung gewinnt. "Man ist sich einig darüber, dass die verschiedenen Fachrichtungen, die unter dem Begriff 'Geisteswissenschaften' zusammengefasst werden, einen großen Beitrag zur Lösung drängender Fragen leisten können, mit denen wir uns seit einigen Jahren beschäftigen", so Klumpers weiter. Hierzu zählen Sicherheitsherausforderungen, Multikulturalismus und europäische Identität. Diese drängenden Fragen werden im ersten Aufruf des vorrangigen Themenbereichs aufgegriffen, der am 22. Dezember 2006 veröffentlicht wurde. Das Besondere an diesem Aufruf ist das fächerübergreifende Wesen der abgedeckten Themen. Von Migration und Multikulturalismus bis hin zur Rolle Europas in der Wirtschaftspolitik - für viele, wenn nicht gar alle Projekte wird ein gewisses Maß an Multidisziplinarität gefordert werden. Die Europäische Kommission beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit der Frage, wie die Geisteswissenschaftler in diesen gemeinsamen Ansatz passen. Im Februar 2006 wurde eine Expertengruppe bestehend aus zwölf Vertretern der Geisteswissenschaften eingerichtet, um die Kommission bei der Integration der Geisteswissenschaften in den Europäischen Forschungsraum (EFR) und der Förderung der Teilnahme von Geisteswissenschaftlern am RP7 zu unterstützen. "Eines der von der Gruppe behandelten Themen war die Förderung der multidisziplinären Zusammenarbeit unter Einbeziehung von Geisteswissenschaftlern", erläuterte Dissard. Die Expertengruppe arbeitet zurzeit an einem Bericht, der im März in Berlin präsentiert werden soll. Der Bericht enthält Empfehlungen für die Kommission, wie sie gewährleisten kann, dass Forscher der Geisteswissenschaften nicht links liegengelassen werden. "Wir würden es begrüßen, wenn die Geisteswissenschaften in all unseren [Forschungs-] Aktivitäten stärker vertreten wären", so Dissard. "Wir möchten nicht, dass sie [die Geisteswissenschaftler] sich nur mit einem bestimmten Forschungsbereich beschäftigen; wir möchten, dass sie sich stärker an soziologischen Themen beteiligen." "Das [Arbeits-] Programm umfasst eine Reihe von Themen, die sich stärker auf die Sozialwissenschaften konzentrieren, doch es gibt auch andere Themen wie Multikulturalismus, in denen die Geisteswissenschaften stärker und die Sozialwissenschaften weniger stark wiegen", erläuterte Klumpers. Die verschiedensten gemeinsamen Forschungsansätze seien vorstellbar, glaubt er. Im Fall eines Projekts zu Multikulturalismus "wäre es ohne Weiteres denkbar, dass Geisteswissenschaftler gemeinsam mit Wirtschaftswissenschaftlern an einer Wirtschaftsanalyse arbeiten", fasste er zusammen. Obwohl die Industrie nicht direkt angesprochen wird, gehen Klumpers und Dissard von ihrer Beteiligung, insbesondere der kreativen Branchen, dem Management kulturellen Erbes oder den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), aus. "Einige Elemente des Arbeitsprogramms sind ganz klar von Interesse für die Industrie", so Klumpers, der dabei auf das Thema "immaterielle Investitionen und Innovation" des ersten Aufrufs hinwies. "Es handelt sich zwar in erster Linie um eine wissenschaftliche Übung, doch das Ergebnis wird für die Industrie von großer Bedeutung sein." Er betonte jedoch, dass die Bewertung von Projektvorschlägen im Gegensatz zu anderen thematischen Bereichen ohne Beteiligung der Industrie erfolgt. Eine der größten Herausforderungen für die Kommission in den letzten 18 Monaten bestand darin, Vertreter der Geisteswissenschaften über die Möglichkeit einer Förderung im RP7 zu informieren. "Wir haben eine Menge Informationsarbeit geleistet und uns größte Mühe gegeben, der Wissenschaftsgemeinschaft das Arbeitsprogramm nahe zu bringen", so Dissard. Hierbei haben auch die Nationalen Kontaktstellen (NKS) und das ERA-net HERA (Geisteswissenschaften im Europäischen Forschungsraum), ein Netzwerk aus 15 Forschungsräten zu Geisteswissenschaften, geholfen. Beide Netzwerke leiten Informationen an Forscher in ihren jeweiligen Ländern weiter. Ein weiteres effizientes Kommunikationsinstrument war der Newsletter zu Sozial- und Geisteswissenschaften der Kommission. Über 5 000 Abonnenten und eine große Online-Leserschaft nutzen den Newsletter, um sich über Ergebnisse und Veröffentlichungen von RP6-Projekten sowie bevorstehende Veranstaltungen zu informieren. "Der Newsletter deckt die verschiedenen Forschungsrahmenprogramme ab und gibt damit ein lückenloses, umfassendes Bild wider", erläuterte Dissard. "Er bietet ein sehr anschauliches Bild der Förderungen." Dank dieser ersten Informations- und Kommunikationsarbeit überstieg das Interesse der Geisteswissenschaftler am RP7 alle Erwartungen. Bei der kürzlich erfolgten Einführung des Programms in Bonn strömten Massen von Forschern zu dem Workshop zu Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften. Aufgrund des großen Andrangs musste Klumpers den Workshop zweimal abhalten. "Wegen der gründlichen Informations- und Kommunikationsarbeit bestand ein unglaubliches Interesse, mit dem wir nicht gerechnet hatten", so Klumpers. Auch die anderen Generaldirektionen der Kommission zeigen großes Interesse an dem Themenbereich. Während der Konsultation zu den Prioritäten des vorrangigen Bereichs nahmen Vertreter der GD Beschäftigung, Gesundheit sowie Bildung und Kultur aktiv an Diskussionen teil - etwas, was Klumpers während seiner Laufbahn in der Kommission zuvor noch nicht erlebt hat. "Dieses [Arbeits-] Programm hat ganz eindeutig große politische Relevanz, was sich in dem Interesse unserer eigenen politischen Entscheidungsträger zeigt", schloss Klumpers.

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