Impfen per Tätowierung
Neuen Forschungsergebnissen deutscher und tschechischer Wissenschaftler zufolge soll eine Tätowierung für die Verabreichung von DNA-Impfstoffen wirksamer als die direkte intramuskuläre Injektion sein. Bei der DNA-Impfung wird das Gen eines Pathogens direkt in den Wirt injiziert, der dann in den eigenen Zellen das entsprechende Pathogenprotein produziert. Das löst eine Antwort des Immunsystems des Wirtes aus. Zu den Vorteilen der DNA-Impfung gehört, dass die Vektoren schnell aufgebaut werden können, außerdem ist die schnelle Impfstoffherstellung im großen Maßstab sehr viel günstiger als für konventionelle Impfstoffe. Darüber hinaus sind die Impfstoffe auch bei höheren Temperaturen stabil, wogegen viele traditionelle Impfstoffe kühl gelagert werden müssen und nur eine begrenzte Haltbarkeit haben. In dieser jüngsten Forschungsarbeit verglichen die Forscher die Verabreichung des Vakzins mithilfe einer Tätowiermaschine mit der intramuskulären Injektion sowohl mit als auch ohne Hilfsstoffe, die die Immunantwort des Vakzins anregen. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Genetic Vaccines and Therapy veröffentlicht. Die Tätowiermethode ergab eine sehr viel stärkere Antikörper- und Zellantwort als bei der intramuskulären Injektion. Mit drei Dosen DNA-Vakzin, die mittels Tätowiermaschine eingebracht wurden, wurde ein 16-fach höherer Antikörpertiter erreicht als bei drei intramuskulären Injektionen. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass die Hilfsstoffe die Immunantwort bei den intramuskulären Injektionen zwar erhöhten, aber keine Wirkung auf die DNA-Impfungen hatten. Bei der Tätowierung wird eine Wunde verursacht, die sich entzündet und dadurch das Immunsystem anregt. Außerdem wird damit ein größerer Hautbereich abgedeckt als bei einer Injektion, wodurch das DNA-Vakzin in mehr Zellen eindringen kann. Die Forscher spekulieren, dass diese Faktoren zur Wirksamkeit der Tätowierung als eine mögliche Methode zur Verabreichung von Vakzinen beitragen könnten. "Impfung mit purer DNA war wegen ihrer schwachen Wirkung kaum möglich", kommentierte Martin Müller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der die Forschung leitete. "Die Verabreichung von DNA mittels Tätowiermaschine könnte eine Möglichkeit für eine verbreitete kommerzielle Anwendung von DNA-Vakzinen sein." Obwohl die Forscher sich einig sind, dass eine Tätowierung aufgrund ihrer Schmerzhaftigkeit nicht für jedermann geeignet ist, glauben sie jedoch, dass sie in der Viehwirtschaft oder auch bei der Verabreichung therapeutischer (im Gegensatz zu präventiven) Vakzine für Menschen Anwendung finden könnte. "Dennoch scheint die Verabreichung von DNA-Vakzinen mithilfe einer Tätowiermaschine eine Alternative zu sein, wenn Immunreaktionen schneller und stärker erzielt werden müssen", schlussfolgern die Forscher. Zu den Vorteilen der Tätowiermethode gehören die niedrigen Kosten für die Tätowiermaschine und eine standardisierte Methode für die Anwendung. Auf der negativen Seite nennen die Forscher die Belastung der Tiere und ein "gewissermaßen mühseliges Anwendungsverfahren". Tätowierung wird bereits in einigen medizinischen Forschungsanwendungen eingesetzt, bei denen Material in die Haut eingebracht wird, beispielsweise bei der Behandlung von Narben. Sie wird auch benutzt, um die Prozesse zu untersuchen, die bei der kosmetischen Tätowierung involviert sind, oder um DNA für eine mögliche Gentherapie von Hautkrankheiten einzubringen.
Länder
Tschechien, Deutschland