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Seen auf dem Mars?

Kaum zu glauben, aber neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin: Der Mars war noch vor 3 Milliarden Jahren ein warmer und wasserreicher Planet. In der Fachzeitschrift Geology stellen Wissenschaftler vom Imperial College London und vom University College London (UCL) im Verei...

Kaum zu glauben, aber neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin: Der Mars war noch vor 3 Milliarden Jahren ein warmer und wasserreicher Planet. In der Fachzeitschrift Geology stellen Wissenschaftler vom Imperial College London und vom University College London (UCL) im Vereinigten Königreich Vermutungen darüber an, ob es auf dem "roten Planeten" tatsächlich riesige Seen (von jeweils etwa 20 km Durchmesser) gab, die in der Hesperianischen Periode, der zweiten, durch Lavaströme geprägten Epoche von drei geologischen Marszeitaltern, durch geschmolzenes Eis entstanden. Frühere Studien legten nahe, dass es auf dem Mars tatsächlich einmal feucht und warm war, aber der Verlust des größten Teils seiner Atmosphäre vor 4 bis 3,8 Milliarden Jahren, noch vor der Hesperianischen Periode, verursachte schließlich eine kalte und trockene Umwelt. Die nun vorliegenden neuesten Forschungsergebnisse, bekräftigt durch detaillierte Aufnahmen der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter, die derzeit den roten Planeten umkreist, lassen die Wissenschaftler schlussfolgern, dass der Mars tatsächlich warme und nasse Perioden erlebt hat. Die neuen Bilder zeigen etliche kleine, gewundene Kanäle, die die Vertiefungen in der Planetenoberfläche verbinden, die sich insbesondere in der Äquatorregion Ares Vallis befinden - einer riesigen, 2000 km langen Schlucht. Nach Auffassung der Forscher kann nur fließendes Wasser diese Kanäle geschaffen haben. Die direkte Verdunstung von Eis zu Gas könne dafür nicht verantwortlich gewesen sein. Experten der amerikanischen Weltraumbehörde NASA (National Aeronautics and Space Administration) glauben außerdem an ein Entstehen dieser Flussbetten durch das Fließen von Mars-Oberflächenwasser zwischen den Senken vor etwa 3 Milliarden Jahren. Wissenschaftler gingen in der Vergangenheit davon aus, dass die Vertiefungen durch Sublimation entstanden sind - einen Prozess, bei dem ein Element oder eine Verbindung wie etwa Eis vom festen in den gasförmigen Zustand übergeht, ohne zwischendurch flüssig zu sein. Wodurch aber könnte eine wärmere und feuchtere Umwelt ausgelöst worden sein? Verschiebungen in der Umlaufbahn des Planeten, stärkere vulkanische Aktivitäten oder sogar Meteoriteneinschläge seien vermutlich für die wärmeren und wasserreicheren Perioden des Planeten verantwortlich gewesen, so die Forscher. Höhere Temperatur hätten Gase erzeugt, die die Atmosphäre für eine kurze Periode verdichteten, in wirksamer Weise mehr Sonnenlicht einfingen, sodass es warm genug für flüssiges Wasser gewesen sei. "Die Erforschung des Mars hat sich bislang weitgehend auf die Frühphase und die jüngere Vergangenheit konzentriert", erklärt Dr. Nicholas Warner, führender Autor der Studie vom Department of Earth Science and Engineering des Imperial College London. "Die Wissenschaftler haben die Hesperianische Periode nur wenig berücksichtigt, weil man allgemein davon ausging, dass der Mars zu jener Zeit eine eiskalte Ödnis war. Überraschenderweise zeigt unsere Untersuchung nun, dass diese mittlere Marsperiode sehr viel dynamischer verlaufen ist als bisher angenommen." Professor Jan-Peter Muller vom UCL, verantwortlich für die Kartierung der dreidimensionalen Form der Marsoberfläche dazu: "Wir können jetzt die 3D-Form der Oberfläche des Mars bis hin zur Auflösung im Bereich unterhalb eines Metes mindestens so gut wie ein die Erde umkreisender kommerzieller Satellit modellieren. Dies erlaubt es uns, unsere Hypothesen auf eine sehr viel exaktere Weise als je zuvor zu testen." Die Ergebnisse dieser Studie sind also ein wahrer Segen für Wissenschaftler, die mögliches Leben auf dem Mars untersuchen. Den Forschern zufolge zeigen die Seebetten Regionen auf dem Mars an, die warm und feucht gewesen und ideale Orte für mikrobielles Leben abgegeben haben könnten. "Diese Gebiete könnten gute Untersuchungsziele für künftige Robotermissionen sein." Die Wissenschaftler planen, andere Gebiete entlang des Äquators des Planeten zu erforschen, um die Bedeutung der Existenz der Seen während der Hesperianischen Periode zu ergründen. Außerdem steht "Chryse Planitia" auf ihrer Liste, eine Region an der Mündung des Ares Vallis. Erste Daten deuten darauf hin, dass auch in diesem Gebiet Seen existierten.

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